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13:56 03.12.2018
Gudrun Happich ist Führungskräfte-Coach in Köln. Quelle: Birgitta Petershagen
Köln

Wenn ein Team einen neuen Chef bekommt, ist erstmal Gefahr im Verzug. Zumindest denken das viele Mitarbeiter. "Oft herrscht Verunsicherung statt Freude", sagt Gudrun Happich, die in Köln Führungskräfte coacht. Dabei ist ein solcher Wechsel auch für die Mitarbeiter eine Chance.

Die Karten werden neu gemischt, wie Karriereberater Martin Wehrle sagt: "Wer beim bisherigen Chef nicht so gut angesehen war, kann sich neu profilieren". Zudem sei es eine wunderbare Gelegenheit, ein Zwischenzeugnis anzufordern, ohne Verdacht zu erregen.

Frischer Wind, neue Chancen

Ein neuer Chef bringt frische Ansichten und Arbeitsweisen mit, vor allem wenn er aus einem anderen Unternehmen kommt, sagt Bernd Slaghuis, Karriere- und Business-Coach aus Köln. Das sei eine gute Möglichkeit, einen neuen Arbeitsabschnitt zu beginnen. "Viele Angestellte sind heute nicht wegen ihres Jobs unzufrieden, sondern weil das Zwischenmenschliche nicht stimmt - und so kann ein neuer Chef wieder zu mehr Freude im Beruf führen", sagt er.

Teambuilding

Der Vorgesetzte müsse zusehen, dass er sein Team rasch hinter sich bringt, sagt Happich. Das Team sollte aber ebenso offen auf den Chef zugehen und ihn willkommen heißen, betont sie. "Der Chef ist schließlich auch nur ein Mensch, und er steht enorm unter Druck, wenn er neu in die Position kommt und niemanden kennt." Wehrle empfiehlt, den Neuen bei den ersten Schritten zu unterstützen: "Das vergisst er nie."

Wichtig sei vor allem, so Happich, sich als kompetenter Experte für seinen eigenen Bereich zu zeigen, ohne sich dabei in den Vordergrund zu spielen. "Mitarbeiter sollten dem Chef sagen, welche Arbeit sie am liebsten und effektivsten verrichten und dafür sorgen, dass mehr davon auf ihrem Tisch landet", rät Wehrle.

Einzelgespräche hilfreich

Slaghuis empfiehlt, ganz in Ruhe das Gespräch mit dem Chef zu suchen und über Erwartungen, persönliche Ziele und Verbesserungsideen zu sprechen. Dabei sollte man zuerst die operativen Fragen für eine gute Zusammenarbeit im Alltag klären, dann das Fachliche. Wichtig: niemals über den Vorgänger herziehen, das macht keinen guten Eindruck.

Eigene Ideen vortragen

Ein Chef-Wechsel bietet sich an, um mit eigenen Ideen durchzustarten, wenn die auf der Linie des Vorgesetzten sind und zu dessen Vorstellungen passen. "Ein neuer Chef wünscht sich auch immer Impulse, um sich von seinem Vorgänger abzuheben", sagt Wehrle. Es kann sich also lohnen, auch Ideen einzubringen, die bislang abgeschmettert wurden.

Kommunikation ist das A und O

Das Wichtigste, betonen die Experten übereinstimmend, sei die offene Kommunikation zwischen Team und Vorgesetztem. "Oft mangelt es an Klarheit, und dann entstehen Missverständnisse und schlechte Stimmung", sagt Slaghuis. Doch dazu müsse es gar nicht erst kommen. Auch wenn die Konstellation auf den ersten Blick schwierig scheint, etwa wenn ein sehr junger Chef eine Abteilung mit gestandenen Mitarbeitern leiten soll oder jemand im Team sich selbst um den Posten beworben hatte - "zunächst sollten die Leute mitziehen", so Happich.

Auch wenn ein Mitarbeiter dem früheren Chef besonders verbunden war, rät Wehrle, der neuen Führungskraft zu zeigen, dass man ihn mit derselben Überzeugung unterstützen werde und loyal ist. "Wer dem alten Chef nachweint und dem Neuen ständig als Vorbild unter die Nase reibt, kann schnell auf die Abschussliste geraten."

dpa

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