Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Familie Hilfe für Suizidgefährdete: Wieder einen Weg erkennen können
Mehr Familie Hilfe für Suizidgefährdete: Wieder einen Weg erkennen können
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:48 13.09.2016
Wenn sich Menschen zurückziehen, ihre Art zu reden und zu leben oder auch ihre Werte plötzlich verändern, kann das für Angehörige ein Hinweis auf eine tiefe Lebenskrise des Betroffenen sein. Quelle: Jens Kalaene
Anzeige
Münster

Mehr als 10 000 Menschen nehmen sich jährlich in Deutschland das Leben. Dabei kann man Betroffenen eigentlich gut helfen, sagt Willi Riemer von der Krisenhilfe Münster im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Frage: Was bewegt einen Menschen dazu, nicht mehr Leben zu wollen?

Antwort: "Ich will nicht mehr leben" bedeutet eigentlich: Ich will so nicht mehr leben. Es sind in der Regel komplexe Themen, die uns Menschen in tiefe Krisen stürzen. Wenn zum Beispiel jemand seinen Job verliert, bedeutet das nicht nur den Verlust des Arbeitsplatzes, sondern auch den Verlust von finanzieller Sicherheit und sozialer Anerkennung. Der Betroffene sieht in seinem Leben keine Perspektive mehr. Ein Beispiel ist Griechenland. Früher hat es dort verschwindend wenige Suizide gegeben. Aber als Griechenland in die Krise gekommen ist, sind die Zahlen sprunghaft angestiegen.

Frage: Woran können Freunde und Familienmitglieder merken, dass jemand suizidgefährdet ist?

Antwort: Die Angehörigen fallen oft aus allen Wolken und sagen: Oh Gott, ich habe ja gar nichts gemerkt. Können sie auch nicht. Wenn der Entschluss wirklich gefallen ist, sind suizidgefährdete Menschen ganz ruhig, und das Umfeld bekommt nichts mit. Aber Signale können zum Beispiel sein, dass Menschen ihre Art der Kommunikation und ihre Art zu leben oder auch ihre Werte plötzlich verändern. Rückzug kann ein Hinweis sein oder auch das Regeln von Hab und Gut. Der Betroffene verschenkt dann Sachen, die ihm viel bedeutet haben. Manchmal fallen Bemerkungen, die auf den Suizid hinweisen, aber in dem Kontext nicht verstanden werden.

Frage: Was hilft suizidgefährdeten Menschen?

Antwort: Sie müssen wieder einen Weg für sich erkennen. Das, was sich den Menschen als großes Chaos darstellt, in dem es keine Perspektive gibt, kann im gemeinsamen Gespräch sortiert werden. Durch das Differenzieren wird sichtbar, welche Problembereiche es gibt. "Welcher Schuh drückt am meisten?", ist eine wichtige Frage. Durch das Sortieren wird der Druck insgesamt schon reduziert. Der Berg kann sprichwörtlich nur Stein für Stein abgetragen werden.

ZUR PERSON: Willi Riemer hat bei der

Krisenhilfe Münster 15 Jahre lang selbst Betroffene und Angehörige begleitet. Der 67-jährige ehemalige Pastoralreferent arbeitet intensiv mit Trauernden und berät ehrenamtlich Menschen in Lebenskrisen.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Alt und einsam, davor haben die meisten Menschen Angst. Für viele Senioren ist das leider traurige Realität. Die Wartezimmer in Arztpraxen sind mehrheitlich von älteren Menschen besetzt, doch das hat ganz andere Gründe.

13.09.2016

Schnell einen Kaffee im Stehen herunter gekippt - wenn Eltern sich so verhalten, ist klar, dass kleine Frühstücksmuffel nicht unbedingt zu Müsli mit Obst greifen. Ein entspanntes gemeinsames Frühstück ist daher besonders für Schulkinder hilfreich.

13.09.2016

Das neue Schuljahr hat für viele schon begonnen, die Eltern mancher ABC-Schützen kaufen aber erst jetzt einen Schulranzen. Doch wie schwer darf er sein, ohne den Rücken des Schülers zu überlasten?

08.09.2016
Anzeige