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04:39 03.07.2018
Paolo Tumminelli ist Design-Professor an der Technischen Hochschule Köln. Foto: M. Müller/KISD
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Stuttgart

Fahrende Glaskästen surren durch die Straßen. Keine Ampel, keine Staus behindern die Fahrt. In den Innenräumen entspannen sich die Passagiere.

Glaubt man den Herstellern und ihren Fahrzeugstudien, werden künftige Autos anders aussehen als heutige - und das Leben vereinfachen. Science-Fiction oder realitätsnahe Zukunftsmusik?

Wilko Stark, Produktplaner bei Mercedes-Benz, rechnet mit Tausenden autonom fahrenden Autos schon Anfang der kommenden Dekade. "Die werden aber zuerst bei Mobilitätsdienstleistern wie MyTaxi oder anderen Pooling-Konzepten eingesetzt", sagt er. Denn die speziellen Lidar-Sensoren auf den Dächern der Autos seien noch sehr teuer und für Privatkunden die nächsten fünf bis zehn Jahre unerschwinglich. Diese Sensoren rotieren bis zu 20 Mal pro Sekunde und feuern dabei für den Menschen unsichtbare Laserstrahlen ab, fangen sie wieder auf und tasten damit die Umgebung ab. Autonome Fahrzeuge werden wohl zunächst auch nur in Großstädten eingesetzt. Dort, wo hochauflösende Karten die Straßen sehr genau abbilden.

Neben diesen Roboterautos erwartet er künftig Autos, die sich von den heutigen kaum unterscheiden. "Autofahrer müssen sich nicht komplett umstellen, ein Auto wird weiter wie ein Auto aussehen und so fahren." Allerdings werde es künftig mehr und bessere Mobilitätsangebote geben, zwischen denen Verkehrsteilnehmer wählen können.

Auch der Kölner Design-Professor Paolo Tumminelli geht davon aus, dass sich die nächste Generation der Autos von heutigen kaum unterscheiden wird. "Die Fahrzeughersteller setzen bisher auf die sogenannte Plattformstrategie, die können sie nicht einfach verwerfen", sagt er. Bei neuen Fahrzeugkonzepten wie reinen Elektroautos oder autonom fahrenden Autos könnten die Hersteller aber neue Wege gehen. Bei autonomen Fahrzeugen verlören Werte wie Sportlichkeit oder Geländegängigkeit an Bedeutung. "Ein schöner Würfel, der langsam und sicher durch die Stadt fährt, wäre agiler und sinnvoller als aktuelle Fahrzeuggattungen", sagt er.

Im urbanen Raum werden Menschen in naher Zukunft, sei es in einem geschlossenen System aus bestimmten Straßen oder zu bestimmten Uhrzeiten, autonom unterwegs sein. Ampelstopps und Staus würden irgendwann wegfallen, da die Fahrzeuge untereinander vernetzt sind und sich wie ein Schwarm verhalten können.

Volkswagen zeigte auf den vergangenen Automessen eine Reihe von neuen Konzepten. Bei der sogenannten I.D.-Familie setzen die Designer auf kurze Überhänge, große Innenräume, autonome Technik und kurze Außenmaße. Im Innenraum können sich Reisende auf Loungesessel lümmeln. Das neue Zeitalter der individuellen Mobilität ist aus Sicht der Wolfsburger elektrisch, vollautomatisch und mühelos. "In der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre werden Fahrerassistenzsysteme verstärkt die Steuerung des Fahrzeugs übernehmen und den Fahrer entlasten", sagt Sonja Tyczka von VW. Mit neuen Funktionen wie Sprache, Gesten oder über Augmented Reality mit einer HoloLens-Brille sollen sich neue Inhalte so einfach wie möglich steuern lassen.

Die Elektrifizierung wird aber nicht bei allen Autos zu einem Designwechsel führen, meint Matthias Kempf von der Beratungsfirma Berylls Strategy Advisors in München. Er geht davon aus, dass ein radikal anderes Design erst mit den vollautonom fahrenden Autos eintreten wird. Wenn Autos vollautomatisiert fahren (Level 4) oder fahrerlos unterwegs sind (Level 5) und die Systeme für den Privatkunden erschwinglich sind, wird sich das Autofahren drastisch verändern. "Fahrerlose Autos können auf ein Lenkrad verzichten, im Innenraum ergeben sich neue Gestaltungsmöglichkeiten", sagt Kempf.

Diese Systeme werden aber anfangs bis zu 20 000 Euro teurer und zuerst für Flottenbetreiber interessant. "Außerdem wird es lange brauchen, damit autonome Autos überall, bei jedem Wetter und mit jeder Geschwindigkeit fahren können, bestimmt über 2030 hinaus."

dpa

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