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Schlaflos in Mainhattan – neuer Marthaler-Krimi

Medien Schlaflos in Mainhattan – neuer Marthaler-Krimi

In Frankfurt sind die Nächte lang, und der nimmermüde Kommissar Marthaler behält trotz komplexer Materie erstaunlicherweise den Überblick. „Die Sterntaler-Verschwörung“ (Montag, 20.15 Uhr, ZDF) ist atmosphärisch dicht, ungemein spannend und wäre eigentlich Stoff genug für einen Zweiteiler gewesen. Oberstes Zuschauergebot also: Höllisch aufpassen!

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Der Eintritt ist definitiv nicht frei: Kommissar Marthaler (Matthias Koeberlin, l.) und seine Kollegen (Tim Seyfi, Alice Dwyer) versuchen, in den Erotik-Club Sterntaler vorzudringen.

Quelle: Foto: ZDF

Hannover. Er zählt neben Horst Eckert, Wolfgang Schorlau oder Marc Elsberg zu den besten deutschsprachigen Autoren von Politthrillern: Jan Seghers, der mit bürgerlichem Namen Matthias Altenburg heißt. Der Held seiner packenden Kriminalromane ist der Frankfurter Kommissar Robert Marthaler.

Buch und Film unterscheiden sich deutlich

Ein melancholischer Typ, der gern isst und trinkt, Mentholzigaretten raucht und stets unglücklich verliebt ist. Vier dieser sogenannten Marthaler-Romane hat das ZDF seit 2012 verfilmt – mit Matthias Koeberlin in der Hauptrolle. Nun folgt mit „Die Sterntaler-Verschwörung“ der fünfte Streich.

Zuschauer, die den 2014 erschienenen Roman kennen, werden allerdings überrascht sein. Die politische Dimension und die zahlreichen Anspielungen auf reale Ereignisse und Personen fehlen im Film fast völlig. Während das Buch die nie abschließend geklärten Irrungen und Wirrungen nach der hessischen Landtagswahl 2008 spekulativ aufgriff, also den gescheiterten Versuch der damaligen SPD-Kandidatin Andrea Ypsilanti, eine Regierung mit Hilfe der Grünen und der Linken zu bilden.

Und daraus dann eine höchst komplizierte Verschwörungsgeschichte entwickelte, deren Spur sogar direkt in die hessische Staatskanzlei führte. Im Film wird eher ein klassischer Kriminalfall erzählt. Aber auch der ist immer noch sehr komplex, bisweilen für den Zuschauer kaum durchschaubar, und dennoch vom Regisseur Züli Aladag äußerst spannend inszeniert.

Ein Mordfall mit vielen Schichtungen

In einem Frankfurter Hotel wird die Leiche einer Berliner Journalistin entdeckt. Doch noch bevor Marthaler mit seinem Team aus durchweg originellen Figuren seine Arbeit beginnen kann, taucht am Tatort ein Kommissar des LKAs (André M. Hennicke) auf und untersagt ihm schroff weitere Untersuchungen. Zusammen mit seinen Leuten ermittelt Marthaler heimlich in diesem immer vielschichtiger werdenden Mordfall weiter. Dabei entdeckt er Verbindungen zu einem anderen seiner aktuellen Fälle: dem vermeintlichen Selbstmord eines Landtagsabgeordneten, dem vorgeworfen worden war, Kinderpornografie zu sammeln. Auch bei jenen Ermittlungen war der besagte LKA-Kommissar involviert.

Wie sich dann herausstellt, hatte der Politiker kurz vor seinem Tod Kontakt zu der ermordeten Journalistin. Und eine Spur führt zu einem Sexclub namens Sterntaler, in dem auch hochrangige Politiker und Vertreter der Startbahnbau-Lobby verkehrten. Als sich Marthaler das Etablissement anschauen möchte, kommt es zu einem actionreich inszenierten Schusswechsel, bei dem einer seiner Kollegen schwer verletzt wird. Danach entwickelt sich ein überaus famoses Intrigenspiel. Und es ist schon erstaunlich, dass der gute Marthaler dabei nicht den Überblick verliert.

Hohes Tempo, wunderbare Dialoge

Das ist dann auch die einzige Schwäche dieses Films, dessen Geschichte einfach viel zu komplex ist, um sie in 90 Minuten verständlich zu erzählen. Ein Zweiteiler wäre geboten gewesen. Dennoch ist diese „Sterntaler-Verschwörung“ sehenswert. Allein schon die nächtliche Atmosphäre der beeindruckenden Frankfurter Skyline! Das Tempo ist hoch, es gibt wunderbare Dialoge. Und natürlich Marthaler selbst, einen herrlich coolen Großstadtpolizisten, der offenbar ohne Schlaf auskommt und sich stattdessen gern durch die nächtliche Stadt treiben lässt. Dabei wirkt er so erstaunlich sensibel und verletzlich, dass der Zuschauer ihn einfach mögen muss. Und das Problem mit seiner Lebensgefährtin, die ihn kurz vor der von ihm heimlich geplanten Hochzeit verlässt, bekommt er in hoffentlich weiteren Folgen bestimmt noch geregelt.

Oder er tröstet sich einfach mit der attraktiven Gerichtsmedizinerin.

Von Ernst Corinth / RND

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