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Aktuelles Datenkino im Auto: Projektion und Wirklichkeit verschmelzen
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05:09 27.01.2017
Kompakte Maße: Galten Head-up-Displays bislang als relativ teuer, sollen neue Techniken klassische Instrumente überflüssig machen und so Platz und Kosten sparen. Quelle: Olaf Ringel/Panasonic
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Las Vegas/Detroit

Autofahrer können sich bald an eine neue Perspektive gewöhnen. Denn die Zeiten, in denen sich ihr Blick in den Instrumenten verliert, gehen so langsam zu Ende. Das zumindest ist die Botschaft vieler Zulieferer und Autohersteller, die ihr Heil im Head-up-Display suchen.

Schon jetzt haben diese Systeme, die wichtige Infos direkt in das Blickfeld des Fahrers projizieren und so die Ablenkung minimieren wollen, den Markt bis in die Kompaktklasse durchdrungen. Doch wer auf der Elektronikmesse CES und der Detroit Motor Show genau hingeschaut hat, konnte in Sitzkisten und Designstudien viele Weiterentwicklungen finden, die den Autofahrern ganz neue Perspektiven bieten.

Das große Schlagwort: Augmented Reality. Das meint die situationsgerechte Anreicherung der Wirklichkeit, erläutert VW-Sprecher Christian Buhlmann. Während die Anzeigen des Head-up-Displays bislang eher statisch waren und keinen direkten Bezug zum Kontext hatten, ziehen die Hersteller nun eine zweite Bildebene ein und passen die Inhalte dort der Umgebung an. Durch die natürliche Positionierung direkt auf der Fahrbahn füge sich die Darstellung nahtlos in die Umgebung ein. "Der Fahrer erfasst sie leichter und versteht sie auf Anhieb. So wird die Ablenkung maßgeblich reduziert", sagt der VW-Sprecher.

"Wir holen den Fahrer dort ab, wo seine Aufmerksamkeit sein sollte: beim Verkehrsgeschehen", sagt Guido Meier-Arendt, der beim Zulieferer Continental die Entwicklung der Bediensysteme leitet. Gerade in anspruchsvollen Verkehrssituationen befreie das den Fahrer von so manchem Blick nach unten auf sein Kombi-Instrument oder die Mittelkonsole. "Er kann das Verkehrsgeschehen ständig im Auge behalten." Nicht ganz unbedeutend, wenn man bei Tempo 100 in einer Sekunde bereits 30 Meter zurücklegt.

Navigationspfeile zum Beispiel folgen beim Messemodell der Wolfsburger dann der jeweiligen Spur und zeigen an einer Kreuzung tatsächlich in die entsprechende Straße. Und wer sich in den jüngsten Technologieträger von Bosch setzt, sieht nicht einfach eine simple Abstandswarnung. Sondern dort werden in der Projektion jeweils die vorausfahrenden Fahrzeuge markiert, und ein möglicher Warnhinweis erfolgt direkt am Heck des betreffenden Wagens. "Das ist eine viel konkretere Warnung, die dem Fahrer die Interpretation einer kritischen Situation deutlich erleichtert", so die Entwickler.

Während Zulieferer Bosch und VW diese Technologie bislang nur in ihren Sitzkisten demonstrieren, hat Audi sie bereits in einem Fahrzeug verbaut und die Detroit-Studie Q8 mit dem ersten Augmented Reality-Head-up-Display ausgestattet. Im Blickfeld des Fahrers verschmelzen virtuelle und reale Welt zu einem Bild, erläutert Sprecher Josef Schloßmacher. Zwar ist die Technik noch nicht ganz reif für die Serie. Doch bis der Q8 in einem Jahr in Produktion geht, wird auch das Display so weit sein, heißt es.

Wie weit der Einsatz gehen kann, hat in Las Vegas der Zulieferer Panasonic gezeigt. Die Japaner haben ihre zwei Bildebenen nämlich so groß gestaltet und die Projektion so weit in die Ferne gerückt, dass darüber tatsächlich alle Anzeigen eingeblendet werden können, erläutert Andreas Heitmann, der den Geschäftsbereich Infotainment leitet. "Wir haben sogar die Spiegel durch Kameras ersetzt und projizieren deren Bilder ins Blickfeld, sobald der Fahrer den Blinker betätigt." Selbst aus der Vogelperspektive kann man den Wagen dabei betrachten, wenn man den Blinkerhebel ein weiteres Mal bedient. "Dann muss man den Blick sogar beim Rangieren nicht mehr von der Straße nehmen", erläutert Heitmann die Vorzüge der Technologie.

Bislang galt das Head-up-Display immer als vergleichsweise teures Extra, räumt Heitmann ein. Der Weg in die kleinen, sehr preissensitiven Fahrzeugklassen war der Technologie deshalb versperrt. Doch Panasonic hat seine neue Systemgeneration nicht umsonst in einem Renault Twizy eingebaut. "Denn die Weiterentwicklung ist so leistungsstark, dass wir auf die Instrumente verzichten können", sagt Heitmann. Das spart nicht nur Bauraum und lässt Platz für eine automatische Einstellung mithilfe zweier Kameras, die den Fahrer permanent vermessen. Sondern das drückt vor allem die Kosten: "Und zwar so weit, dass ein Kleinwagen mit Head-up-Display bald billiger sein könnte, als einer mit normalen Armaturen." Wenn das mal keine guten Aussichten für die Autofahrer sind.

dpa

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