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Billiglösung statt Renner – Wachpolizei in Sachsen hat Probleme

Kritik aus der Opposition Billiglösung statt Renner – Wachpolizei in Sachsen hat Probleme

Sachsens Wachpolizei hat Probleme: nur 20 Prozent der Bewerber kommen ins Auswahlverfahren. Jeder achte besteht den Test für den Kurzlehrgang mit anschließendem Waffenschein nicht. Das CDU-geführte Innenministerium setzt jedoch weiter auf die billige Hilfspolizeitruppe.

Wachpolizei in Sachsen - Billiglösung statt Renner. (Archivbild)

Quelle: dpa

Leipzig. Um die Wachpolizei in Sachsen wird gestritten. Zwar werbe Sachsen mit dem Slogan „Verdächtig gute Jobs“ für die Wachpolizei, doch trotz hoher Bewerberzahlen sind die Jobs aus Sicht der Linkspartei nicht wirklich begehrt. „Ein Großteil erfüllt die Voraussetzungen nicht, nimmt nicht am Auswahlverfahren teil oder sagt ohne Nennung von Gründen ab“, sagt Enrico Stange. Der Linken-Innenexperte hat eine Statistik aus dem Hause von Innenminister Markus Ulbig (CDU) ausgewertet.

Um Lücken bei der regulären Polizei zu schließen, lässt der Freistaat bis zum Jahr 2019 insgesamt 1400 Wachpolizisten ausbilden. 226 Frauen und Männer haben nach Auskunft des Innenministeriums die zwölfwöchige Ausbildung erfolgreich absolviert. 223 davon versehen bereits ihren Dienst. 100 weitere werden derzeit geschult.

Stange kritisiert die Wachpolizei als Billiglösung. „Zwar bewerben sich zu jedem Einstellungsdurchgang viele Interessenten“, sagt der innenpolitische Sprecher der sächsischen Linken. „Aber wirklich groß ist die Auswahl nicht.“ Für den vierten Ausbildungsdurchgang haben sich nach seinen Worten 1271 Bewerber gemeldet, aber nur 277 kamen ins Auswahlverfahren. Der Rest zog die Bewerbung zurück oder nahm nicht am Verfahren teil. In den anderen Durchgängen kam nach seinen Worten im Schnitt nur ein Viertel der Bewerber ins Auswahlverfahren. Über zwölf Prozent bestanden nicht. „Die Wachpolizei ist alles andere als ein Renner, weil nicht lukrativ.“ So erhalten Wachpolizisten netto 500 bis 600 Euro weniger als Streifenbeamte. Zudem sieht er im Tragen der Waffe ein großes Sicherheitsrisiko. „In drei Monaten kann keine so qualitativ gute Ausbildung wie in drei Jahren erfolgen.“

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist unzufrieden. „Die eigentlichen Aufgaben, für die die Staatsregierung die Wachpolizei wiederbelebt hat, also Flüchtlingsheime zu bewachen, sind weggefallen“, sagt GdP-Landesvorsitzender Hagen Husgen. „Jetzt macht sich die Regierung Gedanken über andere Einsatzgebiete. Doch die Befugnisse der Kollegen sind begrenzt. Für den Streifendienst können sie nicht eingesetzt werden“, so Husgen. Doch genau da sei großer Bedarf, denn der Abbau bei Sachsens Polizei gehe weiter. „Allein in diesem Jahr gehen 300 bis 400 Kollegen in den Ruhestand. Ich hätte mir gewünscht, man geht auf sie zu, bittet sie noch ein oder zwei Jahre zu bleiben.“ Aus Kostengründen sei das nicht gewollt.

In Dresden ist man zufrieden mit den neuen Kräften. Sie zeichneten sich durch eine hohe Einsatzbereitschaft aus, heißt es aus dem Innenministerium. „An Nachschub für die Wachpolizei fehlt es nicht“, sagt Stefan Walther, Sprecher der Bereitschaftspolizei. Sie ist für die Ausbildung der Wachpolizei zuständig. Dass sich Bewerber nicht melden oder abspringen, müsse nicht verwundern. Er vermutet, dass sie sich parallel in anderen Bundesländern, beim BKA oder der Bundespolizei bewerben. „Kommt von dort eher Bescheid als aus Sachsen, stehen sie für uns nicht mehr zur Verfügung.“ Walther bricht eine Lanze für die angehenden Kräfte: „Sie sind überaus motiviert, haben ein hohes theoretisches Fachwissen und eine hohe Lernbereitschaft.“ Viele der 20- bis 30-Jährigen hätten studiert, bei der Bundeswehr gedient oder eine Lehre absolviert.

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