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Aktuelles Mähroboter können Igel und Kinder verletzen
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04:55 16.07.2018
Igel sind häufiger zu Gast im Garten. Für Mähroboter sind sie im dichten Gras oftmals kein wahrzunehmendes Hindernis. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert
Hilpoltstein

Rasenroboter sind praktisch - sie arbeiten, ohne dass der Mensch eingreifen muss. Aber das ist auch ein Problem: Für Igel und andere Kleintiere im Garten sind sie eine Todesgefahr.

Denn Igel flüchten bei Gefahr nicht. Sie rollen sich blitzschnell zu einer stacheligen Kugel ein. Das hält oft zwar Raubtiere ab. Aber nicht Mähroboter. Sie überrollen die Tiere, skalpieren oder zerhäckseln sie gar. Auch Kröten, Eidechsen und Insekten werden erfasst, erläutert der

Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) in Hilpoltstein. Vor allem wenn Gartenbesitzer ihre automatischen Rasenmäher nachts oder in der Dämmerung laufen lassen, riskieren sie schlimme Verletzungen bei Tieren.

Die meisten Mähroboter erkennen kleine Tiere nicht als Hindernis. Kleine Igel können dabei komplett überrollt und verletzt oder getötet werden, erklärt die LBV-Igelexpertin Martina Gehret in einer Mitteilung des Verbandes. Sie erhält immer wieder Fotos von Gartenbesitzern.

Solche Bilder kann auch Lydia Schübel vom Tierschutzverein München zuhauf vorlegen - und sie sind nichts für schwache Nerven. Einigen Igeln fehlt fast das ganze Gesicht, andere haben große Teile ihres Stachelkleids eingebüßt. Die Tiere würden oft nicht ganz niedergemäht, dafür durch die Klingen der Maschinen übel verletzt, erklärt Schübel.

"Nachts sind Igel auf Beutezug, sie sehen die Maschinen nicht als Gefahr", sagt die studierte Biologin, die sich im Tierheim unter anderem darum bemüht, geschwächte oder verletzte Igel wieder aufzupäppeln. "Evolutionär haben sie Feinde, auf die sie reagieren - aber das sind keine lautlosen Roboter."

In den vergangenen Jahren seien immer mehr Igel ins Tierheim gebracht worden, die einem Mähroboter in die Quere kamen. Zumeist von Nachbarn, denn die Tiere versuchten erst einmal, sich verletzt weiterzuschleppen, erklärt die Tierschützerin Schübel. Nur die wenigsten Igel überlebten.

Beim Industrieverband Garten (IVG) in Düsseldorf ist man sich des Problems bewusst. Geschäftsführerin Anna Hackstein erklärt, dass internationale Produktnormen hohe Sicherheitseinrichtungen wie beispielsweise starke Sensoren an Bord, die bei Berührungen mit Menschen oder Tieren den Betrieb stoppen, forderten. 2016 seien entsprechende Normen bereits verbessert worden.

Stiftung Warentest hat im Frühjahr dieses Jahres acht solcher Roboter auf den Prüfstand gestellt. Am Ende bekam keines der Geräte eine bessere Note als "befriedigend", obwohl viele von ihnen gut mähten. Denn bei allen gebe es ein Unfallrisiko, vor allem für Kinder, teilte Stiftung Warentest damals mit. Sechs der getesteten Roboter hätten ein stehendes Kind immerhin erkannt, zwei hätten dagegen deutliche Schnitte an einem Kinderschuh hinterlassen. Beide Roboter wurden deshalb mit "mangelhaft" bewertet.

Laut IVG arbeiteten Hersteller und Verband daran, die Maschinen noch sicherer zu machen. Einige Systeme, die auch den Schutz der Igel verbessern sollen, befinden sich demnach in der Pilot- beziehungsweise Testphase, teilt IVG-Geschäftsführerin Hackstein mit.

Sie betont aber auch, dass hierbei der Verbraucher gefragt sei. "Leben Kinder und Haustiere im Haushalt, sollte der Mäher nicht arbeiten, wenn auf dem Rasen gespielt wird", rät sie. Gebe es Igel im Garten, sollte außerdem nachts nicht gemäht werden. Und: "Wer Teile des Rasens beim Mähen ausspart, schafft naturnahe Flächen, in denen kleine Tiere Schutz finden können."

Auch die Igel-Expertinnen Martina Gehret und Lydia Schübel appellieren an Gartenbesitzer, Mähroboter nichts nachts laufen zu lassen, die Wiese vor dem Mähen abzugehen und die Maschine bei der Arbeit im Blick zu behalten. Gehret ist sich allerdings bewusst: "Aber genau aus dem Grund, fürs Rasenmähen nicht zu Hause sein zu müssen, kauft man sich doch so ein Gerät." Daher wünscht sie sich: "Etwas mehr Mut zur Wildnis im Garten und einfach mal den Mäher im Schuppen stehen lassen."

dpa

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