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Kaum Verständnis für Forderung nach mehr verkaufsoffenen Sonntagen

Anfrage der Kaufhauskonzerne Kaum Verständnis für Forderung nach mehr verkaufsoffenen Sonntagen

In Sachsen stößt der Vorstoß der großen Warenhausunternehmen für eine weitere Freigabe der Öffnungszeiten an Sonntagen größtenteils auf Ablehnung. Der Handelsverband äußerte zwar Verständnis für das Anliegen der Kaufhauskonzerne. Hauptgeschäftsführer Eberhard Lucas verwies zugleich aber darauf, alle Einzelhändler zu vertreten.

Symbolbild

Quelle: dpa

In Sachsen stößt der Vorstoß der großen Warenhausunternehmen für eine weitere Freigabe der Öffnungszeiten an Sonntagen größtenteils auf Ablehnung. Er sehe „weder die Notwendigkeit, den Sinn, noch die Möglichkeit einer Änderung“, sagte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. Gewerkschaften und evangelische Kirche winkten ebenfalls ab. Der Handelsverband äußerte zwar Verständnis für das Anliegen der Kaufhauskonzerne. Hauptgeschäftsführer Eberhard Lucas verwies zugleich aber darauf, alle Einzelhändler zu vertreten.

Sonntagsöffnungen kämen vor allem in Leipzig, Dresden und Chemnitz in Frage. „Die Attraktivität der Innenstädte wird dort nun mal durch den Einzelhandel geprägt“, sagte Lucas. Laut Gesetz seien im Freistaat aber schon vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr möglich. „Wir wären ja schon zufrieden, wenn diese Regeln umgesetzt werden könnten.“ Dies werde aber zunehmend durch Klagen der Gewerkschaft Verdi gegen die von den Kommunen erlassenen Verordnungen zur Sonntagsöffnung erschwert. „Das entmutigt die Städte, weiter voranzugehen.“

In Deutschland werde in diesem Jahr ein Anstieg des Online-Umsatzes auf 50 Milliarden Euro erwartet. „Das sind schon 10 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes“, sagte Lucas. Karstadt und Kaufhof hatten ihren Initiative „Selbstbestimmter Sonntag“ mit der Konkurrenz durch den Onlinehandel begründet, für den der Sonntag zu einem der wichtigsten Einkaufstage geworden sei.

Jörg Lauenroth-Mago, Landesfachbereichsleiter Handel bei Verdi, bezeichnete die Initiative als „ziemlich schräg“. „Das Bundesverfassungsgericht sagt, dass der freie Sonntag ein Teil unserer Kultur und kein Tag wie jeder andere ist.“ Die Kaufhäuser versuchten nun, das Einkaufen als Freizeitgestaltung darzustellen - „nach dem Motto, ist doch egal, ob wir ins Kino oder Shoppen gehen“.

Hinter diesem Argument versteckten sich aber lediglich „profane Umsatzinteressen“. Letztlich werde versucht, dem Onlinehandel Umsatz wegzunehmen. „Der stationäre Einzelhandel muss eben von Montag bis Samstag so attraktiv sein, dass er gegen den Onlinehandel besteht.“

Ähnlich äußerte sich der Sprecher der Landeskirche, Matthias Oelke. Es gehe den großen Kaufhäusern um eine „Lizenz zum Gelddrucken. Und man will die kleinen Händler, die letztlich ja der gleichen Konkurrenz durch Online ausgesetzt sind, unter Druck setzen.“ Für ihn bedeute Einkaufskultur vor allem Vielfalt. „Und die ergibt sich ja gerade durch das Angebot der kleineren Händler.“

Oelke sieht die Kaufhauskonzerne in ihrer Konkurrenz zum Onlinehandel vor einem „Offenbarungseid“. Die Öffnungszeiten seien in den letzten Jahren bereits deutlich ausgeweitet worden. „Es gibt ja keinen achten oder neunten Tag, an dem man öffnen kann. Und der Sonntag wird es nicht retten.“ Das vierte Gebot, Du sollst den Feiertag heiligen, habe seinen Sinn. „Denn es bleibt heutzutage ja eigentlich nur noch der Sonntag für gemeinsame Zeit mit Familie und Freunden.“

Die Forderung nach weiteren verkaufsoffenen Sonntagen tauche immer mal wieder auf, konstatierte Dulig. „Auch wenn das wirtschaftliche Interesse der Warenhausketten nachvollziehbar ist, so steht dem nicht nur der Sonntagsschutz der betroffenen Arbeitnehmer, sondern der verfassungsrechtlich garantierte Schutz der Sonn- und Feiertagsruhe der Allgemeinheit entgegen.“ Das Bundesverfassungsgericht habe hier klare Grenzen aufgezeigt, „die nicht überschritten werden dürfen“.

dpa

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