Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Studium & Beruf Berufsschulen: Digitale Bildung in Verzug
Mehr Studium & Beruf Berufsschulen: Digitale Bildung in Verzug
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 02.08.2016
Laut einer Bertelsmann-Stiftung haben Auszubildene an den Berufsschulen und in den Betrieben zu wenig Zugang zu digitalen Medien. Foto: Daniel Bockwoldt/Archiv
Berlin

Berufsschulen und Ausbildungsbetriebe in Deutschland drohen beim Umgang mit digitalen Medien den Anschluss zu verpassen - dabei ist das Interesse der Lehrlinge groß.

Angesichts eines Rekordtiefs von nur noch rund 520 000 neuen Auszubildenden im Vorjahr und 41 000 nicht besetzten Lehrstellen stehen alle Beteiligten unter Druck, auf diesem Gebiet ihre Attraktivität zu erhöhen, heißt es im ersten "Monitor Digitale Bildung" der Bertelsmann-Stiftung.

Stiftungsvorstand Jörg Dräger mahnte daher Kurskorrekturen an: "Digitales Lernen ist weit mehr als ein Imagefaktor. Berufsschulen und Betriebe brauchen Strategien fürs digitale Zeitalter. Nur so können sie das Potenzial neuer Technologien für chancengerechte Bildung nutzen." Derzeit hapere es jedoch oft schon an einem ausreichenden WLAN an Berufsschulen - und auch an didaktischen Konzepten, ergab die repräsentative Studie.

Das Bundesbildungsministerium hat Anfang dieses Jahres ein Sonderprogramm im Umfang von maximal 74 Millionen Euro bis 2019 vorgelegt, das die Digitalisierung in der beruflichen Bildung vorantreiben soll. "Auszubildende müssen beispielsweise mit 3D-Druckern oder Drohnen umgehen können", heißt es dort. Das Ziel: "modernste Rahmenbedingungen zu schaffen und dadurch eine zukunftsfähige Qualifizierung der Ausbildenden zu ermöglichen".

"Zwar hat das Youtube-Video die DVD abgelöst, zwar werden Unterrichtsmaterialien auch im PDF-Format statt als Fotokopie zur Verfügung gestellt", fasste die Stiftung die Ergebnisse ihrer neuen Studie zusammen. "Doch viele Rektoren der Berufsschulen und Ausbildungsleiter in den Betrieben erkennen im Einsatz digitaler Lernhilfen weniger eine strategische Herausforderung als vielmehr einen Imagefaktor."

Dabei stünden die derzeit gut 1,3 Millionen Azubis in Deutschland "der digitalen Welt sehr viel offener gegenüber als ihre Lehrer und Ausbilder", hieß es weiter. "Berufsschüler setzen digitale Medien beim Lernen zu Hause wesentlich häufiger ein als im Unterricht oder im Betrieb." Und sie wünschten sich auch von ihrer Berufsschule einen stärkeren Einsatz digitaler Medien.

So sagten 85 Prozent der befragten Auszubildenden, ihre Lehrer sollten "häufiger etwas Neues mit digitalen Medien ausprobieren". Aber nur 33 Prozent der Berufsschullehrer - und dabei interessanterweise eher die erfahrenen als die jungen - sähen digitale Lerntechnologien als Option, zu besseren Lernergebnissen zu kommen. In vielen Ausbildungsbetrieben sei die Lage ähnlich.

"So bleiben Chancen gerade für benachteiligte Gruppen ungenutzt", folgert die Gütersloher Studie. Denn: 34 Prozent der Azubis mit Hauptschulabschluss geben an, dass digitales Lernen sie motiviert. Unter den Lehrlingen mit Abitur ist dieser Wert nur halb so hoch. "Bislang verpassen Berufsschulen und Betriebe diese Gelegenheit für mehr Teilhabe und Chancengerechtigkeit."

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Je früher, desto besser: Die heiße Phase für die Wahl eines Ausbildungsberuf beginnt schon mit dem vorletzten Schuljahr. Eltern sind für ihre Kinder dabei eine wichtige Unterstützung - die Entscheidung müssen angehende Azubis am Ende aber allein treffen.

01.08.2016

Das "Meister-Bafög" wird zum "Aufstiegs-Bafög". Neben einem neuen Etikett gibt es ab dem 1. August mehr Geld für angehende Handwerksmeister und Fachkräfte. Wer einen Antrag stellt, muss jedoch mit einer langen Bearbeitungszeit rechnen.

29.07.2016

Das neue Ausbildungsjahr fängt an, doch viele Arbeitsplätze für den Nachwuchs bleiben leer. Damit das nicht so bleibt, gehen die Unternehmen inzwischen neue Wege.

29.07.2016