Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Familie Jugendhilfe: Mehr als jeder vierte Minderjährige ausgegrenzt
Mehr Familie Jugendhilfe: Mehr als jeder vierte Minderjährige ausgegrenzt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:45 20.03.2017
Viele Minderjährige sind laut Jugendhilfe sozial ausgegrenzt und von Armut bedroht. Vor allem Flüchtlingskinder haben es schwer in Deutschland. Quelle: Christian Charisius/dpa
Anzeige
Berlin

Mehr als jeder vierte Minderjährige in Deutschland ist laut der Kinder- und Jugendhilfe sozial ausgegrenzt oder von Armut bedroht. "Startchancen in das Leben werden nach wie vor vererbt", sagte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe, Karin Böllert.

Insgesamt 3,7 Millionen

Kinder und Jugendliche gehörten zu den Verlierern ihrer Generation - das sind 28 Prozent. Allein 19 Prozent aller jungen Menschen seien von Armut bedroht. Jeder Zehnte wachse in einem Elternhaus auf, in dem weder Vater noch Mutter erwerbstätig seien. 11 Prozent wüchsen in Familien auf, in denen weder Vater noch Mutter eine abgeschlossene Berufsausbildung hätten.

Böllert betonte aber auch, dass viele junge Menschen gute Startchancen hätten - Tendenz steigend. So nehme das

Bildungsniveauzu. 41 Prozent der Schüler machten Abitur. Mit 2,8 Millionen Studenten sei deren Zahl laut Statistischem Bundesamt gegenüber 2010 um 27 Prozent gestiegen. Böllert begrüßte, dass hunderttausende junge Menschen etwa zum Studieren ins europäische Ausland gingen. "Bildung wird europäisch." Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss sei auf zuletzt 5,7 Prozent gesunken.  

"Bildungserfolg hängt immer noch maßgeblich vom Elternhaus ab", kritisierte Böllert. So gingen Unter-3-Jährige aus Familien mit Migrationshintergrund und aus Elternhäusern mit niedrigen Schulabschlüssen weniger oft in die Kita als andere. Insgesamt besuche jedes dritte Kind unter drei Jahren eine Kita. Bei den Kindern über drei Jahren seien es 95 Prozent. 

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe forderte Kita-Plätze für alle kleinen Flüchtlingskinder: "Die Kitas sind Türöffner in die Gesellschaft." Insgesamt gebe es 120 000 Flüchtlingskinder unter sechs Jahren in Deutschland, sagte Böllert unter Berufung auf Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. "Viele Flüchtlingskinder wissen gar nicht, dass es Kitas gibt", sagte sie. Dabei falle die Integration dort besonders leicht, auch das Lernen der deutschen Sprache.

Böllert forderte eine Reform des Kindergelds. Kinder aus Elternhäusern mit niedrigem Einkommen müssten besser gefördert werden. Stark machen will sich die Arbeitsgemeinschaft für kleinere Gruppen in den Kitas und mehr Kita-Personal, kündigte Böllert an. Enttäuscht zeigten sich die Kinder- und Jugendhelfer von den Ganztagsschulen. Sie könnten das starke Niveaugefälle zwischen den Schülern oft nicht ausgleichen. "Beim Ziel, Kindern hier gleiche Startchancen zu geben, ist die Ganztagsschule gescheitert."

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe ist ein Netzwerk bundeszentraler Organisationen und Institutionen der freien und öffentlichen Jugendhilfe. Sie richtet den 

Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag aus, zu dem vom 28. bis 30. März in Düsseldorf mehr als 30 000 Besucher erwartet werden.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Fast jeder hat mal Ärger mit seinen Mitschülern. Doch wie groß ist der eigene Anteil daran? Sind Eltern mit dem Fehlverhalten ihres Kindes konfrontiert, sind sie oft ratlos. Am besten ist es, wenn sie zuerst ihr Kind zu Wort kommen lassen.

20.03.2017

Fast jeder siebte Bundesbürger ist als Kind sexuell missbraucht worden. Das geht aus einer neuen wissenschaftlichen Studie hervor. Wer dies später zur Anzeige bringen möchte, sollte die Verjährungsfrist bedenken.

16.03.2017

Traurige Bilanz: Die DLRG verzeichnete 2016 einen Rekord an tödlichen Wasserunfällen. Vizepräsident Achim Haag sieht den Staat in der Pflicht. Flüsse und Seen müssten besser gesichert werden, fordert er. An Nord- und Ostsee funktioniere dieses Konzept.

16.03.2017
Anzeige