Startseite DNN
Volltextsuche über das Angebot:

Google+
Wie eine kleine Rheumapatientin vom medizinischen Fortschritt profitierte

Städtisches Klinikum Dresden Wie eine kleine Rheumapatientin vom medizinischen Fortschritt profitierte

Rheuma hält man gemeinhin für eine Erkrankung, an der eher ältere Menschen leiden. Dass das nicht zwangsläufig der Fall ist, musste Stefanie Schönbach jetzt bei ihrer Tochter Lina schmerzlich erfahren.

Voriger Artikel
Dresdner Zahnarzt erklärt, wie wichtig Mundpflege bereits im Kleinkindalter ist
Nächster Artikel
Radeberger Asklepios-ASB-Klinik für Diabetes-Patienten: Klinik mit Brückenfunktion

Dr. med. Georg Heubner mit seiner kleinen Patientin Lina, die es sich auf dem Schoß ihrer Mama Stefanie Schönbach bequem gemacht hat.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Rheuma hält man gemeinhin für eine Erkrankung, an der eher ältere Menschen leiden. Dass das nicht zwangsläufig der Fall ist, musste Stefanie Schönbach jetzt bei ihrer Tochter Lina schmerzlich erfahren. Das drei Jahre alte Mädchen konnte nicht mehr laufen, wurde bewegungsunfähig und erhielt schließlich die Diagnose Rheuma.

„Es passierte ganz plötzlich. Morgens wollte Lina nicht aus dem Bett aufstehen. Sie hatte Schmerzen im Fuß und weinte“, erinnert sich Stefanie Schönbach. Da Lina bereits vorher schon einmal über Schmerzen geklagt hatte, diese aber wieder verschwanden, machte sich die Dresdnerin keine großen Gedanken und brachte ihre Zwillingsmädchen Lina und Mara in die Kita. Aber dieses Mal gingen die Beschwerden nicht weg. Im Gegenteil. Sie wurden so schlimm, dass Stefanie Schönbach mit ihrer Tochter in die Kindernotfallambulanz im Städtischen Klinikum am Standort Neustadt/Trachau fuhr.

Dort folgten entsprechende Untersuchungen, um eine Diagnose stellen zu können: Ultraschall, Bluttests, Magnetresonanztomograph. Währenddessen ging es Lina immer schlechter. „Sie lag nur noch im Bett und konnte sich gar nicht mehr bewegen. Ich durfte sie auch nicht mehr anfassen. Es war schlimm, ich hätte nicht gedacht, dass die Sache solche Ausmaße annimmt“, so die junge Mutter.

Schließlich bestätigte sich der Verdacht auf Rheuma, beinahe alle Gelenke der Dreijährigen waren entzündet, sie hatte hohes Fieber. Glück im Unglück für Lina: Diagnostik und Behandlung von rheumatischen Erkrankungen haben sich in den vergangenen 15 bis 20 Jahren erheblich verbessert. „Den medizinischen Fortschritt merke ich im täglichen Erleben. Betroffene Familien spiegeln ihre Dankbarkeit wieder. Das ist für mich als Rheumatologe natürlich sehr schön“, sagt Chefarzt Dr. med. Georg Heubner.

Früher wurde die Erkrankung – die im Erwachsenenalter tatsächlich ungleich häufiger vorkommt – eher verwaltet, wie es Dr. Heubner ausdrückt. Häufigste Behandlungsart war die Gabe von Cortison über eine lange Zeit, was mit gravierenden Nebenwirkungen, etwa dem Vollmondgesicht, einherging. „Trotz der hohen Dosen landeten die Betroffenen dennoch zum Teil im Rollstuhl oder bekamen schwere Gelenkdeformierungen“, beschreibt der Rheumatologe.

Das könne man dem Großteil der Patienten heute ersparen und ihnen die Aussicht auf ein beinahe gesundes Leben ermöglichen. Wie wertvoll neue medizinische Errungenschaften sein können, hat Dr. Heubner vor 20 Jahren erlebt. Sein Aha-Erlebnis, wie er sagt. Damals behandelte er einen an Rheuma erkrankten Jungen erstmals mit genetisch hergestellten Medikamenten – den sogenannten Biologika. Diese aus lebenden Zellkulturen gewonnenen Eiweißstoffe greifen in Mechanismen der Krankheitsentstehung ein, indem sie gezielt bestimmte entzündungsfördernde Substanzen des Immunsystems abfangen und ausschalten oder ihre Bindungsstellen besetzen und damit blockieren. Mit deutlichem Erfolg.

Eine Entwicklung, von der jetzt auch Lina profitiert. Nur drei Tage nach der ersten Gabe der Biologika konnte das Mädchen wieder stehen, einen weiteren Tag später auch laufen. „Jetzt ist sie total gut drauf. In die Kita geht sie zwar noch nicht, aber auch das wird sich hoffentlich bald ändern“, ist Stefanie Schönbach zuversichtlich. Alle zwei Wochen wird die Dreijährige mit dem genetisch hergestellten Medikament behandelt, auch Cortison erhält sie zusätzlich. „Diese Therapie werden wir auf unbestimmte Zeit fortsetzen. Das ist unsere Strategie für die nächsten Wochen und Monate und hängt vom weiteren Verlauf ab. Ziel ist aber, die Cortisondosen langsam zurückzufahren, weil eine Langzeitgabe nicht günstig ist“, erklärt Dr. Heubner.

Warum ausgerechnet Lina von einer Rheumaerkrankung betroffen ist, ihre Zwillingsschwester hingegen nicht, bleibt unklar. „Veranlagung spielt eine gewisse Rolle. Aber es gibt auch Umwelteinflüsse, die wir nicht im Einzelnen kennen. Die Ursachen sind nach wie vor nicht gut erforscht“, so der Chefarzt.

Von Christin Grödel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Fit & Gesund Dresden
  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr