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Opposition will Friedhofszwang in Mitteldeutschland abschaffen

Freiheit von Anfang bis Ende Opposition will Friedhofszwang in Mitteldeutschland abschaffen

Können Verstorbene in Sachsen bald ohne Sarg bestattet, ihre Asche im Garten verstreut werden? Nach dem Willen der Linken und Jungliberalen soll dies möglich werden. Sie drängen auf eine Reform des Bestattungswesens. Die soll auch die Beerdigung in Leichentüchern ohne Sarg einschließen.

Allein in Sachsen werden im Jahresschnitt 51.000 Menschen bestattet, in Thüringen sind es rund 27 000. Bundesweit setzen die rund 5000 Bestatter über 15 Milliarden Euro um. Ein lukrativer Markt, den keiner der Eingeweihten gern aufgeben will.

Quelle: dpa

Leipzig/Dresden. Können Verstorbene in Mitteldeutschland bald ohne Sarg bestattet und ihre Asche im Garten verstreut werden? Nach dem Willen der Linken und Jungliberalen soll dies möglich werden. Sie drängen in Sachsen und Thüringen auf eine Reform des Bestattungswesens. Die soll auch die bei Muslimen übliche Beerdigung in Leichentüchern ohne Sarg einschließen. Selbst das Verstreuen der Asche auf Wiesen oder in Gärten ist im Gespräch. Kirchen und die CDU sind gegen die Abschaffung des jahrhunderte alten Friedhofszwanges.

Raschen Handlungsbedarf sieht die Linksfraktion im sächsischen Landtag: „Wir wollen Friedhofsbegräbnisse nicht abschaffen, sondern sie durch würdige und selbstbestimmte Bestattungsformen ergänzen“, sagte die Sprecherin für Bürgeranliegen Marion Junge und kündigte für dieses Jahr „intensive Diskussionen“ an. „Natürlich gibt es wie bei allen Neuerungen Für und Wider, beispielsweise kann die Asche Verstorbener nicht jedem x-Beliebigen an jedem Ort gestattet werden.“ Zudem rechne sie mit heftigem Gegenwind der christdemokratisch dominierten Koalition und Verwaltung. „Im Friedhofswesen geht es schließlich auch um viel Geld!“, betont Junge. Allein in Sachsen werden im Jahresschnitt 51.000 Menschen bestattet, in Thüringen sind es rund 27 000. Bundesweit setzen die rund 5000 Bestatter über 15 Milliarden Euro um. Ein lukrativer Markt, den keiner der Eingeweihten gern aufgeben will. „Erinnern wir uns, wie lange es gedauert hat, in Sachsen den ersten Waldfriedhof einzuführen!“, sagt die Linken-Abgeordnete. Neuen Trends dürfe man sich nicht verschließen. Viele Menschen wollten über ihre letzte Ruhe selbst entscheiden und Angehörige die Urne auf Privatgrundstücken beisetzen oder aufbewahren. „Wir können nicht alles vorschreiben, sondern müssen verständliche Wünsche der Menschen ernst nehmen und darauf reagieren!“

Freiheit von Anfang bis Ende

Jörg Kubitzki von den in Thüringen mitregierenden Linken, der sich bisher für Waldfriedhöfe stark machte, sagt, die Abschaffung des Friedhofszwanges stehe zwar noch nicht im Koalitionsvertrag. „Ich bin aber für verschiedene Formen der Bestattung, solange die Würde des Verstorbenen gewahrt bleibt“, so der gesundheitspolitische Fraktionssprecher.

Eine Reform des Bestattungswesens hält auch die Jungliberale Aktion Sachsen (Julia) für dringend geboten. „Der Friedhofszwang muss abgeschafft werden, sodass die Asche Verstorbener auch auf Grundstücken der Angehörigen oder in der freien Natur verstreut werden kann“, fordert der Vorsitzende Philipp Hartewig. „Auch andere alternative Bestattungsformen und freiere Grabgestaltungen sollten erlaubt werden.“ Dazu zählt Julia zum Beispiel Raketenbestattungen, Diamantprägungen aus Totenasche, Bilder oder Video-Monitore am Grab.

Ein Verbot alternativer Bestattungsmethoden und das Festhalten am Friedhofszwang entgegen dem Willen des Verstorbenen seien nicht mehr zeitgemäß und rational nicht zu begründen. „Für uns gilt: Freiheit von Anfang bis Ende“, unterstrich der Chef der Jungsozialen und kündigte an, diese Forderung als Sachantrag auf dem nächsten Landesparteitag im Frühjahr einzubringen.

„Es muss und wird sich etwas ändern auf unseren Friedhöfen“, sagt Tobias Wenzel, Innungsobermeister der sächsischen Bestatter. Zwar halte er den in Bremen bereits zu Grabe getragenen Friedhofszwang „für einen Schnellschuss“. Beispielsweise sei dort noch nicht geklärt, wie zerstrittene Angehörige einen Ort der Trauer finden sollen, wenn die Urne auf einem privaten Kaminsims stehe. Dennoch sei die Debatte über neue Bestattungsformen dringend nötig, ob es nun um konfessionslose Deutsche, Juden, Buddhisten, Hindus oder Muslime geht. „Wir Bestatter wollen uns mit unseren praktischen Erfahrungen gern in diesen Diskurs einbringen“, bietet Wenzel an.

Im Dresdner Sozialministerium tritt man auf die Bremse. Eine Novellierung des Bestattungsgesetzes „steht derzeit nicht an“, unterstreicht Ministeriumssprecherin Annett Hofmann. Um beispielsweise islamischen Bestattungsritualen gerecht zu werden, wurden in Sachsen auf dem Ostfriedhof Leipzig und dem Heidefriedhof Dresden eigene Grabfelder für muslimische Bestattungsplätze eingerichtet. „In der Praxis haben sich bisher keine Schwierigkeiten in Bezug auf islamische Bestattungen ergeben“, so die Sprecherin. Ob aufgrund der zunehmenden Zahl von Muslimen oder Andersgläubigen in Sachsen eine gesetzliche Neuregelung erforderlich sei, bleibe abzuwarten, hieß es aus Dresden.

Winfried Mahr

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