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Sachsen-FDP sieht sich im Aufwind – und keilt kräftig gegen Kretschmer

Zastrow peilt Regierungsbeteiligung an Sachsen-FDP sieht sich im Aufwind – und keilt kräftig gegen Kretschmer

Zuweilen hat es den Anschein, als wäre nicht allzu viel gewesen. Wer Sachsens FDP-Chef Holger Zastrow und seinen Generalsekretär Torsten Herbst in diesen Tagen trifft, stößt auf ein Führungsduo, das so agiert wie früher: kraftstrotzend und agil, von geradezu überbordender Selbstgewissheit.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Zuweilen hat es den Anschein, als wäre nicht allzu viel gewesen. Wer Sachsens FDP-Chef Holger Zastrow und seinen Generalsekretär Torsten Herbst in diesen Tagen trifft, stößt auf ein Führungsduo, das so agiert wie früher: kraftstrotzend und agil, von geradezu überbordender Selbstgewissheit. Gestern war es wieder mal soweit. Passend zum nahenden FDP-Landesparteitag in Neukieritzsch (Kreis Leipzig) hatten Zastrow und Herbst zu einem Briefing eingeladen – als Ausblick auf den Parteikonvent am Wochenende. Und dabei kam der FDP-Chef schnell zur Sache. Besser als erwartet sei das Ergebnis der sächsischen Liberalen bei der Bundestagswahl im September, sagte er, und die neuesten Umfragewerte seien sowieso ein „super Zwischenergebnis“.

Dabei geht es um jene sieben Prozent, die die FDP im Freistaat einfahren würde, wenn heute Landtagswahlen wären. Das jedenfalls hat eine aktuelle Umfrage ergeben (siehe Text unten), und für Zastrow sowie Herbst war das ein Grund zur Freude. Nicht zuletzt dem „General“ war das sofort anzumerken, als er bestens gelaunt zur Tür hereinkam, um ein paar lockere Sprüche loszuwerden. „Es gibt nicht nur fröhliche Herbst-Tage“, meinte er mit Blick aufs trübe Novemberwetter, was Zastrow zu der Bemerkung animierte: „Du weißt schon, dass du einen schrecklichen Namen hast.“ Dahinter steht eine doppelte Tatsache: Zum einen haben Zastrow wie auch Herbst gleich mehrfach erlebt, wie es sich anfühlt, wenn man politisch am Boden liegt; zum anderen haben sie es vor 13 Jahren schon einmal geschafft, sich nach oben zu kämpfen – und spüren nun ausreichend bundespolitischen Rückenwind, dass das 2019 erneut gelingen könnte.

Dann sind Landtagswahlen in Sachsen, und die FDP, die 2014 nach fünf Jahren in einer CDU/FDP-Koalition ins politische Aus geschossen wurde, will am liebsten beides: den Wiedereinzug in den Landtag und eine erneute Regierungsbeteiligung. Dazu passt, dass Zastrow seit Wochen für Neuwahlen plädiert, weil das seiner Partei am meisten nützen würde. Doch auch an anderer Stelle kann der Führungs-Liberale austeilen wie eh und je. Dabei hat er Michael Kretschmer für die Rolle seines aktuellen Lieblingsgegners auserkoren. Der ist derzeit CDU-Generalsekretär und soll in Kürze Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) als CDU- und Regierungschef beerben – wovon Zastrow überhaupt nichts hält. „Befremdlich“ sei schon die Tatsache, dass Tillich sich verabschiedet habe, meinte Zastrow, der Grund sei „wahrscheinlich Lustlosigkeit“. „Noch befremdlicher aber ist der Personalvorschlag. Damit verabschiedet sich die CDU von ihren Anspruch als Volkspartei.“

Einmal in Fahrt, legt Zastrow weiter kräftig nach. Kretschmer, meinte er, sei nicht nur CDU-Wahlverlierer in Görlitz, sondern lebe längst nicht mehr da, sondern sei Teil des Berliner Politikbetriebs. Vor allem aber verfüge er nicht über die notwendige Ausstrahlung. „Landes-Papa – das sehe ich überhaupt nicht“, lästerte Zastrow, Kretschmer passe überhaupt nicht in dieses Amt. Und weil das immer noch nicht reichte, gab es noch eine letzte Attacke vom FDP-Mann gegen die alte CDU/FDP-Koalition. Kostprobe à la Zastrow: „Das Klima war immer gut – bis einer dazu kam“: Kretschmer. Der habe „immer provoziert“, sein Auftreten sei „immer von Respektlosigkeit geprägt“ gewesen.

Es gehört nicht allzu viel Fantasie dazu, um sich auszumalen, dass solche Attacken aus dem politischen Off beim so Brüskierten nicht besonders gut ankommen dürften. Erschwerend kommt hinzu, dass sich längst abzeichnet, dass Kretschmer als CDU-Landeschef glatt durchgehen sowie Mitte Dezember auch zum neuen Regierungschef gekürt werden dürfte. Und nach Lage der Dinge ist es alles andere als unwahrscheinlich, dass genau jener Kretschmer, den Zastrow jetzt in Bausch und Bogen Maß nimmt, der Chef-Verhandler sein könnte, der Ende 2019 für die CDU Koalitionsgespräche führen wird – womöglich mit Zastrows kleiner FDP, die dann wieder im Landtag sitzt.

Von Jürgen Kochinke

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