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15 Jahre nach der Flut: Milliarden verbaut und 60 Prozent der Elbe-Deiche saniert

Sachsen zieht Zwischenbilanz beim Flutschutz 15 Jahre nach der Flut: Milliarden verbaut und 60 Prozent der Elbe-Deiche saniert

Genau 15 Jahre nach der Hochwasserkatastrophe 2002 an Mulde und Elbe zieht Sachsen Zwischenbilanz in Sachen Flutschutz. Insgesamt 2,6 Milliarden Euro wurden bislang in die Beseitigung der Schäden und in den Bau von Deichen und Dämmen investiert. Weitere 630 Millionen Euro sollen bis 2023 folgen.

Schon die Weißeritz hatte am 12. August 2002 für Wasser in der Dresdner Altstadt gesorgt, am  17. August legte die Elbe nach.

Quelle: AP Photo/ Jan Bauer

Dresden. Genau 15 Jahre nach der Hochwasserkatastrophe 2002 an Mulde und Elbe zieht Sachsen Zwischenbilanz in Sachen Flutschutz. Insgesamt 2,6 Milliarden Euro wurden bislang in die Beseitigung der Schäden und in den Bau von Deichen, Dämmen, Schöpfwerken, in die Erweiterung von Talsperren oder die Erschließung neuer Überschwemmungsflächen investiert. Weitere 630 Millionen Euro sollen bis 2023 folgen.

Dutzende Tote, Hunderte Verletzte, Zehntausende Obdachlose und Hunderttausende Evakuierte – das war die erschütternde Opferbilanz der 20 Tage im August 2002. Das Tief „Ilse“ hatte quer über Europa schwere Niederschläge ausgelöst. Am 12. August erreichte die Katastrophe Sachsen. Nach tagelangen Regenfällen ließen bis dato ungekannte Wassermassen Bäche und Flüsse wie Wilde und Rote Weißeritz, Müglitz, Mulde, Pleiße  und später die Elbe anschwellen. Gleich zu Beginn versank die Altstadt von Weesenstein im Müglitztal in den Fluten, viele andere Orte in Ostsachsen wurden von Wasser und Schlamm überrollt. Einen Tag später standen Dresdens Bahnhof und die historische Altstadt unter Wasser. Durch den berühmten Zwinger floss eine braune Brühe, Semperoper und Kunstsammlungen bangten um ihre Schätze. Wenige Tage danach schwoll die Elbe an und erreichte schließlich den  Rekordpegel von 9,40 Meter. Die Schäden gingen in die Millionen.

Land unter hieß es auch in Nordsachsen. Vor allem in Grimma wütete die Mulde mit ungeahnter Wucht und überflutete die Innenstadt. Insgesamt registrierte allein Sachsen 98 Deichbrüche. Im Juni 2013 wurde Mitteldeutschland erneut von einem verheerenden Hochwasser heimgesucht. Inzwischen aber sieht sich Sachsen weitaus besser geschützt. Im Hochwasserschutzprogramm sind 1600 Einzelprojekte aufgelistet, etwa die Hälfte der 360 dringendsten Projekte sind erledigt.

In Dresden können im Ernstfall an der Elbe Flutschutztore aus Stahl  hochgezogen werden. „15 Jahre nach dem Extremhochwasser von Weißeritz und Elbe sind wir in vergleichbaren Situationen gerüstet“, sagt Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Bündnis 90/Die Grünen). Weitere Schutzanlagen sollen in der Landeshauptstadt entstehen.

Etwa 60 Prozent der sächsischen Elbdeiche und die Hälfte der Muldedeiche sind saniert. Eilenburg in Nordsachsen gilt heute schon als flutsicher. In Grimma soll es 2018 soweit sein. Auch die landeseigenen Talsperren und Rückhaltebecken können durch Um- und Neubau heute bis zu einem Viertel mehr Wasser aufnehmen als 2002. Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) sagt, man könne zwar nie ausschließen, dass sich eine solche Naturkatastrophe wiederhole. „Aber: Die Wassermassen von 2002 würden mit den Schutzmaßnahmen von heute bei weitem nicht solche Schäden in Sachsen anrichten.“

Dennoch ist das Programm auch umstritten. Sachsens Grüne beispiels-weise kritisieren, dass zu wenig neue Überschwemmungsgebiete erschlossen wurden. Zudem würde durch die Fokussierung auf Dämme und Mauern die Überflutungsgefahr nur flussabwärts verlagert – hier drohten künftig höhere Schäden.Zudem ist längst klar, dass nicht jede Gemeinde oder Siedlung tatsächlich geschützt werden kann. „Hochwasserschutz ist teuer. Nicht überall ist der riesige Aufwand zu rechtfertigen “, sagt Axel Bobbe, Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung Sachsen. So kostet ein Kilometer Deichbau heute etwa  zwei Millionen Euro – Tendenz steigend. Naturschutzauflagen und höhere Baupreise lassen die Kosten klettern.

Deshalb werden Schutzprojekte nach Dringlichkeit gewichtet. Die Folge: Maßnahmen mit niedriger Priorität gelten unter Experten als kaum noch realisierbar. Etwa 400 der 1600 Projekte in Sachsen haben  wohl nur geringe Chancen, in absehbarer Zeit gebaut zu werden. Doch auch der Druck auf private Hausbesitzer steigt, künftig mehr  Eigeninitiative zu betreiben. So hatte Ende Juni  Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) eine verbindliche Pflichtversicherung für Elementarschäden ins Spiel gebracht.  

Olaf Majer und Katharina Röger

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