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Psychische Probleme: Linken-Politikerin Julia Bonk in der Klinik

Psychische Probleme: Linken-Politikerin Julia Bonk in der Klinik

Sie liebte den medienwirksamen Auftritt wie kaum eine andere. Als Julia Bonk 2004 mit gerade mal 18 für die Linke in den sächsischen Landtag einzog, galt sie als Nesthäkchen schlechthin.

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2004 im Dresdner Landtag: Ihr Shirt mit dem Aufdruck "Schöner leben ohne Nazis" macht Julia Bonk bekannt.

Quelle: Matthias Hiekel, dpa

Ungewöhnlich jung war sie, ungewöhnlich hübsch. Die überregionale Presse kürte sie zum "schönsten Gesicht des Sozialismus"; überall stürzten sich Fotoreporter auf die Ex-Landesschülersprecherin. Doch nicht erst seit heute steht fest: Bonk hat das nicht gut getan - im Gegenteil. Nach dem kometenhaften Aufstieg folgte der Fall. Und jetzt ist sie in eine psychiatrisches Fachklinik eingeliefert worden.

Dass Bonk angeschlagen ist, ist seit längerem bekannt. Seit etwa einem Jahr hält sie sich aus der Landespolitik heraus, wurde kaum mehr im Landtag gesehen. Und als vor wenigen Wochen Vorwürfe die Runde machten, die 27-Jährige habe einen Taxifahrer um die Rechnung geprellt, ging Sachsens Linke-Chef Rico Gebhardt in die Offensive. "Sie ist schwer psychisch krank und in Behandlung", sagte er damals. "Von jenen, die mit ihr direkten Kontakt haben, wird ihr Zustand als dramatisch beschrieben."

Das hat mittlerweile Konsequenzen. Bonk wurde in eine Bonner Fachklinik zwangseingewiesen, wegen möglicher Eigengefährdung. Und noch etwas kommt hinzu. Der 27-Jährigen wurde ein sogenannter Beistand zur Seite gestellt, der ihre Geschäfte regelt. Zudem dürfte in Kürze die Immunität als Abgeordnete aufgehoben werden. Für den einstigen Shootingstar der Linken ist das tragisch.

Dabei hat sie durchaus auch selbst Anteil daran. Nur allzu gern spielte Bonk am Anfang auf der Klaviatur der politi- schen Medieninszenierung, trug gleich am ersten Tag im Parlament ihren Protest gegen die NPD zur Schau - mit ei-nem T-Shirt samt Aufdruck "Schöner leben ohne Nazis". Damit sorgte sie für Furore: 87 Zeitungen zeigten dieses Bild. Und auch Sachsens Linke hat eine Aktie am Dilemma. Schließlich schmückt sich die Partei seit vielen Jahren gern mit unverbrauchten, hübschen Gesichtern, die den Belastungen aber nicht immer standhalten können.

So nahm das Drama seinen Lauf. Weil Bonk es nicht gelungen ist, im politischen Alltag anzukommen, verlor sie ganz offenbar den Boden unten den Füßen. Den Rest besorgte der beinharte Polit-Betrieb. Hier sind die Regeln gnadenlos: Wer zu schnell nach oben schießt, droht tief zu fallen. Das aber hat nicht nur Bonk zu spüren bekommen. Unvergessen ist noch der Totalabsturz von Christine Weber (CDU), der ehemaligen Sozialministerin und Anhängerin von Ex-Regierungschef Georg Milbradt (CDU). Die trat 2003 aus gesundheitlichen Gründen zurück, nachdem Vorwürfe über unrechtmäßig erhaltene Fluthilfe-Gelder aufgeflammt waren. Und auch sonst gibt es Burnout-Fälle im Dutzend - nicht nur im Landtag, auch in der Dresdner Stadtverwaltung.

Oft genug erwischt es auch andere Berufsgruppen, Ingenieure, Ärzte, Justizvollzugsbeamte - und Journalisten natürlich. Aber nicht bei jedem ist der Fall am Ende so tief.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.09.2013

Jürgen Kochinke

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