Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Fit & Gesund Dresden Wie eine kleine Rheumapatientin vom medizinischen Fortschritt profitierte
Mehr Gesundheit Fit & Gesund Dresden Wie eine kleine Rheumapatientin vom medizinischen Fortschritt profitierte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:41 30.03.2017
Dr. med. Georg Heubner mit seiner kleinen Patientin Lina, die es sich auf dem Schoß ihrer Mama Stefanie Schönbach bequem gemacht hat.  Quelle: Dietrich Flechtner
Anzeige
Dresden

 Rheuma hält man gemeinhin für eine Erkrankung, an der eher ältere Menschen leiden. Dass das nicht zwangsläufig der Fall ist, musste Stefanie Schönbach jetzt bei ihrer Tochter Lina schmerzlich erfahren. Das drei Jahre alte Mädchen konnte nicht mehr laufen, wurde bewegungsunfähig und erhielt schließlich die Diagnose Rheuma.

„Es passierte ganz plötzlich. Morgens wollte Lina nicht aus dem Bett aufstehen. Sie hatte Schmerzen im Fuß und weinte“, erinnert sich Stefanie Schönbach. Da Lina bereits vorher schon einmal über Schmerzen geklagt hatte, diese aber wieder verschwanden, machte sich die Dresdnerin keine großen Gedanken und brachte ihre Zwillingsmädchen Lina und Mara in die Kita. Aber dieses Mal gingen die Beschwerden nicht weg. Im Gegenteil. Sie wurden so schlimm, dass Stefanie Schönbach mit ihrer Tochter in die Kindernotfallambulanz im Städtischen Klinikum am Standort Neustadt/Trachau fuhr.

Dort folgten entsprechende Untersuchungen, um eine Diagnose stellen zu können: Ultraschall, Bluttests, Magnetresonanztomograph. Währenddessen ging es Lina immer schlechter. „Sie lag nur noch im Bett und konnte sich gar nicht mehr bewegen. Ich durfte sie auch nicht mehr anfassen. Es war schlimm, ich hätte nicht gedacht, dass die Sache solche Ausmaße annimmt“, so die junge Mutter.

Schließlich bestätigte sich der Verdacht auf Rheuma, beinahe alle Gelenke der Dreijährigen waren entzündet, sie hatte hohes Fieber. Glück im Unglück für Lina: Diagnostik und Behandlung von rheumatischen Erkrankungen haben sich in den vergangenen 15 bis 20 Jahren erheblich verbessert. „Den medizinischen Fortschritt merke ich im täglichen Erleben. Betroffene Familien spiegeln ihre Dankbarkeit wieder. Das ist für mich als Rheumatologe natürlich sehr schön“, sagt Chefarzt Dr. med. Georg Heubner.

Früher wurde die Erkrankung – die im Erwachsenenalter tatsächlich ungleich häufiger vorkommt – eher verwaltet, wie es Dr. Heubner ausdrückt. Häufigste Behandlungsart war die Gabe von Cortison über eine lange Zeit, was mit gravierenden Nebenwirkungen, etwa dem Vollmondgesicht, einherging. „Trotz der hohen Dosen landeten die Betroffenen dennoch zum Teil im Rollstuhl oder bekamen schwere Gelenkdeformierungen“, beschreibt der Rheumatologe.

Das könne man dem Großteil der Patienten heute ersparen und ihnen die Aussicht auf ein beinahe gesundes Leben ermöglichen. Wie wertvoll neue medizinische Errungenschaften sein können, hat Dr. Heubner vor 20 Jahren erlebt. Sein Aha-Erlebnis, wie er sagt. Damals behandelte er einen an Rheuma erkrankten Jungen erstmals mit genetisch hergestellten Medikamenten – den sogenannten Biologika. Diese aus lebenden Zellkulturen gewonnenen Eiweißstoffe greifen in Mechanismen der Krankheitsentstehung ein, indem sie gezielt bestimmte entzündungsfördernde Substanzen des Immunsystems abfangen und ausschalten oder ihre Bindungsstellen besetzen und damit blockieren. Mit deutlichem Erfolg.

Eine Entwicklung, von der jetzt auch Lina profitiert. Nur drei Tage nach der ersten Gabe der Biologika konnte das Mädchen wieder stehen, einen weiteren Tag später auch laufen. „Jetzt ist sie total gut drauf. In die Kita geht sie zwar noch nicht, aber auch das wird sich hoffentlich bald ändern“, ist Stefanie Schönbach zuversichtlich. Alle zwei Wochen wird die Dreijährige mit dem genetisch hergestellten Medikament behandelt, auch Cortison erhält sie zusätzlich. „Diese Therapie werden wir auf unbestimmte Zeit fortsetzen. Das ist unsere Strategie für die nächsten Wochen und Monate und hängt vom weiteren Verlauf ab. Ziel ist aber, die Cortisondosen langsam zurückzufahren, weil eine Langzeitgabe nicht günstig ist“, erklärt Dr. Heubner.

Warum ausgerechnet Lina von einer Rheumaerkrankung betroffen ist, ihre Zwillingsschwester hingegen nicht, bleibt unklar. „Veranlagung spielt eine gewisse Rolle. Aber es gibt auch Umwelteinflüsse, die wir nicht im Einzelnen kennen. Die Ursachen sind nach wie vor nicht gut erforscht“, so der Chefarzt.

Von Christin Grödel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Milchzähne sind die Grundlage für die bleibenden Zähne. Bereits in den ersten Jahren wird deshalb die Basis für ein gesundes Gebiss gelegt. Dr. Guido Nitzsche, der gemeinsam mit Partnern zwei Praxen in Dresden und Coswig betreibt, erklärt im DNN-Interview, worauf es bei der Zahnpflege von Kindern ankommt.

29.03.2017

Anlässlich des Weltmundgesundheitstages am 20. März hat die FDI World Dental Federation – der „Weltverband der Zahnärzte“ – den Mythos entzaubert, was Menschen weltweit für gute Mundpflege halten. Mundgesundheit ist für unsere Allgemeingesundheit und unser Wohlbefinden von entscheidender Bedeutung.

29.03.2017

In der Dresdner Seniorenresidenz AlexA ist vor etwa eineinhalb Jahren eher zufällig eine kleine DDR-Welt entstanden. Mit erstaunlichen Ergebnissen. Bei vielen dementen Bewohnern sind dank der Erinnerungen verloren gegangene Fähigkeiten zurückgekehrt

28.03.2017
Anzeige