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04:56 03.10.2018
Jürgen Kurz ist Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Quelle: DSW
Düsseldorf

In Zeiten der Digitalisierung sollen Robo Advisor bei der Kapitalanlage helfen. Robo Advisor heißt übersetzt Roboterberatung. Dahinter stecken Computerprogramme - sie sollen ein passendes Portfolio zusammenstellen oder eine optimale Anlagestrategie vorschlagen.

Für wen kommen Robo Advisor in Frage?

"Die Vermögensverwaltung per Robo eignet sich für Anleger, die sich mit Fonds auskennen", sagt Karin Baur, Geldanlage-Expertin bei Finanztest. "Sie sollten einschätzen können, ob das vorgeschlagene Portfolio zu ihren Wünschen und Risikovorstellungen passt."

Eine ausreichende Anlagedauer sei zudem wichtig: "Voraussetzung ist ein Anlagehorizont von mehreren Jahren und die Bereitschaft, Wertschwankungen zu tragen", erklärt Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Man sollte mit dem Geld in den kommenden drei bis fünf Jahren nicht planen, rät Baur.

Welche Angebote gibt es?

Auf dem Markt gibt es Programme, die lediglich Anlagevorschläge machen. Diese Vorschläge müssen Anleger dann selbst umsetzen. "Als Grundlage der Investitionsentscheidungen werden hier im Vorfeld meist im Rahmen eines Online-Fragebogens Vermögenssituation, Risikobereitschaft und Anlageziele abgeklopft", erklärt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Es gibt aber auch Angebote, bei denen der Robo zusätzlich das Anlegen übernimmt. Investiert werde dann meist in kostengünstige ETFs. Die englische Abkürzung steht für Exchange Traded Funds - dabei handelt es sich um passiv gemanagte Indexfonds, die beispielsweise den Dax nachbauen. Sie werden wie Aktien an der Börse gehandelt.

Was sind die Vor- und Nachteile der Robo Advisoren?

Aus Sicht der Experten haben Robo Advisoren vor allem zwei Vorteile: die niedrigen Kosten und die Unabhängigkeit des digitalen Anlageberaters. "Die herkömmliche Anlageberatung bei Banken ist auch heute noch häufig provisionsgetrieben", sagt Kurz. Kunden bekämen deshalb zwar nicht zwingend schlechte Anlageprodukte. "Aber neben dem Kundeninteresse kann eben auch das Verdienstinteresse der Bank eine Rolle bei der Auswahl spielen", gibt Kurz zu bedenken.

Das sei bei Robos anders, werben die Anbieter. Der Computer gibt seine Empfehlungen aufgrund der Algorithmen ab, mit denen er programmiert wurde. Doch Nauhauser gibt zu bedenken: "Für Anleger ist die Empfehlung der Robo Advisors ebenso wenig nachvollziehbar wie die einer herkömmlichen Beratung."

Kosten im Blick halten

Bei der Suche nach Anbietern ist es wichtig, auf die Kosten zu achten. Denn die sind keineswegs immer so niedrig, wie die Anbieter versprechen. "Je höher die Kosten sind, desto niedriger sind im Schnitt die Ertragserwartungen", sagt Baur. Im Wesentlichen setzen sie sich aus den Kosten für die Vermögensverwaltung und für die Fonds zusammen. Hinzu kämen noch die Kosten für den Robo an sich. Laut einer Finanztest-Untersuchung im Juli lagen die Kosten zwischen 0,6 und fast 2 Prozent der Anlagesumme.

Auf Richtigkeit der Angaben achten

Wer sein Wertpapierportfolio selbst zusammenstellt, kann zusätzlich die jährlichen Verwaltungskosten für den Robo sparen, sagt Nauhauser. Er empfiehlt eine passive Strategie zu wählen, die auf Buy and hold setzt - also kaufen und halten. Denn da werden die Transaktionskosten niedrig gehalten. Wichtig sei laut Baur zudem, die Eingangsfragen ehrlich und sorgfältig zu beantworten. "Aus ungenauen oder falschen Angaben kann der Robo keinen passenden Vorschlag machen."

Wer sich den Aufwand sparen möchte, ein Portfolio zusammenzustellen, sollte darauf achten, dass das Angebot des Robos seriös ist und die eigenen Bedürfnisse und finanziellen Fähigkeiten berücksichtigt, rät Prof. Marc Oliver Rieger von der Universität Trier. "Außerdem sollte es am Ende möglichst einfache und preiswerte Finanzprodukte anbieten, denn das ist ja die Kernidee von Robo Advisoren."

dpa

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