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Finanznews Der Handel setzt auf Gastronomie
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16:03 18.05.2018
Der Koch Tristan Brandt zeigt in seinem Restaurant Opus V ein zubereitetes Stubenküken. Quelle: Uli Deck
Düsseldorf/Mannheim/Stuttgart

Eine Champagnerbar mit 120

Sorten Schaumwein im Supermarkt, Sterneköche im halben Dutzend im

Modehaus und natürlich Köttbullar beim Möbelkauf: Im Kampf gegen die

wachsende Online-Konkurrenz setzt der Einzelhandel immer stärker auf

Essen und Trinken als Lockmittel.

"Die Gastronomie im Handel und in dessen Umfeld nimmt an Fahrt auf", beobachtet das Kölner Handelsforschungsinstitut EHI in einer Branchenstudie. Besonders experimentierfreudig ist dabei zurzeit der durch Online-Konkurrenten wie Amazon oder Zalando besonders in

Mitleidenschaft gezogene Modehandel. Einer der Vorreiter ist das

Mannheimer Modehaus Engelhorn. Es beherbergt unter seinem Dach neben

einer Champagnerbar und diversen Restaurants den Gourmet-Tempel "

Opus V", der inzwischen mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet ist.

Doch auch die Konkurrenz schläft nicht. Der Rivale

Breuninger lockte Ende April gleich mit sechs Sterneköchen, die in seinem Stuttgarter Flagship-Store für rund 1000 Kunden kochten. Ganz vorbei geht der Gastronomie-Trend selbst an H&M nicht. Auch die skandinavische Modekette hat in den Filialen ihrer Premiummarke

Arket in Berlin und München inzwischen ganz selbstverständlich ein Café integriert, dass mit seinen vegetarischen und veganen Essensangeboten "die Reinheit, Frische und Einfachheit" widerspiegeln soll, die allgemein mit Skandinavien assoziiert werde. Für das Fachblatt "Textilwirtschaft" steht fest: "Essen ist in Mode."

Handelsexperten halten die Gastro-Strategie durchaus für

vielversprechend. Schließlich lässt sich ein solcher

"Erlebniseinkauf" im Internet kaum kopieren. Auch in den großen

Shopping-Centern spielen Restaurants und Cafés deshalb eine immer

wichtigere Rolle. Belegten gastronomische Angebote noch vor einigen

Jahren gerade einmal sechs Prozent der Verkaufsfläche, so hat sich

diese Zahl mittlerweile der EHI-Studie zufolge "in vielen

Shoppingmalls mindestens verdoppelt". Zum Teile liege der

Gastro-Anteil sogar bereits bei knapp 15 Prozent.

Der Shopping-Center-Betreiber

ECE betont, ein gutes

Gastronomieangebot trage heute dazu bei, die Verweildauer und die

Aufenthaltsqualität in den Einkaufszentren zu erhöhen. Etwa 60

Prozent der Besucher nutzten die Gastronomie bei ihrem Besuch. Rund

40 Prozent wählten das Shopping-Center sogar nach dem Essensangebot

aus. In den vergangenen Jahren hat ECE daher den Gastronomieanteil

nach eigenen Angaben signifikant ausgebaut.

Auch der Lebensmittelhandel ergänzt sein Angebot immer öfter durch

gastronomische Angebote. Das reicht vom - eher bescheidenen -

Kaffeeautomaten in den modernisierten Filialen des Discounters Aldi

bis zur Champagnerbar mit 120 verschiedenen Sorten und einem riesigen

vegetarischen Restaurant in der neuen Filiale von Edeka Zurheide in

der Nähe der Düsseldorfer Königsallee. Selbst im Buchhandel finden

sich laut EHI zwischen den Regalen immer öfter Cafés und sogar kleine

Restaurants, die zum Verweilen einladen.

Andere Sparten wie Möbel- oder Warenhäuser haben die Gastronomie

schon vor Jahrzehnten für sich entdeckt - allen voran Ikea. Die

skandinavische Möbelkette macht nicht nur Milliardenumsätze mit

Billy-Regalen und Poäng-Sesseln. Sie gehört dank Köttbullar und Co.

nach Angaben des Branchenverbands Dehoga auch zu den zehn größten

Systemgastronomen in Deutschland und macht mit Essensangeboten mehr

Umsatz als Ketten wie Vapiano oder Starbucks.

Ein Ende der Gastronomie-Begeisterung im Handel ist nicht in Sicht,

glaubt das EHI. Denn: "Das Miteinander von Gastronomie und Handel

emotionalisiert das Einkaufserlebnis und erhöht im Idealfall auch die

Attraktivität, die Aufenthaltsqualität und die Verweildauer."

dpa

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