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Angst nach dem Auftritt: Ausländische Schauspieler als Rassismusopfer

Fremdenfeindlichkeit Angst nach dem Auftritt: Ausländische Schauspieler als Rassismusopfer

Ob im thüringischen Altenburg oder im österreichischen Graz: So manch Schauspieler, der Ausländer ist, wird Opfer von Rassismus. Die Intendanten suchen nach Lösungen.

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Bernhard Stengele

Quelle: dpa

Altenburg/Graz. Fest steht: „Das Theater ist ein geschützter und angstfreier Raum.“ Doch Bernhard Stengele, Schauspielchef am Theater Altenburg, sieht mit Sorge, dass ausländische Künstler im Alltag inzwischen oft auf Ablehnung, Vorbehalte und Aggression stoßen. Das reiche von Kommentaren à la „Sprechen Sie erst mal Deutsch“ bis zu bedrohlichen Situationen auf dem Nachhauseweg. So sei ein Ensemblemitglied einmal von einer Horde junger Erwachsener umringt und angepöbelt worden. „Es ist dann zum Glück nichts Schlimmeres passiert“, berichtet Stengele.

Mehrere Schauspieler haben wegen der Anfeindungen ihre Verträge in Altenburg zum Saisonende nicht verlängert. Der Chef des Deutschen Bühnenverbandes Ost, Tobias Wellemeyer, spricht von „ekelhaften, rassistischen und bezeichnend dummen“ Vorfällen. Es sei zu erwarten, dass sich die Situation zuspitzen werde. Auch deswegen wollen die Theaterintendanten bei einer Tagung zu Wochenbeginn in Weimar über das Thema beraten.  

Ende Februar feiert Carl Zuckmayers „Hauptmann von Köpenick“ am Theater Altenburg Premiere. Der Afrikaner Ouelgo Téné schlüpft dabei in die Rolle des preußischen Pseudo-Hauptmanns. Auf der Bühne in der Ostthüringer Provinz ist das nicht ungewöhnlich. Seit fast fünf Jahren forciert Stengele dort internationales Theater. Zum Ensemble gehören nicht nur Schauspieler etwa aus der Türkei, Burkina Faso und Griechenland. Es entstanden auch Stücke in Kooperation mit einem Theater in Burkina Faso.

Was ist in Altenburg außerhalb des Theaters passiert? Die betroffenen Schauspieler wollen dazu keine Interviews mehr geben. Zum einen, weil sie nicht in eine Opferrolle gedrängt werden wollen, erklärt der Schauspieldirektor. Zum anderen wollen sie sich auf ihre künstlerische Arbeit konzentrieren. Es sei ihnen bewusst gewesen, „dass wir in einer Gegend leben, in der fremdenfeindliche Kräfte immer wieder mal das Stadtbild bestimmen können“, teilen sie auf Anfrage in einer schriftlichen Erklärung mit. Seit Sommer 2015 habe sich das Klima vor Ort aber massiv verschlechtert. „Dadurch ist das Leben in Altenburg für Menschen, die fremd aussehen, schwieriger geworden.“

Es fehlen Orte, an denen die Künstler sorglos abtauchen können

Wie auch in vielen anderen Orten machen in Altenburg seit Monaten rechte Gruppen mobil. In der 33.000-Einwohner-Stadt organisiert ein sogenanntes Bürgerforum Stammtische und Kundgebungen. Dabei wurde in der Vergangenheit auch zum Boykott des Theaters und des renommierten Altenburger Lindenau-Museums aufgerufen.

Zwar sei Fremdenfeindlichkeit kein spezielles Problem von Altenburg, betont Stengele. Anders als etwa in Berlin, Leipzig oder Dresden fehle es aber an alternativen Orten und studentischen Szenen, wo die Künstler in ihrer Freizeit sorglos abtauchen könnten.

So ist am Gewandhausorchester Leipzig, wo Künstler aus 16 Nationen arbeiten, nicht bekannt, dass jemand dort wegen fremdenfeindlicher Angriffe ein Engagement aufgegeben hätte. Ähnliches erzählt Erfurts Generalintendant Guy Montavon. Der Schweizer leitet seit etwa 15 Jahren das Erfurter Theater und ist Vorsitzender des Thüringer Bühnenvereins. Drei von zehn Mitgliedern seines Ensembles haben ausländische Wurzeln. Ihm sei nicht bekannt, dass sie wegen ihrer Sprache oder Hautfarbe angefeindet wurden. Die Vorfälle in Altenburg nennt er „einen ungeheuerlichen Vorgang“.

Rassismus im Alltag erleben Künstler auch im österreichischen Graz. Erst vor wenigen Tagen sei ein Schauspieler mit deutscher Staatsbürgerschaft und schwarzer Hautfarbe in einem Café als „Parasit“ und „Pöbel“ beschimpft worden, berichtet die Sprecherin des Schauspielhauses, Martina Maier. „Zuvor ist es am Tag nach dem Wahlsieg von Donald Trump zu zwei verbalen Angriffen auf Schauspieler gekommen.“ Offensichtlich seien Anfeindungen dieser Art gesellschaftsfähig geworden.

Um die Öffentlichkeit aufzurütteln, hat das Theater Ende vergangenen Jahres mit einem Aushang reagiert. „Wir hoffen und wünschen uns, dass das Land, in dem wir leben und arbeiten, weiterhin von Menschlichkeit, Solidarität und Freiheit geprägt ist“, heißt es darin. „Wir glauben, dass Angst, Hetze und Spaltung die falschen Kräfte sind, die eine Gesellschaft leiten. Wir entscheiden uns für die Zuversicht!“

Von Andreas Hummel, dpa

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