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Studium & Beruf Deutschland drohen wachsende Fachkräftelücken
Mehr Studium & Beruf Deutschland drohen wachsende Fachkräftelücken
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15:52 30.08.2017
Ein Bericht des Arbeitsministeriums prognostiziert einen Mangel an Managern, Forschern, Ingenieuren, Ärzten und Pflegern. Quelle: Stephanie Pilick/dpa
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Berlin

In Gesundheits­, Pflege- und technischen Berufen droht eine immer größere Fachkräftelücke in Deutschland. In einigen Branchen und Regionen können Arbeitnehmer bereits heute offene Stellen kaum noch besetzen. Das zeigt ein vom Bundeskabinett verabschiedeter Bericht des Arbeitsministeriums.

Allein bis 2030 könnte sich die Zahl der fehlenden Facharbeiter, Techniker, Forscher und medizinischen Fachkräfte auf bis zu 3,0 Millionen belaufen und bis 2040 gar auf 3,3 Millionen, wie aus einer zeitgleich veröffentlichten Prognos-Studie hervorgeht.

Nach der Vorhersage der Prognos-Forscher werden viele Sicherungs- und Überwachungstätigkeiten wegfallen. Auch Lastwagenfahrer und Packer müssten damit rechnen, dass ihre Arbeit künftig von Robotern und Automaten erledigt werde. Gleiches gelte für Buchhalter, Kreditsachbearbeiter und Immobilienmakler - elektronische Systeme dürften solche Berufe langfristig ersetzen. Dagegen werde es schon 2020, stärker aber bis 2030 einen Mangel an Managern, Forschern, Ingenieuren, Ärzten, Pflegern und medizinischen Assistenten geben, in geringem Umfang auch an Kreativen und Journalisten.

Der Regierungsbericht zeigt: Die Anzahl der registrierten Arbeitslosen pro offener Stelle sank zuletzt deutlich. Die durchschnittlichen Vakanzzeiten nahmen zu, also die Dauer, während der eine Stelle unbesetzt ist. Im Schnitt stieg die Vakanzzeit innerhalb eines Jahres zuletzt um 10 auf 100 Tage.

Zwar schwächt der Geburtenrückgang laut der Regierungsstudie das Angebot an Arbeitskräften - doch bisher brachte es einen Ausgleich, dass immer mehr Frauen und Ältere im Beruf sind. "Künftig wird dieser Ausgleich jedoch nicht mehr im gleichen Umfang stattfinden können, da größere Potenziale bereits gehoben sind und bis Mitte der 2030er Jahre die geburtenstarken Jahrgänge schrittweise in den Ruhestand treten", heißt es in dem

Bericht.

Linderung gibt es durch die Zuwanderung. So wuchsen in den vergangenen Jahren die Differenz zwischen der Zahl der Zuzüge und der Zahl der Fortzüge stetig - von 130 000 im Jahr 2010 bis mehr als 500 000 im Jahr 2014 und - bei der außergewöhnlichen Flüchtlingszuwanderung 2015 - dann sogar auf mehr als 1,1 Millionen Menschen.

Der digitale Strukturwandel schüttelt den Arbeitsmarkt weiter durch. Die Anforderungen an die

Qualifikation steigen - die Zahl inländischer Jugendlicher, die eine berufliche Erstausbildung abschließen, werde nicht ausreichen, um dem gerecht zu werden, so der Regierungsbericht.

Routinetätigkeiten würden immer mehr automatisiert. Bis 2030 sei mit einer Zunahme der Zahl der Erwerbstätigen mit Hochschulabschluss um etwa 2,5 Millionen zu rechnen, so die Studie. Der Bedarf an Arbeitskräften ohne Berufsabschluss sinke um knapp 2 Millionen.

Der Anteil der Beschäftigten, die in Berufen arbeiten, in denen sie vergleichsweise leicht durch Maschinen ersetzt werden könnten, liege unter 13 Prozent in Berlin, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Über 17 Prozent sind es im Saarland, in Baden-Württemberg und in Thüringen. Die anderen Länder liegen dazwischen.

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sagte: "Der Fortschrittsbericht ist eine Mahnung zum Handeln." Stillstand und Nichtstun seien in Anbetracht des Wandels der Arbeit der Zukunft grob fahrlässig. Nahles warb erneut für ihren Vorschlag eines Kontos für Erwerbstätige, mit dem die Menschen etwa Auszeiten zur Weiterbildung finanzieren können.

"Im Zuge des demografischen Wandels wird sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den nächsten 10 bis 20 Jahren erheblich verschärfen", sagte der Autor Erhebung des Basler Forschungsinstituts Prognos, Oliver Ehrentraut. Auch wenn man inzwischen nicht mehr mit einem so starken Schrumpfen der Bevölkerung rechne, werde die Zahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter dennoch weiter kräftig sinken - um gut 10 Prozent bis zum Jahr 2040.

dpa

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