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Fast 5000 Abrisse: Sachsen verliert Kulturdenkmale

Sachsens Grüne warnen vor „Geschichtsverlust“ Fast 5000 Abrisse: Sachsen verliert Kulturdenkmale

Seit der Wiedervereinigung wurden in Sachsen 4967 Kulturdenkmale platt gemacht, darunter viele alte Fabriken, die als Industriezeugnisse galten. Der Aderlass ist gerade bei den technischen Denkmalen am höchsten.

Über das Rote Vorwerk in Oschatz wird noch entschieden.
 

Quelle: Dirk Hunger

Dresden.  In Sachsen sind seit der Wiedervereinigung 4967 Kulturdenkmale abgerissen worden – Wohn- und Herrenhäuser, Bauernhöfe und Industriegebäude. Das geht aus der Antwort des zuständigen sächsischen Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Wolfram Günther hervor. Dabei stellt sich heraus: Das Gros der Abrissgenehmigungen wurde erst nach dem Jahr 2000 erteilt. Seither verschwanden 4300 Kulturdenkmale, allein innerhalb des vergangenen halben Jahres waren es 300. Damit verfügt der Freistaat noch über 101 600 einzigartige Gebäude, wovon nur 6827 (rund sechs Prozent) technische Denkmale wie Industriezeugnisse, Fabriken, Bergwerksstollen oder Mühlen sind.

 Der Aderlass ist gerade bei den technischen Denkmalen am höchsten: Das bedeutet, dass innerhalb aller Kulturdenkmale diese Gruppe besonders gefährdet ist. Aktuell liegen 265 Genehmigungen für Abrisse oder Teilabrisse vor, davon mindestens 18 für technische Denkmale. Weitere 109 Anträge sind noch nicht entschieden. Betroffen sind unter anderem das Rote Vorwerk in Oschatz (Landkreis Nordsachen) und die ehemalige Papierfabrik Golzern (Landkreis Leipzig), bei denen über Erhaltung oder Abriss gestritten wird. Für die Spinnmühle Lugau (Erzgebirgskreis) gibt es hingegen keine Rettung mehr: Das Fabrikschloss aus Goethes Zeiten, das Denkmalschützer aufgrund seiner Bedeutung für die industrielle Revolution als „Kulturgut von nationalem Rang“ eingeordnet hatten, ist im vergangenen Jahr abgerissen worden.

Deshalb sagt der Grünen-Politiker: „Wir stehen jetzt davor, dass wir in den nächsten Jahren einen Geschichtsverlust erleiden werden, der manchem vielleicht noch gar nicht so richtig klar ist. Was weg ist, ist weg – und zwar für immer.“ Es gebe ganze Denkmalgruppen, die „akut gefährdet“ seien. „Ob es technische Denkmale, Bauernhöfe, Wohn- oder Geschäftshäuser, die in unseren Klein- und Mittelstädten teilweise bis an die Marktplätze heranreichen, oder Herrenhäuser sind – überall bröckelt es zunehmend“, warnt Günther. Gleichzeitig macht er auf einen aus seiner Sicht verheerenden Stellenabbau aufmerksam. Waren im Landesamt für Denkmalschutz im Jahr 1994 noch 70 Mitarbeiter tätig, sind es inzwischen nur noch 48. Daneben seien an der TU Dresden sowie in Görlitz entsprechende Studiengänge gestrichen worden, ebenso das für Handwerker wichtige Restauratorenzentrum in Trebsen (Landkreis Leipzig).

Das Innenministerium hält der Kritik entgegen: „Von einem Kahlschlag kann keine Rede sein – der Freistaat verfügt vielmehr über eine der höchsten Dichten an Kulturdenkmalen in ganz Deutschland.“ Bei der Ersterfassung sei in Sachsen „ein großzügiger Maßstab“ angelegt worden, der bei der Prüfung von Abbruchanträgen „gelegentlich durchaus Spielraum für die Zulassung des Abbruchs bietet“, macht das Ministerium klar. Die Gründe seien höchst unterschiedlich und reichten von der wirtschaftlichen Überforderung eines privaten Eigentümers bis zur komplexen Stadtentwicklung.

Dabei würden es sich die Denkmaleigentümer nicht leicht machen, betont das Ministerium. So gebe es in Leipzig bei über 14 000 Denkmalen aktuell ganze drei Anträge auf Abriss – diese würden „kaum ins Gewicht fallen“. Zudem sei der Freistaat dabei, den Personalbestand beim Landesamt zu konsolidieren und fördere den Denkmalerhalt „im Ländervergleich großzügig“.

Von Andreas Debski

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