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12:17 11.07.2018
Sabine Baierl-Johna ist Versicherungsexpertin bei der Stiftung Warentest. Quelle: Anke Jacob/Stiftung Warentest
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Stuttgart

Wer Pflege im Alter braucht, bekommt sie. Die Frage ist jedoch, wer dafür zahlt. "Die gesetzliche Pflegeversicherung ist eine Teilkaskoabsicherung", urteilt Peter Grieble, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart.

"Mit der, so ist die Konzeption, wird es in aller Regel nicht reichen", sagt der Versicherungsexperte. Hier kann eine Pflegezusatzversicherung helfen. Wichtige Fragen und Antworten: 

Wo können Versorgungslücken entstehen?

Eine Versorgung im Pflegeheim kann an die 5000 Euro im Monat kosten. "Bei Pflegegrad fünf gibt es von der gesetzlichen Pflegeversicherung knapp 2000 Euro", weiß Peter Grieble. "Das heißt, wir hätten um die 3000 Euro Deckungssumme im Monat."

Doch auch in der ambulanten Pflege kann es knapp werden. Die Stiftung Warentest hat sich die Situation 2017 angesehen: Damals befanden sich 85 Prozent der ambulant Pflegebedürftigen in den unteren drei Pflegegraden. Wer nicht auf die Hilfe von Angehörigen oder Nachbarn zurückgreifen kann, sondern sich durch Profis versorgen lässt, muss größere Beträge ausgeben.

"Wenn jemand professionell zu Hause gepflegt werden muss, können im Pflegegrad zwei 500 und im Pflegegrad drei schon über 1000 Euro mehr benötigt werden, als die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt", sagt Sabine Baierl-Johna von der Stiftung Warentest.

Wie kann man sich zusätzlich versichern?

Es gibt verschiedene Varianten: Beim Pflegetagegeld erhalten Versicherte je nach Pflegegrad Geld, über das sie frei verfügen können. Bei einer Pflegekostenversicherung werden nachgewiesene Kosten bei häuslicher oder stationärer Pflege zum Teil erstattet.

Eine Pflegerentenversicherung wiederum wird von Lebensversicherern angeboten. Hier wird eine nach Pflegegraden gestaffelte vereinbarte Rente fällig, unabhängig von tatsächlichen Kosten.

Und es gibt die staatlich geförderte private Pflegevorsorge. Der Vorteil: Versicherer dürfen Kunden nicht wegen Vorerkrankungen ablehnen. Der Nachteil aus Sicht der Stiftung Warentest: Die Versorgungslücke wird mit diesem Tarif oft nicht gedeckt.

Welche Variante ist also sinnvoll?

Letztlich hängt das stark von der individuellen Situation ab. Experten raten aber am ehesten zu einer Pflegetagegeldversicherung. Hier steht das Geld frei zur Verfügung, zum Beispiel auch für Laienpflege. Baierl-Johna weist allerdings darauf hin: "Man muss sich im Klaren sein, dass man diese Versicherung gegebenenfalls bis an sein Lebensende zahlen muss. Man kann nicht pausieren und aussetzen. Wenn man kündigt oder Beiträge nicht mehr bezahlen kann, ist alles, was man bisher eingezahlt hat, weg."

Wann sollte man so einen Vertrag abschließen?

Je früher, desto geringer sind die monatlichen Beitragszahlungen. "Aber wenn man jünger ist, hat man vielleicht Familie und Kinder, muss sich gegen Berufsunfähigkeit absichern oder möchte eine Altersvorsorge aufbauen", vermutet Baierl-Johna. "Wenn man aber im zu hohen Alter abschließt, sind die Beiträge hoch und es besteht das Risiko, dass man die Versicherung gar nicht mehr bekommt, denn die privaten Krankenversicherer stellen natürlich Gesundheitsfragen. Leute mit Vorerkrankungen wie Arthrose, Rheuma, Bluthochdruck oder Diabetes werden häufig schon abgelehnt."

Worauf muss man bei Vertragsabschluss achten?

"Es kommt nicht auf den günstigsten Beitrag, sondern auf den besten Leistungsumfang an", sagt Bianca Boss vom

Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg. Zu individuell passenden Leistungen rät auch Peter Grieble: "Die ganz entscheidende Frage ist: Wie hoch soll die finanzielle Absicherung überhaupt sein?" Hier gehören Renten- und Vermögenssituation auf den Prüfstand.

Wichtig sind Fragen nach einer möglichen Dynamik, Beitragsfreiheit im Leistungsfall oder weltweitem Versicherungsschutz. "Dinge wie Karenz- und Wartezeiten sollte man sich ansehen", meint Grieble. "Gute Tarife haben als Standard keine Wartezeiten." Wer nur vereinzelte Pflegegrade absichert, kann Beiträge sparen, erklärt Baierl-Johna.

dpa

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