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Schiefer Dom von Zwickau wird stabilisiert

Fundament bröselt Schiefer Dom von Zwickau wird stabilisiert

Zwickauern fällt es kaum noch auf, doch Besucher stutzen beim Gang durch den Dom St. Marien. Das Gotteshaus neigt sich rund 40 Zentimeter in Richtung Osten. Jetzt werden die Fundamente saniert. Richtig gerade stehen wird die Kirche aber nie wieder.

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Zwei riesige Holzstützen stabilisieren am 08.03.2017 die Pfeiler des Chorraums am Dom von Zwickau (Sachsen). Durch den Steinkohlebergbau unter dem Stadtzentrum und ein den Belastungen nicht gewachsenes Fundament senkt und neigt sich das 500 Jahre alte Gotteshaus rund 40 Zentimeter nach Osten.

Quelle: dpa

Zwickau. Wenn man mit geschlossenen Augen vom Eingangsportal des Zwickauer Doms in Richtung Chorraum geht, hat man das Gefühl bergab zu laufen. Das Gefühl trügt nicht. Tatsächlich fällt das wichtigste sakrale Baudenkmal der westsächsischen Stadt zwischen der letzten und der ersten Kirchenbank um rund 40 Zentimeter ab. Der Dom St. Marien steht schief. „In zehn Meter Höhe ist der Dom schon 43 Zentimeter aus dem Lot“, sagt Dombaumeister Michael Kühn und zeigt auf einen der mächtigen Strebepfeiler des evangelischen Gotteshauses.

Damit der Zwickauer Dom nicht eines Tages dem Schiefen Turm von Pisa Konkurrenz macht, sollen die Fundamente nun umfassend saniert und stabilisiert werden. „Wenn wir nicht eingreifen, ist der Dom irgendwann nicht mehr tragsicher. Er würde im schlimmsten Fall einstürzen“, sagt Kühn, der sich seit 1984 um den Dom kümmert.

Durch den Steinkohlebergbau unter dem Stadtzentrum und ein den Belastungen nicht gewachsenes Fundament senkt und neigt sich das 500 Jahre alte Gotteshaus rund 40 Zentimeter nach Osten.

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Da sich die Pfeiler an der Ostseite in Richtung Rathaus neigen, der übrige Teil aber nicht, kippt der Dom etwa in der Mitte ab und droht auseinanderzureißen, sagt der 73-Jährige. Je schiefer die Kirche stehe, desto mehr drücke das Gewicht des riesigen Baus. „Sowohl außen als auch innen sind bereits Risse im Mauerwerk zu erkennen.“ Wie Zickzacklinien fressen sie sich vom Fuß des Gebäudes bis nach oben zum Gewölbe.

Lange Zeit galt der Steinkohlenbergbau im Zwickauer Revier als Ursache für den Schiefstand, weil sich das Gelände über den alten Schächten absenkt. Tatsächlich ist der Dom allein zwischen 1925 und 1935 im Mittel um 3,63 Meter in die Tiefe gerutscht, erklärt Kühn. Das liege vor allem daran, dass die damals vorhandenen Kohleflöze nicht durchgängig gewesen seien, sondern Verwerfungen aufwiesen. Die daraus resultierenden Setzungen hätten sich seit 1940 beruhigt.

Aber allein seit der Wende habe sich das Gebäude um weitere zwölf Zentimeter Richtung Osten geneigt. „Inzwischen wissen wir, dass die Fundamente das eigentliche Problem sind.“ In mühevoller Handarbeit haben Arbeiter mit Hacke und Schaufel seit Herbst die Gründung des Doms im Inneren freigelegt, den Bauschutt mit der Schubkarre hinaus geschafft. Seit Februar wird auch an der Außenseite gegraben, hier zumindest teilweise mit Baggern.

Ursprünge des Zwickauer Doms reichen ins 11. Jahrhundert zurück

Die Ursprünge der Zwickauer Marienkirche – seit 1935 als Dom St. Marien bezeichnet – gehen vermutlich auf das Jahr 1118 zurück. Demnach wurde zu dieser Zeit ein einschiffiger romanischer Bau von ungefähr 24 Metern Länge errichtet, sagt Dombaumeister Michael Kühn. Die Kirche wurde über die Jahrhunderte immer wieder erweitert und umgebaut. Sie weist daher neben romanischen und spätgotischen Elementen einen barocken Glockenturm aus dem Jahr 1672 auf.

Unter Leitung des damaligen Dombaumeisters Oscar Mothes wurde die Kirche gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Geist des Historismus restauriert. Aus dieser Zeit stammen die zahlreichen Skulpturen von Propheten, Aposteln oder den Reformatoren an der Nordseite des Gebäudes, die in den letzten Jahren restauriert werden konnten.

Heute ist der Dom im Zentrum der Stadt das wichtigste sakrale Baudenkmal Zwickaus. Als das bedeutendste Kunstwerk der Kirche gilt der Flügelaltar von Michael Wolgemut aus dem Jahr 1479.

Der Blick in drei Meter Tiefe war für Michael Kühn ernüchternd: Außen sind die Sandsteine des Fundaments schlecht vermörtelt, im Inneren sind sie sogar nur lose aufgeschichtet. „Für die damalige Belastung war das Fundament von 1470 zwar nicht gut, aber völlig ausreichend“, sagt der Experte. Das Problem: Über die Jahre wurde der Dom um fünf Meter erhöht, das verändere die Kräfte.

Der Bergbau tat sein Übriges. Nach dessen Ende kam noch ein steigender Grundwasserspiegel hinzu. „Wenn Sandstein aber nass wird, lässt er sich richtiggehend abbröseln“, sagt er und führt es gleich vor. Das Fundament verlor über die Zeit immer weiter an Festigkeit. Der für den Laien massiv wirkende Granitfuß des Doms hingegen wurde erst im 19. Jahrhundert angebracht - und ist nicht mehr als eine hübsche Verblendung.

Nun soll die alte Gründung durch Stahlbeton ersetzt werden. Dafür werde das Gebäude im sogenannten „Pilgerschrittverfahren“ etappenweise unterfahren. Damit der Dom inzwischen nicht vornüber kippt, halten am Marienplatz zwei riesige Stützen dagegen.

Die bislang veranschlagten Kosten von 400 000 Euro trägt zu 80 Prozent der Freistaat, die übrigen 20 Prozent übernimmt die Landeskirche. Allerdings sind nach Kühns Angaben bereits 300 000 Euro für Untersuchungen sowie Ausschachten und Abstützen des Doms ausgegeben worden. „Und bei den Außenfundamenten sind wir gerade mal bei einer Tiefe von 1,50 Meter. Da wissen wir gar nicht, was uns noch erwartet.“

Zwickau ist nach Angaben der Landeskirche der spektakulärste Sanierungsfall in Sachsen. Aber auch bei anderen Kirchen gibt es Sanierungsbedarf, etwa bei der Stadtkirche von Borna, die ebenfalls den Namen St. Marien trägt. Der Glockenturm war in Folge des Braunkohleabbaus um 70 Zentimeter aus dem Lot geraten, konnte aber mittlerweile stabilisiert werden. Jemals wieder gerade stehen wird er aber ebenso wenig wie die Zwickauer Marienkirche.

Von Claudia Drescher (Text) und Jan Woitas (Bild), dpa

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