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DVB rüsten beim Kampf gegen Eis und Schnee auf : Winterdienst mit Krätzel und Flachbesen

DVB rüsten beim Kampf gegen Eis und Schnee auf : Winterdienst mit Krätzel und Flachbesen

"Kah, er, ähh, thee, zett, eh, ell - Krätzel." Falk Lösch buchstabiert ganz langsam, denn es geht um einen Fachbegriff aus der Straßenbahnersprache.

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Von der Engstelle weg ans Weichenende muss Schneemehl gefegt werden, um eine Weiche nicht zu blockieren. Winfried Berndt (l.) zeigt, wie das gemacht wird und der DNN-Reporter tut es ihm gleich. So haben rund 80 Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe gezeigt bekommen, wie sie helfen können, wenn es heftig schneit.

Quelle: Carola Fritzsche

Von Christoph Springer

Ein Krätzel ist ein etwa einen halben Meter langer Rundstahl mit einem Ring als Griff. Jeder Straßenbahnfahrer muss so etwas haben, schließlich kann man damit Eis aus den Schienen kratzen. Zur Winterdienstausrüstung in den Bahnen gehören außerdem ein flacher Besen und das Eisen, mit dem Weichen von Hand gestellt werden können.

Mit Krätzel und Flachbesen können mittlerweile auch etwa 80 Mitarbeiter der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) umgehen, die keine Straßenbahnen fahren dürfen. Sie wurden in der Abteilung von Roland Ende geschult, dem Gleisbauchef des Unternehmens. Ihm untersteht auch der DVB-Winterdienst. Das ungewöhnliche Schulungsprojekt hat seinen Ursprung im Winter 2010/2011, als in Leipzig der Straßenbahnverkehr tagelang zu großen Teilen darniederlag und in Dresden selbst die Chefs der rund 1400 Verkehrsbetriebe-Mitarbeiter Weichen putzen gingen. Schließlich schneite es so stark, dass auch beheizte Weichen zu vereisen drohten, weil Autos immer wieder Schneemehl zwischen die Stahlteile drückten. Da half nur noch der Einsatz mit Krätzel und Besen. Sollte das im bevorstehenden Winter wieder der Fall sein, wissen nun die geschulten Winterdiensthelfer aus den DVB-Büros noch besser, wie sie für freie Fahrt sorgen können.

Darüber hinaus hat das Unternehmen auch beim Streugut aufgerüstet. Knapp 500 Tonnen Streusalz sind gebunkert, 200 mehr als in der ver- gangenen Wintersaison. "Damals war unser Salz alle und Nachschub war knapp", begründet Ende die größeren Mengen im Bunker. Auch der Streusand-Bunker ist randvoll, gleich daneben liegt ein großer Splittberg im ehemaligen Straßenbahnhof an der Waltherstraße. 150 Besen stehen bereit, 200 Schneeschieber, dazu genügend Eimer.

Außerdem bauen die Dresdner Verkehrsbetriebe zur Zeit eine zweite Straßenbahn zur Schmierbahn um. Ein alter Tatratriebwagen bekommt so einen neuen Auftrag. Dazu wird ein zweiter Bügel montiert, der mittels einer Filzrolle Glyzerin an die Kupferstromleitung streicht. Bereits seit sechs Jahren haben die DVB einen solchen Tatra im Einsatz, damals haben sich Ende und seine Kollegen diese Technik in Schwerin abgeguckt. Inzwischen waren Kollegen aus etwa acht anderen Städten in Dresden zu Besuch, um sich die Technik anzusehen. Ende ist von der Schmierstraßenbahn begeistert. Schließlich verhindert das Glyzerin, dass die Leitungen vereisen. "Seitdem hatten wir keine Probleme mehr", erinnert sich der Winterdienstchef. Drei Mal acht Dienststunden dauert es, damit alle Strecken im DVB-Netz ein Mal abzufahren. Mit der zweiten Schmierbahn halbiert sich dieser Zeitaufwand künftig.

Den sogenannten Enteiser-Tatra fährt unter anderem Winfried Berndt. "Im vergangenen Winter, da waren wir alle an der Grenze", erinnert er sich an die Schneetage in der Weihnachtszeit. "Da rückt man zusammen", beschreibt Lösch das Gefühl im Unternehmen, als auch die Vorstände draußen waren, um mit Krätzel und Besen Weichen frei zu halten. Damals auf der Strecke nach Weinböhla stand "an jeder zweiten Weiche" ein DVB-Mitarbeiter mit Besen und Rundeisen, erinnert sich Ende. Inzwischen wurden dort die Weichenheizungen an zehn Weichen verbessert. "Da hat auch der Landkreis Meißen kräftig mitgeholfen", lobt Ende. Der nächste Winter kann kommen, sagt der Winterdienstchef der DVB, "wir fühlen uns gut gerüstet". Auch dank Krätzel und Besen.

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