Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Aktuelles Der harte Job der Tatortreiniger
Mehr Studium & Beruf Aktuelles Der harte Job der Tatortreiniger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:26 10.08.2017
Die Tatortreiniger rücken 50- bis 60-mal pro Jahr aus. Quelle: Swen Pförtner/dpa
Anzeige
Kassel

Es stinkt nach Tod, und manchmal krabbeln die Maden schon unter der Tür durch: Sinisa Matokovic und seine Kollegen kommen, wenn andere lieber das Weite suchen. Es ist ihr Job. Denn die Männer sind Tatortreiniger in Kassel.

Sinisa Matokovic und seine Kollegen räumen auf, wenn die Polizei fertig ist. Für Immobilien-Eigentümer sind sie ein Segen. Ohne die Dienste der Tatortreiniger wären manches Haus oder manche Wohnung nie wieder benutzbar.

Sinisa Matokovic macht seinen harten Job gern: "Es ist abwechselungsreich", sagt der 40-Jährige. Die Arbeit durchzuhalten sei Kopfsache. Fünf Tatortreiniger und einen Einsatzleiter beschäftigt die

Tohr GmbH, eigentlich ein weltweiter Rückhol- und Überführungsdienst mit Sitz in Kassel.

Geschäftsführer ist der Bestattermeister Dominik Kracheletz. Der Anstoß für Tatort- und Unfallreinigung sei von Kunden gekommen, sagt Kracheletz. Die hätten die Bestatter beim Abholen der Leichen immer wieder gefragt: "Wer macht das weg?"

Dabei ist Tatortreinigung nicht das Kerngeschäft von Bestattern. "Es gibt aber durchaus einige Bestattungsunternehmen, die diesen Service selbst oder durch Mithilfe spezialisierter Unternehmen anbieten", erklärt Stephan Neuser, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Bestatter. So war es auch bei Kracheletz.

Seit knapp sechs Jahren gibt es nun die Tatortreiniger bei Tohr. Die Mitarbeiter kommen aus dem Bestattungswesen und werden laufend dafür geschult. Sie werden gerufen, wenn Körperflüssigkeiten, Blut und Gewebereste entfernt werden müssen. Auch natürliche Tode, bei denen die Leichen lange liegen, sind ein Einsatzgebiet der Spezialisten. Ebenso werden sie beim Ausräumen von Messi-Wohnungen gerufen.

Mit einer normalen Putzkolonne haben die Tatortreiniger wenig gemeinsam: Wenn sie mit ihren weißen Ganzkörperanzügen und Schutzbrillen anrücken, erinnert das an die Spurensicherung der Polizei. Die Schutzvorkehrungen seien höher als bei Ermittlern, "weil wir es anfassen", sagt Einsatzleiter Alexander Langfeld: "Wir wissen ja nicht, ob der Verstorbene Krankheiten hatte."

50- bis 60-mal pro Jahr rücken die Tatortreiniger aus. Auftraggeber sind in der Regel Wohnungsgesellschaften und Vermieter, die Räume danach wieder vermieten wollen. Die Tatortreiniger bekämpfen Ungeziefer, sortieren und desinfizieren alles - sogar den Müll. "Sonst nehmen ihn die Stadtreiniger nicht an", sagt Langfeld. Menschliche Überreste werden über die Pathologie entsorgt.

Selbst Elektroschalter müssen von innen gereinigt werden. "Sonst kommt der Geruch wieder", sagt Langfeld. Die Gründlichkeit hat ihren Preis: Eine Summe im mittleren vierstelligen Bereich kostet eine Reinigung im Durchschnitt. "Wir sind nicht günstig, dafür hochprofessionell", sagt Kracheletz.

Selbst Fahrzeuge säubern die Spezialisten. Vor zehn Jahren sei das noch unmöglich gewesen, erklärt Kracheletz. Da wurden Autos, in denen eine Leiche länger lag, als Totalschaden abgeschrieben. Doch bei teuren Limousinen oder Lastwagen lohne sich der Einsatz der Tatortreiniger.

Am Ende erhält der Auftraggeber ein Zertifikat, dass das gereinigte Objekt sauber und keimfrei ist. Der Grund: Vermieter seien nicht verpflichtet, Mieter über die Vorgeschichte der Wohnung zu informieren. Komme es deswegen zum Rechtsstreit, könne der Auftraggeber nachweisen, dass die Wohnung gesundheitlich unbedenklich ist.

Die Arbeit als Tatortreiniger kann unangenehm und psychisch belastend sein. Bewerbungen bekommen die Spezialisten trotzdem genug: "Ich habe das Gefühl, alle jungen Leute wollen Tatortreiniger werden", sagt Kracheletz. Auch Anfragen von Frauen seien darunter. Eine Tatortreinigerin gibt es aber bisher nicht - die Arbeit sei körperlich sehr fordernd. Bekannt wurde der Beruf zuletzt durch die mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete TV-Serie "Der Tatortreiniger". Für zusätzliche Bewerbungen habe das allerdings nicht gesorgt, sagt Langfeld.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Es krabbelt, es juckt, es zwickt: Ameisenumsiedeln ist harte Arbeit. Doch wenn Straßen neu- oder ausgebaut werden, müssen geschützte Arten weichen. Geschulte Fachleute versetzen dann die riesigen Nester.

17.07.2017

Jede E-Mail, jede Zeiterfassung, jede Dienstwagenfahrt, jeder Anruf und jeder Arbeitsschritt produziert heute Daten. Für Chefs sind die sehr interessant, für Angestellte potenziell gefährlich. Das Gesetz schützt Arbeitnehmer zwar - der Teufel steckt jedoch im Detail.

10.07.2017

Der Raucher gehört einer aussterbenden Art an. Längst durch strikte Rauchverbote aus den Büros verdrängt, findet man ihn fast nur noch vor der Tür stehend. Wie oft und wie lange geraucht werden darf, regeln Arbeitgeber unterschiedlich.

24.05.2017
Anzeige