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10:28 22.06.2018
Heidemarie Arnhold ist Pädagogin beim Arbeitskreis Neue Erziehung in Berlin. Foto: Urban Ruths/ANE
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Fürth

Es gibt die lauten, rabaukenhaften Kinder. Die, die keine Probleme haben, im Zweifelsfall die Ellenbogen auszufahren. Und es gibt die stillen und schüchternen, die nicht groß auffallen. Vor allem bei ihnen machen sich manche Eltern Sorgen, dass sie es in der Schule schwer haben werden.

Dabei muss Schüchternheit kein Nachteil sein. Mit der richtigen Mischung aus Unterstützung und Vertrauen können Eltern ihren Kindern den Eintritt in die Schule erleichtern.

Wichtig sind für Kinder kleine, konkrete Tipps, sagt Erziehungsberater Ulric Ritzer-Sachs von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. "Man kann dann zum Beispiel mit dem Kind besprechen, "Komm, wir probieren das jetzt mal aus, dass du dich in der ersten Stunde einmal meldest. Den Rest vom Tag musst du es dann nicht mehr tun.""

Hat das Kind es geschafft, sollten Eltern es loben. Wenn es doch nicht geklappt hat, kann man gemeinsam überlegen, was dem Kind beim nächsten Mal helfen könnte. Dabei sollten Mutter und Vater versuchen, möglichst wenig Druck aufzubauen.

Grundsätzlich gehe es darum, die Charaktereigenschaften des eigenen Kindes anzuerkennen, findet die Pädagogin Heidemarie Arnhold vom Arbeitskreis Neue Erziehung: Aus stillen Kindern müssen keine Draufgänger werden. "Die Tatsache an sich, dass ein Kind still ist, ist ja nichts Schlechtes. Das Kind sollte nicht das Gefühl bekommen, etwas stimme nicht mit ihm."

Um ein Kind im Schulalltag zu unterstützen, sei es wichtig, es so wenig wie möglich mit eigenen Ängsten zu belasten: "Das Kind merkt, wenn sich die Eltern Sorgen machen. Und wenn sie ihm etwas nicht zutrauen, wie soll sich das Kind das dann selbst zutrauen?", sagt Arnhold. Die meisten Kinder bekommen es problemlos hin, sich in der Klasse zu behaupten.

Entscheidend bei der Einschätzung von Eigenschaften wie Schüchternheit sei das Wohlbefinden des Kindes: Wirkt es unglücklich damit? Oder ist es still, damit aber zufrieden?, fragt Dorothee Möhrle, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hamburg.

Zu schnell dürfe man das Ganze aber auch nicht abhaken: Ein Kind, das sich nicht behaupten kann, das sich nicht traut, sich einzubringen, sei erst einmal ein Kind, das sein Potenzial nicht wirklich ausschöpfen kann. Laut Möhrle kann das Anlass sein, sich die Situation gegebenenfalls mit professioneller Unterstützung einmal genauer anzusehen.

Jedes Kind sollte ermutigt werden, sich Herausforderungen zu stellen, findet Klaus Fröhlich-Gildhoff, Leiter des Zentrums für Kinder- und Jugendforschung in Freiburg. "Das fängt ja bei kleinen Dingen an. Ein Kind geht einen Turm bauen und es klappt nicht. Dann schmeißt es alles in die Ecke, weil es enttäuscht ist. Oder das Kind sieht etwas Spannendes und traut sich nicht, darauf zuzugehen." Dann sei es wichtig, das Kind zu bestärken und es aufzufangen und nicht nur zu sagen: "Ok, das ist ein Charakterzug meines Kindes, das ist halt so." Die Kunst dabei sei, die Balance zu halten und Kinder weder zu über- noch zu unterfordern.

Vor allem beim Übergang von der Kita in die Schule ist es laut Fröhlich-Gildhoff wichtig, das Kind gut auf die neue Situation vorzubereiten. Das kann durch Gespräche passieren oder dadurch, vorher schon Schulgebäude und Lehrer kennenzulernen.

Praktisch sei es auch, wenn das Kind mit anderen Kindern aus der Kita gemeinsam eingeschult wird. Das vermittelt Sicherheit. "Eine wichtige Ressource in dem Alter sind andere Kinder", sagt Fröhlich-Gildhoff.

Im Schulalltag sei es häufig so, dass die wilden und draufgängerischen Kinder viel Energie von den Erziehenden und den Lehrern absorbierten. Dadurch geraten schüchternen Kinder leichter aus dem Blick, kritisiert Fröhlich-Gildhoff. Dabei bräuchten gerade die Stilleren viel Zuspruch: "Dieses Zurückhaltendsein ist immer auch ein Stück Not. Man hat Angst, auf die Welt zuzugehen, und diese Not muss ernst genommen werden."

dpa

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