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Das machen Kinderzahnärzte anders

Kletterwand bis Zauberwasser Das machen Kinderzahnärzte anders

Beim ersten Zahnarztbesuch brachten früher viele Kinder vor allem eins mit: Angst. Heute gibt es spezielle Kinderzahnarztpraxen, die genau das verhindern wollen. Aber ist es notwendig, zu so einem Spezialisten zu gehen? Oder tut es auch der eigene Zahnarzt?

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Kinderzahnärztin Inke Supantia aus der Praxis KU64 in Berlin erklärt ihren Patienten mit Hilfe eines Stofftiers, wie die Zähne geputzt werden müssen.

Quelle: Petros Prontis/KU64/dpa-tmn

Berlin. Marlene greift beherzt zur Zahnbürste. Akribisch fuhrwerkt die Vierjährige damit bei Krokodil "Kroko" im Maul herum. "Fertig", befindet sie und kontrolliert das Ergebnis mit einem lilafarbenen Zahnarztspiegel.

Ob auch ihre eigenen Zähne so schön sauber seien, möchte Kinderzahnärztin Inke Supantia wissen. Statt zu antworten macht Marlene bereitwillig den Mund auf und präsentiert 20 winzige Zähnchen.

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Alles genau erklären - das ist die Devise für spezialisierte Kinderzahnärzte. So geben sie den Kindern Sicherheit und vermeiden bestenfalls, dass Ängste entstehen.

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Es sind solche Tricks, die aus einem Zahnarzt einen Kinderzahnarzt machen. "Wir begeben uns auf die Ebene des Kindes und nutzen seine Fantasie", sagt Supantia, die in der Berliner Praxis KU64 nur Kinder behandelt. Mit kleinen Geschichten von Karies, Baktus und glitzerndem Kristallwasser bringt sie auch skeptische kleine Menschen dazu, den Mund zu öffnen. Zumindest für den Moment.

Erstmal ist jeder Zahnarzt dazu ausgebildet, auch Kinder zu behandeln, erklärt Karl-Georg Pochhammer, Zahnarzt aus dem Vorstand der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV). Steht der erste Zahnarztbesuch an, muss es also nicht unbedingt ein Spezialist sein.

Wichtig ist, das Kind überhaupt einem Zahnarzt vorzustellen - möglichst, bevor etwas gemacht werden muss. Ein guter Zeitpunkt sei der Durchbruch des ersten Milchzahns, sagt Pochhammer. So lernt das Kind die Abläufe kennen, ohne gleich eine schlechte Erfahrung zu machen.

Marlene etwa bekommt das Prädikat: besonders gut geputzt und ist damit für heute fertig. Anschließend gibt es einen Apfel. Verlassen möchte sie die Praxis nun allerdings keinesfalls. Stattdessen zieht sie die Schuhe aus und klettert die kleine Boulderwand hinauf.

Die Ausstattung ist sicher der augenfälligste Unterschied zwischen einer normalen Praxis und einer, die sich - zumindest unter anderem - auf Kinder spezialisiert hat. "Mit einer kindgerechten Umgebung wird den Kindern auch ein Stück weit Angst genommen", sagt Daniela Hubloher von der Verbraucherzentrale Hessen. Das sei sicherlich sinnvoll - vor allem bei ängstlichen Kindern.

Darauf allein will Inke Supantia ihren Berufsstand aber nicht reduziert sehen. Milchzähne sind anders aufgebaut als die Bleibenden. "Sie haben einen viel dünneren Schmelz, entsprechend schnell kommt man bei der Behandlung am Nerv an", sagt sie. Vor allem für Kinder, die schon Karies haben, sei die Behandlung beim Kinderzahnarzt aus ihrer Sicht daher sinnvoll.

Wie erfolgreich der Besuch beim Zahnarzt ist, hängt aber auch von den Eltern ab. Viele neigen dazu, ihre eigene Angst auf das Kind zu übertragen, ist Supantias Erfahrung. "Der häufigste Fehler: Sätze wie "Wenn du die Zähne nicht putzt, musst du zum Zahnarzt, und das tut dann richtig weh"." Unglücklich seien auch Verneinungen à la: Das tut gar nicht weh. "Bei Kindern bleibt dann nur "wehtun" hängen."

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen den Zahnarztbesuch zur Vorsorge in der Regel zwei Mal pro Jahr. Da die kleinen Zähne weniger Substanz haben, breitet sich Karies im Milchgebiss sehr schnell aus.

Obacht ist geboten, wenn der Kinderzahnarzt Extraleistungen wie zahnfarbene Füllungen oder eine Versiegelung der Milchzähne verkaufen will, sagt Verbraucherschützerin Hubloher. Eltern seien eine dankbare Zielgruppe, schließlich wollen sie für ihr Kind stets nur das Beste. "Skeptisch wäre ich vor allem, wenn man sich für eine Selbstzahlerleistung sofort entscheiden soll." Denn: Alles, was sofort gemacht werden muss und medizinisch notwendig ist, zahlt die Kasse.

dpa

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