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Aktuelles Naschgarten auf dem Balkon
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19:00 10.05.2016
Auf diesem Stadtbalkon gedeihen Blumen, Kräuter und Gemüse. Quelle: Helma Bartholomay
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Dresden

Man muss keinen Garten haben, um selbst Gemüse und Obst anzubauen. Ein Balkon reicht auch. Gartenberaterin Helma Bartholomay bewirtschaftet zwar privat einen Garten, nutzt aber trotzdem auch ihren Balkon, um kleine Gurken, Tomaten und Kräuter zu ziehen und diverse Gemüsepflanzen auszuprobieren. „Da kann man schnell mal naschen oder muss nicht erst in den Garten, um für das Essen die Kräuter zu schneiden“, berichtet sie von ihren Erfahrungen.

Wer wirklich nur Platz für Balkonkästen hat, deren Erdvolumen bekanntlich begrenzt ist, hat trotzdem die Möglichkeit, sich nicht nur mit diversen Kräutern und Salat, sondern auch Erdbeeren, Radieschen, Buschbohnen und Kohlrabi zu versorgen. Ebenso eignen sich für den Kasten sogenannte Balkontomaten. „Dabei handelt es sich um klein bleibende und buschig wachsende Sorten“, erläutert die Gartenberaterin. „Wirsingkohl und rote Beete funktionieren auch, sie werden aber nicht so groß wie die, die im Garten ausgepflanzt sind.“

Wer auf seinem Balkon Kübel – also größere Töpfe – aufstellen kann, für den gibt es natürlich noch viel mehr Möglichkeiten. Denn er kann sogar Stabtomaten und Stangenbohnen ziehen. Mit letzteren hat man einen prima Sichtschutz zum Nachbarn. Weitere Optionen sind Zucchini, Aubergine, Kürbis und Melone.

Auch der Kartoffelanbau im Kübel ist möglich. „Man muss die Kartoffeln im April an einem warmen, hellen Platz vorkeimen. Mitte Mai kann legt man sie dann in den Topf und bedeckt sie mit Erde. Nicht den Topf von vornherein bis obenhin mit Erde füllen“, rät die Gartenexpertin. „Denn dann hat man die Möglichkeit, noch zwei-, dreimal Erde nachzufüllen, wenn die Kartoffeltriebe nach oben wachsen. So bildet die Pflanze mehr Wurzeln und demzufolge mehr Knollen.“

Zucchini gedeiht auch im Kübel. Quelle: Helma Bartholomay

„Zwergobstbäume kann man viele Jahre im Kübel ziehen. Gut geeignet dafür sind nach meiner Erfahrung Sauerkirsche, Apfel, Nektarine und Pfirsich“, so Helma Bartholomay. Auch Beerenobst wächst im Topf prima. Johannisbeerstämmchen zum Beispiel und Heidelbeeren. „Bei letzteren sollte man aber beachten, dass sie 1,50 Meter hoch werden und einen Meter Durchmesser erreichen. Man braucht also schon etwas mehr Platz“, erläutert die Gartenmeisterin.

Inzwischen gibt es allerdings unter der Bezeichnung „Lowberry“ kompakt wachsende Himbeeren und Heidelbeeren und sogar stachellose Brombeeren, die nach Angaben des Schweizer Züchters für die Topfkultur geeignet sind. Auch Ruby Beauty soll eine Zwerghimbeere sein, die maximal einen Meter hoch wächst und die im Rahmen einer neuseeländisch-nordamerikanischen züchterischen Zusammenarbeit entdeckt worden ist, heißt es bei einem anderen namhaften Schweizer Züchter. Man findet aber ebenso bei anderen Versendern und vor allem in den Gartenbaumschulen in der Region für den Anbau auf Balkon und Terrasse geeignete Obstsorten im Angebot. Der Vorteil: Man kann sich beraten lassen und die Pflanzen selbst aussuchen.

„Wichtig ist, beim Kauf der Obstgehölze darauf zu achten, dass es sich tatsächlich um Zwergobstbäume handelt. Nach dem Kauf am besten die Gehölze in einen zwei bis drei fingerbreit größeren Topf umsetzen. Ist der Wurzelballen sehr stark durchwurzelt und verfilzt, wird er vorsichtig mit den Fingern etwas aufgerissen. Das verhindert ein schlechtes Einwachsen durch Ringelwurzelbildung “, rät Gartenmeisterin Bartholomay. Umgetopft wird alle zwei bis drei Jahre.

Für den Laien kurz und verständlich aufbereitete Pflegetipps finden Zwergobstbaumfreunde übrigens auf der Internetseite der Botanischen Sammlungen der TU Dresden in Pirna-Zuschendorf (http://www.kamelienschloss.de/pflegehinweise_obstorangerie.html). Dort gibt es alljährlich sogar eine Ausstellung von „Obstorangerien im Scherben“ (läuft seit 1. Mai bis zum 16. Oktober), wo man sich inspirieren lassen kann.

Anbaukalender

März: Für Balkons gibt es Minigewächshäuser. Dort kann man in Töpfen aus Kohlrabi-, Salat- und Radieschensamen Jungpflanzen anziehen. Ebenso möglich ist eine Aussaat im Balkonkasten, wenn man die Samen mit Kunststoffhütchen schützt. Für das Anziehen von Tomaten aus Samen eignet sich das Balkongewächshaus nur bedingt, denn Tomaten brauchen es zum Keimen warm.Im März könnte man auf dem Balkon ebenso Zwergobstbäume und Beerenobst in einen (größeren) Kübel (um-)pflanzen.

April: Wer sich nicht selbst aus Samen Kohlrabi-, Salat- und Radieschenjungpflanzen gezogen hat, kann sich diese jetzt in der Gärtnerei kaufen und in Kästen bzw. Kübel pflanzen. „Da es immer noch mal empfindlich kalt werden kann, sollte man Schutzabdeckungen parat haben, um bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die zarten Pflänzchen abzudecken und zu schützen“, so Helma Bartholomay. „Je kälter es ist, umso mehr verlangsamt sich das Wachstum. Bei großen Temperaturunterschieden am Tag und in der Nacht schwitzen die Pflanzen unter der Folieabdeckung bzw. im Balkongewächshaus. Da ist regelmäßiges Lüften angesagt.“ Der April bietet sich auch an, um die ersten einjährige Kräuter auszusäen. „Basilikum ist aber erst im Mai an der Reihe. Wenn Frost kommt, ist er futsch“, so Bartholomay. Wer auf der Fensterbank im warmen Zimmer aus Samen Tomatenpflanzen gezogen hat, könnte diese bei günstiger Witterung schon ab Mitte April ins Balkongewächshaus stellen, wenn die Temperatur nicht unter acht Grad fällt. Der April ist ebenso eine gute Zeit, Erdbeeren in Kästen und Kübel zu setzen.

Mai: Nach den Eisheiligen ist Pflanzzeit für Tomaten, Gurken, Zucchini, Aubergine, Kürbis, Melone, Paprika, Andenbeeren Chili, Bohnen, Kartoffeln usw. Möglich ist vieles. Grenzen setzen die mögliche Lichtbedingungen,Kübelgröße und das Wachstum der auserwählten Pflanzenarten.

In den Sommermonaten bietet es sich an, Kohlrabi-, Radieschen- und Salat nachzuziehen. „Es gibt Sorten, die trotz sommerlicher Temperaturen nicht ins Kraut schießen und Blüten bilden“, weiß die Gartenberaterin.

Von Catrin Steinbach

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