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Impflücken begünstigen aktuelle Masern-Ausbrüche

Gesundheit Impflücken begünstigen aktuelle Masern-Ausbrüche

2017 könnte ein Jahr mit relativ vielen Masernfällen werden, heißt es vom Robert Koch-Institut. Das Virus ist keine bloße Kinderkrankheit - auch wenn es zuletzt besonders in Schulen kursierte.

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Leichtes Spiel für Masern: Impflücken sind für aktuelle Ausbrüche mitverantwortlich.

Quelle: Daniel Karmann

Frankfurt/Main. Ein genauer Blick in den Impfpass gibt Gewissheit: Die zweite Masernimpfung verspricht Schutz vor der hochansteckenden Krankheit.

2017 könnte ein Jahr mit relativ vielen Masernerkrankungen werden, sagt Dorothea Matysiak-Klose vom

Robert Koch-Institut. Die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr stark: 2016 waren es 442 Fälle, im Jahr zuvor 2464 und 2014 lediglich 324. Zu viele sind es immer: Angestrebt wird die Eliminierung der Masern.

Matysiak-Klose verweist auf mehrere Masernherde bundesweit seit Jahresbeginn. Mehr als 40 Masernfälle seien bereits gemeldet worden. Die Expertin für Impfprävention warnt "vor einem erhöhten Risiko, sich dieses Jahr mit Masern anzustecken". Insgesamt seien die Impfquoten in den vergangenen Jahren zwar gestiegen, sagt sie. Besonders in Ballungsräumen hätten es die Viren aber immer noch recht leicht, weil auf eine hohe Bevölkerungsdichte eine potenziell höhere Zahl an Menschen komme, die keinen Schutz gegen Masern haben.

Ein unzureichender Impfschutz entsteht demnach unter anderem, wenn Kinder oder Erwachsene die zweite Masern-Impfung verpassen. Eine erste Impfung gegen Masern empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) bei Kindern ab dem 11. Monat. Zur Absicherung rate die Stiko zu einer zweiten Impfung, erläutert Matysiak-Klose. Auf die erste Impfung reagiere das Immunsystem nicht immer ausreichend.

"Die Gründe für eine fehlende Masernimpfung sind vielfältig", sagt Barbara Mühlfeld, Sprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Hessen. Impfkritiker hielten Masern für eine harmlose Kinderkrankheit und bezweifelten die Wirksamkeit einer Impfung. Die Kinderärztin beobachtet, dass viele Eltern unsicher sind: Sie informierten sich im Internet und ließen sich von Argumenten der Impfgegner irritieren. "Sie wollen nur das Beste für ihre Kinder", sagt Mühlfeld. "Sie wissen oft nicht, wem sie glauben sollen."

Die Ärztin hält es deshalb für notwendig, beispielsweise auch an Schulen stärker über Impfungen aufzuklären. "Die Entscheidung zum Impfen bleibt ja eine individuelle." Der Berufsverband spricht sich für eine Masern-Impfpflicht vor dem Eintritt in öffentliche Einrichtungen aus. Besonders an Schulen und Kitas sei eine Impfpflicht zum Schutze aller sinnvoll, sagt Mühlfeld.

2015 war während einer Masern-Epidemie in Berlin über eine Impfpflicht diskutiert worden. Daraufhin wurde eine verpflichtende Impfberatung vor dem Eintritt in Kitas eingeführt. Den Aufklärungsbedarf hätten die Länder erkannt, sagt Matysiak-Klose und verweist auf Kampagnen wie "Deutschland sucht den Impfpass". Doch Masern gälten immer noch als Kinderkrankheit und würden gerade von jungen Erwachsenen oft unterschätzt. Nach Berichten über Maserntote gingen die Impfzahlen hoch.

Der Tod der kleinen Aliana aus Bad Hersfeld etwa schockierte im vergangenen Jahr etliche Menschen. Die Sechsjährige war an einer chronischen Masern-Gehirnentzündung SSPE (Subakute sklerosierende Panenzephalitis) als Spätfolge des Virus gestorben. Alianas Mutter war durchs Raster gefallen, als vor Jahrzehnten zum Teil nur unzureichend oder gar nicht geimpft wurde.

Bei vielen entstanden so Impflücken, die auch Kindern zum Verhängnis werden können. In den ersten Lebensmonaten können Mütter ihre Babys über den sogenannten Nestschutz vor Masern und anderen ansteckenden Krankheiten bewahren - allerdings nur, wenn sie selbst Antikörper haben, weil sie geimpft wurden oder eine Masernerkrankung hatten.

dpa

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