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Nach dem Brand im Asylbewerberheim: Gaucks schwieriger Bautzen-Besuch

Beschimpfungen und "Gauck soll raus"-Rufe Nach dem Brand im Asylbewerberheim: Gaucks schwieriger Bautzen-Besuch

Einen Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft nimmt der Bundespräsident zum Anlass, im sächsischen Bautzen mit Bürgern über Demokratie zu sprechen. Viele nehmen das Dialogangebot dankend an. Doch Gauck schlagen auch Hass und Ablehnung entgegen.

Bundespräsident Joachim Gauck (r) unterhält sich am 11.03.2016 nach dem Verlassen des Sorbischen National-Ensemble in Bautzen (Sachsen) mit einem Polizisten.

Quelle: dpa

Bautzen. Im Probensaal des Sorbischen National-Ensembles in Bautzen hören die Bürger dem Bundespräsidenten mit Interesse, aber auch mit Skepsis zu. Joachim Gauck ist gekommen, um knapp drei Wochen nach dem Brandanschlag auf ein geplantes Flüchtlingsheim in der Stadt über Demokratie zu sprechen. Auch diejenigen unter den 155 geladenen Gästen, die man wohl als „besorgte Bürger“ bezeichnen könnte. Joachim Gauck nimmt sie mit Argumenten an die Hand, betont das Wir, die gemeinsame Herausforderung und versucht, sie aus der Ecke genereller Ablehnung herauszuführen. „Ich wünsche mir, dass es uns gemeinsam gelingt, in ein Gespräch zu kommen.“

Demokratie brauche Geduld und Kompromissbereitschaft. „Bevor der Kompromiss gefunden wird, haben aber einige schon abgeschaltet“, warnt er. „Wir müssen unsere Komfortzonen verlassen. Wir müssen uns auch für Argumente öffnen, die uns fremd sind.“ Nur so seien die Probleme zu lösen, „nur im Dialog, im demokratischen Dialog“. Mit Hetze und Angriffen auf Menschen sei aber eine Grenze überschritten. Erst recht, wenn Brandsätze flögen.

Knapp drei Wochen nach dem Brand in einer geplanten Asylunterkunft in Bautzen ist Bundespräsident Joachim Gauck zu einem Besuch in der ostsächsischen Stadt eingetroffen, um mit Bürgermeistern und Bürgern zu diskutieren.

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Christian Haase, Sprecher einer Bautzener Bürgerinitiative, die sich kritisch mit der Einrichtung eines anderen Flüchtlingsheims in der Stadt auseinandersetzt, hält Gauck die Schwierigkeiten vor. Es geht ihm um Probleme, die der Zuzug der Flüchtlinge bereite. Haase kritisiert zudem die Medien für ihre aus seiner Sicht beschönigende Berichterstattung.

„Probleme müssen angesprochen werden“, nimmt Gauck ihm den Wind aus den Segeln. Würden sie nicht offen benannt, überlasse man sie den Populisten, die als „Frustrationsverstärker“ wirkten. „Deshalb brauchen wir diese Enteignung des rechten Randes von dem Besitz der Sorgen von Everybody.“

Eine Frau mittleren Alters beklagt, dass man immer gleich in die rechte Ecke gestellt werde, wenn man sich „kritisch“ zur Flüchtlingspolitik äußere. „Wenn ich nicht auf dem Willkommenstrip bin, dann ist das so. Und dann will ich auch, dass das akzeptiert wird“, stimmt ihr eine andere Bürgerin trotzig zu.

„Wir haben zur Zeit eine Störung in der Kommunikation zwischen denen, die wählen oder wählen sollten, und denen, die gewählt worden sind“, konstatiert Gauck. Dies hätten ihm auch der Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens (parteilos) und dessen Bürgermeisterkollegen aus der Region erzählt, mit denen er am Vormittag über die Probleme bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise gesprochen habe. Im Probensaal ist von dieser Störung am Ende nicht mehr viel zu spüren, vielleicht wegen der offenen Art des obersten Repräsentanten des Staates, vielleicht aus Respekt vor seinem Amt.

Als Gauck nach knapp zwei Stunden vor die Tür tritt und sich auf den kurzen Weg durch die Altstadt zurück zum Rathaus macht, ist das anders. „Gauck soll raus“ und „Gauck verschwinde“ schallt ihm entgegen, auch die von Pegida-Demonstrationen bekannten „Volksverräter“-Rufe. Einer von vielleicht einem Dutzend offenkundig rechtsgerichteter und zumeist junger Männer steckt ihm den Mittelfinger entgegen.

Sie hatten sich unter die anderen Schaulustigen gemischt, die vor dem Theater gewartet hatten, um einen Blick oder ein schnelles Handyfoto vom Bundespräsidenten zu erhaschen. Gauck geht weiter. Die Polizei drängt die Störer ab.

Aber die vom Bundespräsidenten zuvor so schön ausgebreitete Decke der Harmonie ist zerrissen. Sein „Hallo“ oder „Wie geht's“, das er wohlgesinnteren Passanten noch winkend im Vorbeigehen entgegenwirft, klingen nicht mehr locker. In Momenten wie diesen bekommt selbst der Bundespräsident den Hass und die Feindschaft zu spüren, wie sie auch in der Nacht zum 21. Februar in Bautzen geherrscht haben muss. Damals hatten Fremdenfeinde das Feuer in der noch nicht bezogenen Flüchtlingsunterkunft beklatscht. Einzelne versuchten sogar, die Feuerwehr am Löschen zu hindern.

dpa

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