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10:49 07.09.2018
Sebastian Stricker, Gründer des Start-up-Unternehmens Share Foods GmbH, mit einer Flasche Share-Mineralwasser. Quelle: Soeren Stache
Düsseldorf

Egal ob Mineralwasser oder Eistee, Müsliriegel oder Seife im Korb landen: Wer will, kann heute schon beim Einkaufsbummel Gutes tun.

In immer mehr Supermärkten und Drogeriegeschäften finden die Verbraucher neben den klassischen Markenartikeln und Eigenmarken des Handels auch soziale Produkte von Marken wie Share, Lemonaid oder Charitea, bei denen die Hilfe für Menschen in Not sozusagen fester Bestandteil des Produkts ist. "Sie kaufen ein gutes Gewissen mit und signalisieren: Ich bin ein guter Mensch", beschreibt der Handelsexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU den Reiz solcher Produkte.

Beispiel

Share: Seit etwa einem halben Jahr verkauft das Berliner Start-up bei Rewe und dm Mineralwasser, Flüssigseife und Nussriegel. Fast fünf Millionen Produkte wurden seitdem nach Angaben von Gründer Sebastian Stricker abgesetzt. "Das Prinzip ist einfach: Für jedes verkaufte Produkt der Marke Share wird einem Menschen in Not mit einem gleichwertigen Produkt oder Service geholfen", beschreibt Stricker die Grundidee.

So haben Stricker zufolge die Einnahmen bereits den Bau von 23 Brunnen in Ländern wie Liberia, dem Senegal und Kambodscha finanziert. Außerdem wurden mehr als 300.000 Seifen und mehr als 1,2 Millionen Mahlzeiten verteilt. Dabei gingen die Lebensmittelhilfen sowohl an die Berliner Tafel als auch an Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch und andere Bedürftige in der Dritten Welt. Dennoch hat man das Gefühl, dass der Gründer mit dem Erreichten noch nicht wirklich zufrieden ist: "Es ist mehr, als man erwarten durfte, aber wir bauen noch nicht jeden Tag einen Brunnen."

Der Geschäftsführer der größten deutschen Drogeriemarktkette dm zeigte sich schon bei der Markteinführung überzeugt von der Zukunftsfähigkeit des Konzepts: "Wir glauben, dass diese Produkte den Zeitgeist treffen. Vor allem junge Kunden konsumieren sehr bewusst und berücksichtigen bei ihrer Kaufentscheidung sehr genau, welche Werte ein Unternehmen vertritt."

Doch ist Share beileibe nicht das einzige im Handel erhältliche Produkt, das Konsum und gutes Gewissen verbindet. Auch die von drei Hamburger Freunden schon vor etlichen Jahren gegründeten Limonaden- und Eisteemarken

Lemonaid und

Charitea setzten auf das "Trinken-hilft-Prinzip". Jede Flasche leiste einen kleinen Beitrag zu einer besseren Welt, versprechen die Anbieter.

Sie setzen bei der Produktion ausschließlich auf Bio-Rohstoffe von Fairtrade-Plantagen. Pro verkaufter Flasche gehen außerdem 5 Cent an einen gemeinnützigen Verein, der damit Entwicklungshilfeprojekte fördert. Bislang seien damit mehr als drei Millionen Euro für Sozialprojekte in den Anbauregionen gesammelt worden, berichtet Lemonaid. Ein Rewe-Sprecher sieht die Marken durchaus auf Erfolgskurs. "Es sind natürlich Nischenprodukte. Aber für Nischenprodukte laufen sie sehr gut - auch durch den sozialen Aspekt im Hintergrund."

Heimatverbundener zeigen sich die Macher hinter der Biermarke

Quartiermeister, die inzwischen von Berlin ausgehend auch in den Regionen um Leipzig, Dresden und München Fuß gefasst hat. Für sie gilt der Grundsatz: "Wir wirtschaften nicht, um reich zu werden, sondern um unsere Nachbarschaft zu bereichern." Die Gewinne fließen deshalb in lokale Initiativen von der Selbsthilfewerkstatt Rückenwind in Berlin bis zu den Schnibbelpartys in München, mit denen Lebensmittelverschwendung bekämpft werden soll. Insgesamt seien bereits mehr als 100.000 Euro an mehr als 100 Projekte in Berlin, Dresden, Leipzig und München ausgeschüttet worden, heißt es bei Quartiermeister.

Nach Einschätzung von Branchenkenner Fassnacht stehen die Chancen für den Erfolg derartiger sozialer Produkte auch in Zukunft gut. Zwar werde kaum eine dieser Waren zum echten Massenprodukt werden. Doch gebe es eine wachsende Nische für solche Produkte. "Der gesellschaftliche Nutzen ist heute für viele Kunden ein deutlich wichtigeres Kriterium bei der Kaufentscheidung als noch vor zehn Jahren", meint er. "Wir wollen uns beim Konsum wohlfühlen."

dpa

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