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Nach dem Crash: Solarfirmen kämpfen gegen Billigmodule aus Asien

Solarwirtschaft Nach dem Crash: Solarfirmen kämpfen gegen Billigmodule aus Asien

Kann sich die Solarindustrie - einst Hoffnungsträger der ostdeutschen Wirtschaft - gegen Dumpingpreise aus Asien behaupten? Solarwatt aus Dresden versucht es mit dem Label „made in Germany“ und der Abkehr vom Massenmarkt. Auch andere Hersteller setzen auf Nischen.

Dresden. Wenn sich Detlef Neuhaus an die Insolvenz von Solarwatt erinnert, spricht der Geschäftsführer von „unserer dunkelsten Stunde“. 2012 musste das Dresdner Unternehmen mehr als einhundert Mitarbeiter entlassen und den Betrieb radikal umkrempeln. Heute, fünf Jahre später, verzeichnet der Solaranlagenhersteller steigende Umsätze, expandiert ins Ausland und stellt Mitarbeiter ein. Wenn auch Ende 2016 ein Defizit wegen hoher Ausgaben für Forschung und Entwicklung stand, läuft das operative Geschäft profitabel. Wie geht das in einer Zeit, in der die Branche unter Preisverfall und der Billigkonkurrenz aus Asien leidet?

„Wir hatten damals die Erkenntnis, dass es kein "Weiter so" geben kann“, sagt Neuhaus. Die Konsequenz: Weg vom Massenmarkt für Module und große Solarparks, weg vom förderabhängigen Markt, stattdessen stärkere Konzentration auf Häuslebauer und Verbraucher. „Ein Produkt, das nur dann funktioniert, wenn es staatliche Förderung gibt, ist kein Zukunftsmodell.“

Der Geschäfstführer der Solarwatt GmbH, Detlef Neuhaus (CEO)

Der Geschäfstführer der Solarwatt GmbH, Detlef Neuhaus (CEO)

Quelle: dpa

Heute setzt das Unternehmen, das mehrheitlich im Besitz von BMW-Erbe Stefan Quandt ist, auf Premiumprodukte und Komplettlösungen für Privathaushalte und Kleingewerbe: Neben Solaranlagen fürs Dach liefert Solarwatt selbst entwickelte Stromspeicher und intelligente Energiesteuerung. Im Massenmarkt sieht Neuhaus keine Chance mehr für europäische Unternehmen, zu stark ist die Billigkonkurrenz aus Asien. „Da ist der Krieg ist seit mindestens drei, vier Jahren verloren.“

Mitteldeutschland hat nach Einschätzung von Fachleuten seine Rolle als eine internationale Hochburg der Solarindustrie eingebüßt. 2011 wurden in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen allein rund 47 Prozent des deutschen Produktionsumsatzes erwirtschaftet. In den drei Bundesländern arbeiteten damals 14 000 Beschäftigte bei Solarzellen- und Modulherstellern und weitere 2500 bei Photovoltaikausrüstern. Heute ist davon nur ein Bruchteil übrig geblieben.

Der Bundesverband Solarwirtschaft zeigt sich dennoch optimistisch. „Zu Jahresbeginn zog die Photovoltaik-Nachfrage bei Eigenheimbesitzern und Unternehmern an“, sagt Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Der Trend gehe zum Eigenverbrauch – in Kombination mit Speichern. Der selbst erzeugte Solarstrom ist rund um die Uhr verfügbar und mit etwa 12 Cent pro Kilowattstunde preiswerter als beim Energieversorger.

„Die Sonnenfinsternis ist vorbei und die Zeichen stehen endlich wieder auf Wachstum“, meint Körnig. Der Geschäftsklimaindex, der Auskunft über aktuelle Geschäfte und die Erwartungen für die nächsten Monate gibt, ist so hoch wie seit sieben Jahren nicht, 2016 wurden in Deutschland erstmals seit langem wieder mehr Solarstromanlagen als im Vorjahr installiert. „Wenn sich neue Photovoltaik-Lösungen in Deutschland beweisen, ist das weltweit ein schlagendes Kaufargument.“

„Engineered in Germany“ funktioniert als Qualitätssiegel

Darauf setzt auch Deutschlands größter Solarmodulhersteller Solarworld. Das Unternehmen investiert Millionen in hochwertige monokristalline Module. „Wir wollen uns mit Qualität und Technologie weiter vom asiatischen Wettbewerb absetzen“, sagt Solarworld-Chef Frank Asbeck. Zugleich haben die Bonner ein Sparprogramm gestartet, mit dem sie bis 2019 aus den Verlusten kommen wollen. 400 der rund 3300 Stellen sollen abgebaut werden, davon 300 in Deutschland.

Mit Zellen und Modulen „made in Germany“ will sich Aleo Solar in Prenzlau (Brandenburg) von asiatischen Billigprodukten abgrenzen. Deutsche Produkte hätten zudem keine Einfuhr- und Strafzölle zu befürchten, hieß es. Und der Solarkonzern Hanwha Q-Cells setzt auf eine Mischung: Entwickelt und geforscht wird im sachsen-anhaltischen Bitterfeld-Wolfen. „Engineered in Germany“ funktioniere als Qualitätssiegel auf dem europäischen, japanischen und US-Markt, sagt Sprecher Jochen Endle. Früher produzierte Q-Cells auch im „Solar Valley“. Nach Pleite und Übernahme durch den südkoreanischen Konzern Hanwha kam vor zwei Jahren das Aus für die Produktion, hunderte Jobs gingen verloren. Gefertigt werden Module inzwischen in Fernost.

Die Thüringer Branchenvereinigung Solarinput sieht für die Photovoltaikbranche (PV) nach dem Crash eine gewisse Stabilisierung. „Die PV-Unternehmen, die derzeit noch im Markt sind, haben ihre Marktnische gefunden“, sagt Sprecherin Sabine Schmidt. Das gelte vor allem für Systemlösungen und autarke Solarsysteme, die nicht mit dem öffentlichen Stromnetz verbunden seien.

In der Produktionshalle von Solarwatt arbeiten indes die Roboter im Stakkato: Sie greifen fenstergroße Spezialgläser, Mitarbeiter kontrollieren die Zellen, bevor sie von Computern auf die Scheiben gepresst werden. Glas, Folie, Zellen, Folie, Glas - fertig sind die Doppelglasmodule. Rund 400 Module verlassen die Halle pro Schicht, ab Sommer sollen es 700 sein. Sackte der Firmenumsatz nach der Insolvenz auf 31 Millionen Euro ab, will Solarwatt 2017 die 100 Millionen Euro-Marke knacken. Mit dem neuen Energiespeicher zielt Chef Neuhaus auch auf Australien oder Skandinavien. „Wir haben viele Risiken, aber wir sind zumindest mal einen anderen Weg gegangen und gut unterwegs.“

dpa

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