Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Gesundheit Virtueller Küstenspaziergang reduziert Stress beim Zahnarzt
Mehr Gesundheit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:22 15.06.2017
Ein Ausflug in eine maritime virtuelle Realität kann Patienten von einer schmerzhaften zahnärztlichen Behandlung ablenken. Quelle: Sabine Pahl/Plymouth University/dpa
Anzeige
Plymouth

Ein Ausflug an einen virtuellen Strand kann beim Zahnarzt von einer schmerzhaften Behandlung ablenken.

Patienten seien weniger gestresst und empfänden weniger Schmerz, schreiben Forscher um Karin Tanja-Dijkstra von der britischen Universität Plymouth in der Fachzeitschrift "Environment and Behaviour". Sie hatten Probanden während einer Zahnbehandlung eine spezielle Video-Brille aufgesetzt, mit der sie den Eindruck haben, am Meer spazieren zu gehen.

Streifzüge durch virtuelle Welten können den Forschern zufolge Depressionen lindern oder Suchtkrankheiten heilen - den Anwendungsbereichen seien kaum Grenzen gesetzt. Der Grundgedanke hinter den Therapien ist stets derselbe: Patienten in eine andere Realität einbinden und durch Ablenkung ihre Angst und andere Beschwerden verringern.

Um Schmerzen und Stress optimal zu reduzieren, muss die virtuelle Lebenswelt naturbelassen und maritim sein - so lautete die Vermutung der britischen Wissenschaftler. Sie nahmen insgesamt 70 Zahnarzt-Patienten - eingeteilt in drei Gruppen - genauer unter die Lupe.

Eine Gruppe durfte während der Behandlung mit Hilfe einer Video-Brille an der Küste von Wembury im Süden von Plymouth sein. Die Probanden konnten dabei selbst steuern, wohin sie in der virtuellen Realität gehen. Die zweite Gruppe erkundete auf ähnliche Weise eine städtische Umgebung. Eine dritte Gruppe musste ohne virtuelle Realität auskommen. Die Behandlung, die eine Füllung, die Entfernung eines Zahnes oder beides umfasste, dauerte nicht mehr als 30 Minuten, wobei alle Teilnehmer örtlich betäubt wurden.

Nach dem Eingriff mussten die Patienten den Schmerz und den Stress, den sie während der Behandlung hatten, bewerten. Das Resultat: Diejenigen, die am Strand entlangspazierten, waren weniger gestresst und hatten weniger Schmerzen als die Probanden mit virtuellem Rundgang in der Stadt und als die Patienten ohne Sonderbehandlung.

Auch eine Woche nach dem Eingriff erinnerten sich die Studienteilnehmer, die per Videobrille an den Strand geschickt wurden, positiver an ihren Zahnarztbesuch zurück: Sie stuften ihren Schmerz viel niedriger ein. Zudem wurde die Küstenregion als attraktiver, erholsamer und stärkender eingeschätzt als die urbane Umgebung.

"Es reicht nicht aus, den Patienten nur abzulenken", sagt Koautorin Sabine Stahl. "Vielmehr muss die Umgebung einladend und entspannend sein." Die Anwendung von sogenannten Virtual-Reality-Technologien hat laut den Forschern entscheidende Vorteile: Es tauchen weniger hygienebezogene Probleme auf als beispielsweise bei echten Zimmerpflanzen. Außerdem kann sich der Patient auch dann in eine Naturkulisse versetzen, wenn er im Liegen behandelt wird.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Wunsch nach einem Kind führt ein Paar bis nach Tschechien. Dank einer Eizellspende wird die Frau endlich schwanger. In Deutschland ist die Behandlung verboten. Was bedeutet das für die Kosten?

14.06.2017

Gestresst kommt man von der Arbeit und hätte dringend eine kleine Auszeit nötig. Doch zu Hause warten schon wieder zahlreiche Aufgaben auf einen. Jetzt einfach alles stehen und liegen lassen? Leichter gesagt als getan.

14.06.2017

Eine neue Studie zeigt, dass viele Ärzte noch immer scheinbar sorglos Antibiotika verschreiben. So können sich multiresistente Keime bilden, die vor allem Patienten im Krankenhaus gefährden.

09.06.2017
Anzeige