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Hochgelobt und weltgewandt: Das Landesjugendorchester Sachsen wird 25

Jubiläum Hochgelobt und weltgewandt: Das Landesjugendorchester Sachsen wird 25

Proben statt chillen: Während die meisten Schüler in den Ferien entspannen, wird in der Turnhalle der Dresden International School fleißig geübt. Es geht nicht um Medaillen, aber um jede Menge Noten.

Die 15-jährige Loretta Bölk (M) und weitere Mitglieder des Landesjugendorchesters

Quelle: Monika Skolimowska/dpa

Dresden. Ungewohnte Klänge zum Jubiläum: Wenn an diesem Freitag das Landesjugendorchester (LJO) Sachsen im Festspielhaus Hellerau und einen Tag später im Gewandhaus Leipzig auf die Bühne tritt, lässt nicht nur das Programm aufhorchen. Statt Mozart und Haydn sind Benjamin Fleischmann und Karl Jenkins zu hören - Komponisten, die nicht wirklich jedermann kennt und für die man keinesfalls automatisch Beifall erhält.

Doch die Auswahl der Stücke ist beim Orchester Programm. „Das ist Teil unseres Bildungsauftrages“, sagt Ulrike Kirchberg, die im Auftrag des Sächsischen Musikrates das Jugendorchester betreut. „Wir möchten nicht nur Klassiker spielen, sondern Berührungsängste der zeitgenössischen Musik gegenüber abbauen.“

Wenige Tage vor der Feier ihres 25-jährigen Bestehens proben die Streicher des Orchesters in einer Dresdner Sporthalle. Parallel dazu arbeiten die Bläser anderswo. Zuletzt wird Dirigent Milko Kersten die Instrumentengruppen zusammenführen. „Die Bläser spielen in diesem Jahr glücklicherweise in "jugendlicher Rentnerbesetzung"“, witzelt der 52-Jährige Chef und spielt damit auf eine Besonderheit seiner Arbeit an.

Das Orchester als Schule des Lebens

Alle vier bis fünf Jahre wird das Orchester komplett neu besetzt, weil die Lebenswege der LJO-Musiker irgendwann auseinandergehen. Kersten muss immer wieder von vorn beginnen, um ein gleichbleibend hohes Niveau zu erreichen. Da sich die diesjährigen Bläser gut kennen, gelten sie als Garanten für einen guten Ton.

Die jungen Leute seien so etwas wie ein Schwamm, sagt Kersten. „Sie saugen alles auf.“ Ein neues musikalisches Level im Spiel mit den Besten ihres Jahrganges zu erreichen, sei relativ schnell machbar. „Mir geht es aber auch um andere Werte“, sagt der Dirigent und meint damit soziale Kompetenzen, politisches Denken und humanitäres Verständnis gleichermaßen.

Einerseits gelte es, hochtalentierte Musiker einzubinden, die das später einmal zum Beruf machen wollen. „In der Hauptsache geht es aber darum, das zukünftige Publikum heranzubilden, das Musik und Interpretationshandschriften zu lesen vermag und neugierig darauf ist.“

Das Landesjugendorchester Sachsen wird 25

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Das Orchester als Schule des Lebens: Kersten berichtet davon, was ehemalige Mitglieder über ihre Zeit in dem Orchester sagen: „Das hat mein Leben geprägt.“ Für viele, die später als Profi ihr Geld verdienen, sei das die Initialzündung gewesen. „Aber auch bei den anderen ist eine tiefe Bindung zur klassischen Musik entstanden. Das im Nachgang zu hören, ist für mich eine große Befriedigung“, verrät der Dirigent.

Auch eine Tournee wird zur Bildungsreise der besonderen Art. 2016 ging es nach Peru. Die älteren Mitglieder des Orchesters waren bei jungen peruanischen Musikern untergebracht, häufig in Favelas, den Armenvierteln Lateinamerikas. Zu sehen, auf welch schlechten Instrumenten die Jugendlichen dort zum Teil spielen müssen und wie beschwerlich ihr Weg zur Musikschule ist, habe die jungen Musiker aus Sachsen geerdet, sagt Kersten.

Schlagwerker Johannes Kilian aus Adorf im Vogtland hat bei der Familie eines Jungen gewohnt, der zufälligerweise genau wie er jetzt ein Studium an der Dresdner Musikhochschule aufgenommen hat. „Wir sollten den Peruanern zeigen, wie deutsche Musik klingt und haben damals Haydn gespielt“, erinnert sich der 19-Jährige.

Im Gegenzug habe man vieles über südamerikanische Folklore erfahren. Kilian träumt davon, eines Tages in der Staatskapelle Dresden zu spielen. „Das ist ein steiniger Weg, das ist mir bewusst“, sagt der junge Mann.

Die 15-Jährige Loretta Bölk aus Leipzig fasziniert am Musizieren, dass man damit anderen Menschen eine Freude bereiten und sich zudem selbst so gut ausdrücken kann. Im Jugendorchester sei ihr klar geworden, wie sehr die Musik verbinde. „Später einmal im Gewandhausorchester zu spielen, das wäre wirklich toll. Aber es gibt auch andere gute Orchester“, meint das Mädchen und outet sich als Fan der Berliner Philharmoniker.

Kirchberg geht davon aus, dass seit Gründung des Orchesters 1992 etwa 1000 Mädchen und Jungen mitgemacht haben. Etwa 20 Prozent von ihnen seien in großen Orchestern wie der Staatskapelle Dresden, der hiesigen Philharmonie oder dem Gewandhaus in Leipzig gelandet. Viele würden heute aber auch als Musiklehrer ihr Geld verdienen.

Aktuell befinden sich etwa 160 Nachwuchsmusiker im Pool des Orchesters. Zweimal im Jahr gibt es ein Probespiel. Wenn das Jubiläumsprogramm vorbei ist, läuft schon die Vorbereitung auf die nächste Tour: 2018 soll in Südafrika Benjamin Brittens „War Requiem“ aufgeführt werden - als Friedensbotschaft aus dem Freistaat.

Von Jörg Schurig, dpa

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