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Fit & Gesund Dresden An 20 von 30 Tagen hat Elisa Migräne – Das DreKiP-Programm hilft ihr
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11:27 27.03.2017
Elisa hatte vor zwei Jahren ihre erste Migräne-Attacke. Von einen Tag auf den anderen nistete sich plötzlich ein Schmied mit einem schweren Hammer in ihren Kopf.  Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

 Die Attacke beginnt oft schon in aller Frühe: Im Kopf niestet sich ein Schmied mit einem schweren Hammer ein. Und er schlägt und schlägt und schlägt – immer auf dieselbe Stelle, immer auf eine Hirnhälfte. Wenn dann die Bilder vor Elisas* Augen verschwimmen, wenn die Übelkeit würgt und jedes Knacken einer Wasserflasche laut wie ein Donner im Kopf dröhnt, weiß die 17-jährige Dresdnerin: Heute ist wieder mal ein schlechter Tag. Ein Migräne-Tag.

„Als ich das erste Mal Migräne bekam, vor zwei Jahren etwa, da dachte ich, mein Kopf explodiert“, erzählt die junge Frau. „Ich hatte stundenlang das Gefühl, mich übergeben zu müssen, konnte aber nicht. Ich wusste anfangs gar nicht, was da mit mir geschah. Aber mir war so schlecht, ich musste raus aus der Schule.“

Mit ihrer Mutter habe sie über das Problem sprechen können, weil die selber Kopfschmerzen nur zu gut kannte. „Andere wie mein Vater haben das dagegen nicht so richtig verstanden“, erzählt Elisa. „Die haben mich schief angeguckt so von wegen: ,Hab Dich mal nicht so wegen ein bisschen Kopfweh!’.“

Es brauchte einige Zeit, bis sie jemanden fand, der ihr helfen konnte. Ein Auslöser für die erste starke Kopfschmerz-Attacke kristallisierte sich aber bald heraus: Kurz zuvor hatte Elisa die Schmerzmittel aus einer Rheuma-Behandlung auf medizinischen Rat hin abgesetzt – und eine Woche später begannen die infernalischen Kopfschmerzen. „Die Rheuma-Ambulanz hat mich dann an die Kopfschmerz-Ambulanz weiter vermittelt. Und dort traf ich auf den ersten Arzt, der mir wirklich zugehört hat.“

Die auf solche schweren Fälle spezialisierten Ärzte im universitären Schmerzzentrum kamen recht zügig zu einer Diagnose: Migräne kombiniert mit Spannungs-Kopfschmerzen. Die Spezialisten verschrieben dem Mädchen erst mal spezielle Schmerzmittel, damit sie wieder aus dem Migräne-Tal herausfand. „Ich versuche nach Möglichkeit, ohne Medikamente auszukommen. Aber manchmal geht es nicht anders. Da nehme ich seitdem ein Triptan-Nasenspray oder Metamizol. Ibuprofen wirkt bei mir schon lange nicht mehr, selbst die 600er Tabletten nicht – wegen des Gewöhnungseffektes.“

Vor allem aber Elisa kam über die Kopfschmerz-Ambulanz in das – von DNN-Lesern mitfinanzierte – neue „Dresdner Kinderkopfschmerzprogramm“ (DreKiP). „Wir hatten dort Gruppentherapien mit Psychologen und verschiedenen Therapeuten“, erzählt die 17-Jährige. „Zum Beispiel haben wir Klettertherapien gemacht und Riechtrainings mit Duftstoffen... Wir konnten da viele Therapien ausprobieren, um zu erkennen, was uns hilft.“

Autogenes Training und das Neuro-Feedback gehörten zu den Übungen, die Elisa dabei unterstützten, die Schmerzen etwas in den Griff zu bekommen. „Bei mir werden Migräne-Attacken bei Stress ausgelöst“, erzählt die junge Frau. „Ich habe mir in einer Übung beispielsweise Pink-Panther-Trickfilme angeschaut. Und wenn das EEG-Gerät gemessen hat, dass ich zuviel Stress aufbaue, stoppte der Film und ging erst weiter, wenn ich mich wieder beruhigt habe. Das soll ein Belohnungssystem im Hirn aktivieren.“ Außerdem legten die Ärzte der Patientin ans Herz, außerhalb der Attacken einen Ausdauersport zu treiben. „Bei mir ist es das Tanzen“, erzählt Elisa.

Sie hofft, dass die Migräne eines Tages einfach weggehen wird – genauso, wie sie vor zwei Jahren von einem Tag auf den anderen zu ihr kam. „Ich bin sehr ehrgeizig“, sagt sie. Programmiererin will sie werden, Informatik studieren. Um aber trotz der Migräne auf gute Zensuren zu kommen, bestehen viele ihrer Tage nur darin, zur Schule zu gehen, bis spät in die Nacht zu büffeln, um dann 10 Uhr abends vor Müdigkeit einzuschlafen. Der Kopfschmerz begleitet sie dabei fast ständig: An 20 von 30 Tagen pro Monat hat sie Migräne – und versucht sich doch jedes Mal wieder aufzuraffen. Ob ihr das Anti-Schmerzprogramm der Uniklinik dabei geholfen hat? „Auf jeden Fall“, sagt sie. „Wenn meine Kopfschmerzen früher auf eine Skala von 1 bis 10 etwa die Stärke 8 hatten, bin ich jetzt bei 4 oder 5. Und ich erschrecke mich nicht mehr, wenn eine Attacke kommt: Ich weiß, was kommt und was ich dagegen tun kann.“

* Name von der Redaktion geändert, persönliche Umstände verfremdet

Von Heiko Weckbrodt

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