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04:58 05.11.2018
Gerade an langen, dunklen Abenden zünden viele wieder Kerzen an. Foto: Franziska Gabbert
Berlin

Wenn die Tage kürzer und dunkler werden, zünden viele wieder Kerzen an. Denn auch im Zeitalter der LED haben sie ihre Magie nicht verloren.

Ob an einer festlichen Tafel, bei einem gemütlichen Schaumbad oder bei einem kuscheligen Abend zu zweit - Kerzen sorgen mit ihrem warmen Lichtschein für eine stimmungsvolle Atmosphäre.

Wachs aus verschiedenen Rohstoffen

Grundsätzlich sollte eine hochwertige Kerze eine ruhige Flamme haben, nicht tropfen oder sichtbar rußen sowie keine gesundheitsschädlichen Stoffe enthalten. Wer beim Kauf im Handel auf Nummer sicher gehen will, kann auf das RAL-Gütezeichen achten.

Es gibt sie in unterschiedlichen Formen, Größen und Herstellungsweisen - etwa gezogen, gegossen oder gepresst. Die gezogene Kerze genießt nach wie vor das höchste Ansehen. Doch: "Das Herstellungsverfahren allein ergibt keinen Qualitätsunterschied", erklärt Wolfgang Reich von der Bayerischen Kerzeninnung. Vielmehr kommt es bei der Herstellung auf die verwendeten Rohstoffe an.

Kerzen bestehen aus einem Docht aus Baumwolle und Wachs - einer Brennmasse, die in der Flamme verdampft und in Verbindung mit Sauerstoff aus der Luft verbrennt. Das Wachs kann aus verschiedenen Materialien bestehen, die auch gemischt werden können.

Paraffin, Stearin oder Bienenwachs

Am günstigsten, und damit auch am weitesten verbreitet, ist derzeit Paraffin - in der Regel aus Erdöl gewonnen. Stearin hingegen besteht aus tierischen und pflanzlichen Fetten wie Palmfett, Kokosfett oder Rindertalg. "Alle Brennmassen sind bei sachkundiger Fertigung in der Lage, die Anforderungen an eine gute Kerze zu erfüllen", sagt Constanze Gillé von der Gütegemeinschaft Kerzen.

Zu den ältesten Materialien gehört Bienenwachs. Es gilt als das teuerste Wachs - obwohl es beim Imkern nur ein Nebenprodukt ist. "Der Imker gewinnt Wachs zum Beispiel, wenn er Honig erntet", erklärt Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund. Um an den Honig zu gelangen, kratzt der Imker die dünnen Wachsdeckel von den Waben. "Auch ausrangierte Rähmchen mit Wachszellen werden recycelt, das Wachs geschmolzen, gereinigt und dann für die Weiterverarbeitung aufbereitet."

Anders als andere Materialien ist Bienenwachs nicht geruchsneutral. Es duftet von Natur aus: "Brennt man eine Kerze aus Bienenwachs an, so entfaltet sich ein ganz eigener, aromatischer Duft nach Honig", sagt Friedrich. Von seiner Brennqualität unterscheidet es sich nicht deutlich von Paraffin- oder Stearinkerzen. "Durch seine höhere Dichte hat es eine etwas längere Brenndauer. Diese hängt jedoch auch von der Herstellungsart ab."

Breite Farbpalette

Neben dem Wachs ist auch der Docht entscheidend dafür, dass eine Kerze lange und schön brennt. "Dochte unterscheiden sich in Form, Saugfähigkeit, Art und Stärke des Garns sowie in ihrer chemischen Präparation. Er muss abgestimmt sein auf Art und Durchmesser der Kerze, Herstellungsverfahren und Brennmasse", erklärt Reich. Er empfiehlt, den Docht vorsichtig zu behandeln, ihn immer aufzurichten und nicht abzubrechen. Auch Fremdkörper wie Streichholzköpfe sollten nicht in das flüssige Wachs gelangen.

Die Art der Färbung - also ob oberflächlich oder durchgefärbt - hat hingegen keinen Einfluss auf die Qualität. Bei Kerzen aus Paraffin und Stearin gibt es eine breite Farbpalette. Aber auch Bienenwachskerzen sind nicht nur honigfarben. "Frisch produziertes Wachs ist weiß. Daher ist das Wachs von frischen Honigwaben auch sehr hell", sagt Friedrich. "Wachs, das bereits älter ist oder das von der Königin bebrütet wurde, ist dagegen dunkler. Auch in die Waben eingelagerte Pollen führen zu ganz unterschiedlichen Farbnuancen."

dpa

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