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Familie Bremer Briefträger sollen Senioren unterstützen
Mehr Familie Bremer Briefträger sollen Senioren unterstützen
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10:35 09.04.2018
In Bremen verteilen Briefträger der Deutschen Post künftig nicht nur die Post, sondern übernehmen auch Hilfsdienste für Senioren. Quelle: Arne Dedert
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Bremen

Die Post will Bremer Senioren helfen, länger in ihren eigenen vier Wänden zu leben. Dazu sollen Briefträger Rentnern künftig nicht nur Briefe zustellen.

Sie sollen in den kommenden Monaten auch regelmäßig bei ihnen klingeln, fragen, ob es ihnen gut geht, Bargeld vorbeibringen und sie über

Hilfsdienste der Wohlfahrtsverbände informieren. Die neuen Dienstleistungen, für die die Post mit den Johannitern kooperiert, sind Teil eines bundesweiten Pilotprojekts für gebrechliche ältere Leute.

Initiiert hat das Projekt "Herbsthelfer" die Stadt Bremen. Zunächst hat sie einen Wissenschaftler beauftragt, mit Senioren zu sprechen, um herauszufinden, was diese brauchen. Dann hat sie neben der Post auch die Johanniter, die Sparkasse, vier Wohlfahrtsverbände mit mehr als 4000 Helfern und die Krankenkasse AOK angefragt, um die passenden Dienstleistungen anzubieten.

Der Start des Post- und Johanniter-Services, "Post Persönlich", ist für Mitte Mai vorgesehen. Gegen eine noch unbestimmte Gebühr sollen Briefträger alle paar Tage kurz mit den Rentnern sprechen und dann eine beruhigende SMS an Angehörige senden oder im Notfall die Johanniter-Sanitäter rufen.

Die Post, die wegen des schwindenden Briefgeschäfts ständig nach neuen Einnahmequellen sucht, hat bereits 2014 ein ähnliches Projekt im Ruhrgebiet durchgeführt. Wegen geringen Kundeninteresses hat der Konzern es nach mehreren Monaten wieder eingestellt. Damals habe die Kommunikation zwischen Postboten und der Johanniter-Notrufzentrale nicht richtig funktioniert, sagt der wissenschaftliche Leiter des Modellprojekts, Herbert Kubicek, vom Bremer Institut für Informationsmanagement. Dies sei jetzt anders.

Bei ihren Besuchen sollen die Postboten bald auch über die Dienstleistungen von rund 4000 Helfern von Wohlfahrtsvereinen in der Hansestadt informieren. Für sieben bis acht Euro pro Stunde putzen diese etwa die Wohnung, waschen Wäsche, kochen Essen oder spielen mit den Rentnern. "Viele wissen gar nicht, dass es neben Pflegediensten ein solches Hilfsangebot gibt", sagt Kubicek. Die Krankenkasse AOK sehe dadurch eine Möglichkeit, Pflegekosten zu sparen und unterstützt die Wohlfahrtsvereine mit 80 000 Euro. Die Briefträger sollen auch bei jüngeren Menschen klingeln, um sie als weitere Helfer anzuwerben.

Die Post trainiert ihre Mitarbeiter bald, damit sie die neuen Aufgaben während ihren gewöhnlichen Rundgängen machen können. Neue Mitarbeiter stelle sie nicht ein, sagte eine Sprecherin.

Die Post und die Sparkasse bieten voraussichtlich ab Juli einen kostenpflichtigen Bargeldlieferservice in Bremen an. Kunden sollen dann bis zu 500 Euro per Telefon bestellen können, die ein Briefträger einmal pro Woche nach Hause bringt. Ebenfalls ab Juli können sich Rentner auch beim Bürgertelefon (115) kostenlos Behördenformulare an die Haustür bestellen, etwa, um die Hundesteuer zu bezahlen. Die Sprecherin der Finanzsenatorin, die das Pilotprojekt koordiniert, sagt: "Wir möchten unseren Service für Leute verbessern, die nicht alles aus dem Internet ausdrucken können."

Zum Modellprojekt gehören außerdem zwei Dienstleistungen für Altenheimbewohner: Rund 15 Heime sollen ab Mai je ein E-Book-Lesegerät erhalten. "Senioren können E-Books viel besser lesen als traditionelle Bücher mit einer Lupe. Denn das Display ist hell und die Schrift kann vergrößert werden", sagt Kubicek. Die Heime sollen auch je ein Tablet erhalten. So können Senioren Kurznachrichten an ihre Enkel schreiben oder Hörbücher oder DVDs von der Stadtbibliothek bestellen. Die Bestellungen soll ein Bote einmal die Woche vorbeibringen und dabei auch bei technischen Problemen helfen.

Schließlich sollen Meldeamt-Angestellte ab Juli alle drei Monate in Altenheime kommen. So können Bewohner vor Ort ihren Umzug melden oder einen neuen Pass beantragen.

Das Bremer Modellprojekt soll bis Ende 2019 gehen. Die Stadt investiert dafür 245 000 Euro. Dann muss der neue Senat entscheiden, ob er es weiterfinanzieren will. Ob die Post den Service auch in anderen Städten anbieten wird, ist noch offen.

dpa

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