Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Familie Netzwerk will den Geschwistern psychisch Kranker helfen
Mehr Familie Netzwerk will den Geschwistern psychisch Kranker helfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:45 09.11.2018
Der neue Verein will die Geschwister psychisch erkrankter Menschen unterstützen. Oft sind auch sie großen Belastungen ausgesetzt. Quelle: Nicolas Armer
Kassel

Ein neues überregionales Netzwerk will Geschwistern psychisch erkrankter Menschen helfen. Die Betroffenen müssten mit vielen Widersprüchen klarkommen, empfänden gleichzeitig Wut, Trauer und Zuneigung gegenüber dem kranken Geschwisterkind.

Das erklärte Gründungsmitglied Reinhard Peukert vor einem so genannten

Geschwistertreffen in Kassel. Die Geschwister fühlten sich oft schwach, müssten aber stark sein, weil die Aufmerksamkeit der Eltern dem kranken Bruder oder der kranken Schwester gelte. Daher gebe es einen großen Anteil von Geschwistern, die selbst Störungen entwickelten. Bisherige Hilfsangebote richteten sich eher an die Eltern psychischer Kranker.

Peukert ist emeritierter Professor für Sozial- und Gemeindepsychiatrie sowie selbst Betroffener. In Kassel will sich das "Netzwerk von Geschwistern psychisch erkrankter Menschen" am 10. November beim Landeswohlfahrtsverband treffen und einen Verein gründen. Der soll Betroffenengruppen unterstützen, Fördergeld generieren und wissenschaftliche Begleitung ermöglichen. Laut Peukert wird die Zahl der Geschwister psychisch Kranker in Deutschland auf zwei Millionen geschätzt.

Welcher Belastung die Geschwister ausgesetzt sein können, schildert eine 48-jährige Betroffene aus Kassel. Sie wuchs mit einem Bruder auf, der eine schwere und chronische Schizophrenie hat. "Die Aufmerksamkeit der Eltern richtet sich auf das kranke Geschwister. Gleichzeitig entsteht die Erwartung an das gesunde, dass es besser läuft", sagt sie. Je früher die daraus resultierende Belastung des gesunden Kindes beginne und desto länger sie dauere, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass Betroffene eigene Probleme wie zum Beispiel Angststörungen oder Traumafolgestörungen entwickelten.

Die Sorgen um den kranken Bruder belasten die 48-Jährige bis heute: Er nehme keine Medikamente, lebe auf der Straße, stehe manchmal bei der Mutter vor der Tür. Die Möglichkeit des Austauschs mit anderen Betroffenen habe sie 30 Jahre nicht gehabt. Es gebe bundesweit nur wenige Selbsthilfegruppen. Das neue Netzwerk, so ihre Hoffnung, werde das ändern.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Herbst bietet Großeltern viele Möglichkeiten, mit ihren Enkeln kreativ zu werden. Buntes Laub, Kastanien, Moose, Rinde und Tannennadeln können zum Basteln verwendet werden. So werden auch dunkle Tage zu einem Erlebnis.

09.11.2018

Kinder können mit Worten treffen. Besonders Patchworkfamilien bieten da viel Angriffsfläche für Streit. Ein Experte gibt Tipps, wie man mit dem liebgewonnen Nachwuchs des Partners am besten auskommt.

09.11.2018

Darf sich das Unternehmen Parship als Deutschlands größte Online-Partnervermittlung bezeichnen? Die Konkurrenz von LoveScout24 und das Oberlandesgericht München sind sich in der Antwort auf diese Frage einig.

08.11.2018