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Das Dresdner Schmerzzentrum hilft sehr jungen Migräne-Patienten

Kinder spielen gegen den Schmerz Das Dresdner Schmerzzentrum hilft sehr jungen Migräne-Patienten

Über zwei Drittel aller Dresdner Schüler haben Kopfschmerzen – mindestens einmal im Monat. Davon wiederum die Hälfte hat sogar häufig Kopfschmerzen, hat eine Umfrage unter rund 2500 Kindern und Jugendlichen durch das Universitätsklinikum ergeben. Die Dresdner Mediziner haben darauf reagiert und das Dresdner Kinder-Kopfschmerz-Programm „DreKiP“ entwickelt.

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Dr. Matthias Richter
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Über zwei Drittel aller Dresdner Schüler haben Kopfschmerzen – mindestens einmal im Monat. Davon wiederum die Hälfte hat sogar häufig Kopfschmerzen, hat eine Umfrage unter rund 2500 Kindern und Jugendlichen durch das Universitätsklinikum ergeben. Die Dresdner Mediziner haben darauf reagiert und das Dresdner Kinder-Kopfschmerz-Programm „DreKiP“ entwickelt. Dieses innovative Kopfschmerz-Hilfeprogramm für Kinder wird auch von den Lesern der Dresdner Neuesten Nachrichten im Rahmen der Spendenaktion „Dresdner helfen Dresdnern“ unterstützt. Die Kopfschmerzambulanz im Universitäts-Schmerz-Centrum (USC) ist damit eine der ganz wenigen Einrichtungen in Deutschland, die sich auch auf Kopfschmerz-Kinder spezialisiert hat.

Das Geld von den DNN-Lesern reicht noch für dieses Jahr. Aber bald müssen sich die Mediziner nach einer neuen Finanzierung umschauen, sei es durch die Krankenkassen oder durch Spender. Denn nach Überzeugung der Initiatoren lohnt es sich weiter zu erproben, ob die DreKiP-Konzepte den Kopfschmerz-geplagten jungen Menschen auch langfristig helfen können – und dafür braucht es mehrere Jahre der Erprobung.

Der Bedarf ist groß und die Tendenz: steigend, sagt Dr. Gudrun Goßrau, die Leiterin der Kopfschmerzambulanz. „Die Ursachen sehen wir in hohen schulischen Belastungen, falschem Pausenverhalten und Bewegungsmangel“, sagt sie. Auch gehen die Spezialisten davon aus, dass zusätzliche Kopfschmerz-Auslöser in jüngerer Vergangenheit hinzugekommen sind: exzessive Smartphone- und Tablet-Nutzung zum Beispiel und der Genuss koffeinhaltiger Energy-Drinks.

„Auch sehr junge Kinder haben schon Kopfschmerzen“, sagt Dr. Großau. Mit jeder Klassenstufe steige der Anteil der Schüler, die über Kopfschmerzen berichten: von 43 Prozent bei Erstklässlern bis hin zu teils über 70 Prozent bei den Zwölfklässlern. Das wiederum verstärkt die Vermutung, dass es einen Zusammenhang zwischen Kopfschmerz und Leistungsdruck gibt.

Der Kinderarzt in der Schmerzambulanz, Dr. Matthias Richter, wird da noch etwas deutlicher: „Die Ursachen für den Kopfschmerz der Kinder sind in dem Stress zu suchen, den sich unsere Gesellschaft selber macht“, argumentiert er. Auch die Handymania der Jüngeren sieht er kritisch: „Wenn wir Migräne als Reizüberflutungs-Erkrankung verstehen, dann ist es ganz klar ein Problem, wenn wir stundenlang nur am Smartphone herumspielen.“

Und obgleich die moderne Medizin an genetischen Wurzeln etwa von Migräne (noch) nicht viel ändern kann: Für die jungen Kopfschmerz-Patienten ist schon viel gewonnen, wenn sie ihre persönlichen Trigger (Auslöser) für Migräne-Attacken erkennen und vermeiden beziehungsweise etwas Prophylaxe betreiben. Eben dort setzt das „Dresdner Kinderkopfschmerzprogramm“ (DreKiP) an, das die Uniklinik nun seit etwa einem Jahr erprobt: In gemeinsamen Stunden mit Freunden, Eltern, Therapeuten und Medizinern üben die 25 Probanten im Alter zwischen neun und 18 Jahren, sich abwechselnd zu aktivieren und zu entspannen. Dazu gehören Sport in einer Kletterhalle, Defokussierungs-Übungen, freie Assoziations-Spiele, Muskel-Relaxation und dergleichen mehr. „Was dabei wichtig ist: Es soll Spaß machen“, betont Kinderarzt Richter. „Das ist gerade hier in Sachsen wichtig, wo einem ständig gesagt wird: ,Wir müssen die Besten sein’.“

Ein weiterer Baustein des Programms beruht auf Medikamenten: Für die richtig schlimmen Migräneattacken gibt es zunächst Schmerzmittel wie Ibuprofen. Nur so können einige Kinder überhaupt erst mal aus dem Migräne-Tal herauskommen und wieder am Alltag teilhaben. Wichtig sei es darauf zu achten, die Schmerzmittel nicht zu häufig einzunehmen, betonen die Experten: maximal zehn Tagen im Monat, sonst können die Medikamente selbst Kopfschmerz verursachen.

Nicht zuletzt wollen die Ärzte und Therapeuten den Kindern zeigen, dass Migräne auch guten Seiten hat – so absurd das zunächst klingt. „Migräne zu haben heißt ja auch, dass man mehr Dinge sieht und sie klarer und deutlicher wahrnimmt als viele andere Menschen“, sagt Richter. Es sei daher kaum ein Zufall, dass viele junge Migräne-Patienten eigentlich besonders gute Schüler seien. „Wir müssen ihnen eben klarmachen, dass Migräne auch heißt: Ich sehe mehr als andere.“

Von Heiko Weckbrodt

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