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10:07 02.07.2018
Blaszyk braucht genügend Kraft, um die Gerüstbauteile zu tragen und seinem Kollegen an zu geben. Foto: Anne Kathrin Jegen/handfest
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Köln

Die Konstruktion baumelt am Seil, ein Hubschrauber transportiert das Gestell aus Aluminiumrohren und Holzbohlen durch die Luft zum Bestimmungsort: dem Kölner Dom. Dort soll die Fassade restauriert werden, ein Gerüst muss her.

Damit die Restauratoren unfallfrei ihre Arbeit verrichten können, hat eine Kolonne Gerüstbauer ein Hängegerüst entworfen. Das Ergebnis bringen sie nun an der Seite des Doms an. Kein Job für Menschen mit Höhenangst.

Zwar sind nicht alle Einsatzorte so spektakulär wie der über 150 Meter hohe Kölner Dom. Aber: "Die Bandbreite der Einsatzorte reicht von Wohn- und Bürogebäuden über Industrieanlagen und Brücken bis hin zum Schiffsbau und Ölbohrinseln", sagt Laura Wegewitz von der

Bundesinnung Gerüstbau. Auch die Siegessäule in Berlin oder das Schloss Neuschwanstein in Bayern waren schon eingerüstet.

"Für Gerüstbauer ist es unerlässlich, dass sie wetterfest sind und sich im Ernstfall auch von Wind und Regen nichts anhaben lassen", sagt Wegewitz. Damit nichts passiert, tragen die Arbeiter auf der Baustelle einen Helm und sind gesichert. Je mehr Kraft man mitbringt, desto besser: Gerüstbauteile schleppen ist anstrengend.

"Ich bin ein sportlicher Typ, aber der Körper muss sich erst daran gewöhnen", erzählt Leon Blaszyk, der im dritten Lehrjahr ist. "Nach zwei Monaten waren meine Schultern rot und aufgeschürft, da musste ich erstmal abwarten", erinnert sich der Azubi, der im Betrieb seines Vaters in Oberhausen lernt. Nach der Anfangszeit gewöhnten sich seine Muskeln aber irgendwann an das Gewicht der Bauteile.

"Gerüstbau ist nicht nur was für starke Jungs", sagt Laura Wegewitz. Körperkraft allein mache keinen guten Gerüstbauer aus, auch Geschick und Köpfchen sind gefragt. Denn sie müssen auch planen ebenfalls und für Sicherheit sorgen. Außerdem sei die Arbeit in den letzten Jahren leichter geworden, statt schwerem Stahl kommt nun häufig Aluminium zum Einsatz. Aufzüge und Hebekonstruktionen helfen bei der Arbeit. Die Zahl der weiblichen Interessenten steigt trotzdem nur langsam, unter den aktuell etwa 700 Azubis sind nur wenige Frauen.

Am Anfang der Ausbildung helfen Azubis, das Material zu den Baustellen zu transportieren, auf- und abzuladen und den Kollegen nach oben zu reichen. "Später macht man sich dann Gedanken, wo man was hinstellt oder hinstellen darf", sagt Blaszyk. Der 19-Jährige steht kurz vor seiner Abschlussprüfung, hat sich in den letzten Monaten vor allem um die Büroarbeit gekümmert und festgestellt, dass das für ihn "wesentlich interessanter" ist. Mit Kunden telefonieren, sich ein Bild vom Gebäude machen und die passende Konstruktion austüfteln und skizzieren, das alles sind Aufgaben abseits der Baustelle.

Räumliches Vorstellungsvermögen und handwerkliches Geschick sind daher genauso wichtig wie Muskelkraft. Arbeitgeber achten besonders auf Sorgfalt, Umsicht und Leistungsbereitschaft, erklärt Frank Vollgold von der Regionaldirektion der

Bundesagentur für Arbeit in Sachsen. Die meisten Bewerber haben einen Hauptschulabschluss. Ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind gut. Denn viele gemeldete Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt - laut Vollgold waren es im Jahr 2017 über 400 der gut 600 Stellen.

Und das, obwohl die Verdienstmöglichkeiten gut sind: "Die Ausbildungsentgelte sind überdurchschnittlich für das Baugewerbe." 650 Euro verdienen Azubis im ersten, 1100 Euro im dritten Ausbildungsjahr - wenn der Betrieb nach Tarif zahlt.

Anstellung findet Gerüstbauer bei klassischen Baufirmen, aber auch im Brücken- und Tunnelbau sowie im Zelt- und Bühnenbau. Oder auch bei Reinigungsfirmen: Denn ihre Expertise ist nicht nur gefragt bei der Vorbereitung für Malerarbeiten am Haus, sondern auch, wenn Glasfassaden an Hochhäusern geputzt oder Tribünen für Veranstaltungen gebraucht werden.

Neben der Arbeit im Betrieb lernen Azubis blockweise in der Berufsschule und in überbetrieblichen Bildungszentren. Dort üben sie mit anderen Azubis die Praxis. Während dieser Phasen sind sie oft vor Ort untergebracht, die Kosten übernimmt der Ausbilder.

Danach heißt es: Ran an die Arbeit. Wer Berufserfahrung hat, kann nach einigen Jahren die Prüfung zum Montageleiter oder Kolonnenführer ablegen und mehr Verantwortung übernehmen. Leon Blaszyk will später den Meister machen und den Betrieb seines Vaters übernehmen.

dpa

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