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Kuttner und Niggemeier: „Wir helfen dem Fernsehen“

Podcast auf Deezer Kuttner und Niggemeier: „Wir helfen dem Fernsehen“

Am Dienstag starten Sarah Kuttner und Stefan Niggemeier ihren Podcast „Das kleine Fernsehballett“ beim Musikstreamingdienst Deezer. Im Interview sprechen sie über TV-Perlen, die Liebe zum Trash und Vera Drombuschs Leid.

„Niemand hat es Vera Drombusch je gedankt“: Sarah Kuttner und Stefan Niggemeier.

Quelle: niggi

Hannover. Sarah Kuttner und Stefan Niggemeier sind jeweils dienstags beim Musikstreamingdienst Deezer exklusiv mit ihrem Podcast „Das kleine Fernsehballett“ zu hören.

Frage: Frau Kuttner, Herr Niggemeier – am Dienstag startet Ihr Fernseh-Podcast „Das kleine Fernsehballett“ beim Musikstreamingdienst Deezer. Was genau wird das sein? Ein zauberhafter Name übrigens.

Sarah Kuttner: Hab ich mir den ausgedacht? Ja, das war ich!

Stefan Niggemeier: Ich hab mir den ausgedacht! Oder wir zusammen? Jedenfalls sitzen wir da und quatschen übers Fernsehen, mal mit Gästen, mal ohne. Und Fernsehen heißt für uns: alles, was aus viereckigen Geräten rauskommt und sich bewegt.

Kuttner: Nicht nur linear, sondern Serien, Streaming, Youtube. Alles.

Sie sitzen also auf dem Sofa, gucken „Bachelor“ und lassen einfach laufen?

Niggemeier: Nee, jeder guckt erst mal für sich ...

Kuttner: Manchmal gucken wir auch zusammen!

Niggemeier: Ja – aber wir nehmen uns nicht beim Fernsehen auf, sondern setzen uns hinterher konzentriert 45 Minuten im Studio zusammen.

Kuttner: Und haben uns sogar vielleicht Notizen gemacht.

Ist das Fernsehen insgesamt besser geworden oder schlechter?

Kuttner: Es ist anders geworden. Man hat einfach viel mehr Auswahl, wenn man den Arsch hochkriegt und Internet hat. Man kann selber bestimmen, wann man was sehen will. Das finde ich gut – auch weil ich dauernd vergesse fernzusehen. Ich habe gestern schon wieder den „Bachelor“ vergessen! Und dann kann man das nachholen. Oder man guckt nachts um drei alle „Walking Dead“-Folgen.

Niggemeier: Ich glaube, dass es mehr richtig herausragendes Fernsehen gibt als früher – also so Sachen wie „Fargo“, „True Detective“ oder „House of Cards“. Aber gleichzeitig gibt’s auch viel mehr Schrott. Das ist das Abbild einer veränderten Fernsehnutzung. Für viele ist Fernsehen ein Begleitmedium geworden, wo irgendwas nebenbei flimmert. Parallel gibt es Serienfans, die sechs Folgen am Stück gefesselt werden wollen.

Wie kommt es zu der Zusammenarbeit? Wie haben Sie sich kennengelernt?

Kuttner: Über Twitter. Und dann waren wir mal beide in der gleichen Bar, ohne einander zu erkennen. Ich bin zu dem freundlicheren älteren Herrn gegangen und habe gefragt, ob ich seinen Hund streicheln darf. Und später habe ich getwittert, dass ich heute aus war – und Stefan sah den Tweet und dachte: Ich war doch auch aus! Da war das also tatsächlich die Sarah Kuttner! Und dann haben wir uns verabredet und sind seitdem dicke befreundet.

Lässt sich eigentlich wirklich aus jedem Quatsch noch ein Lustgewinn erzielen? Oder gibt es TV-Sendungen, die nicht mal ironisch funktionieren? Die einfach nur schmerzen?

Kuttner: Also – ich finde grundsätzlich mehr Sachen gut als Stefan. Der hat früher Schmerzen als ich.

Niggemeier: Ein Beispiel war damals „Das Sommerhaus der Stars“ bei RTL. Ich habe versucht, Sarah davon zu überzeugen, dass das wirklich überhaupt nicht ging, aber sie befand sich in einem Zustand der Ektase. Du warst so glücklich und begeistert! Die Frau von René Weller ...

Kuttner: Die Frau von René Weller! Ja, mich kriegt man immer mit Trash, wenn da Leute beim Vermeintlich-sie-selbst-Sein gefilmt werden. Da waren tolle, kaputte Stars dabei, die tollen, kaputten Kram gemacht haben. Ich will auch beim Dschungelcamp keine Prüfungen oder Moderationen. Das interessiert mich nicht. Ich will nur sehen, wie die am Feuer sitzen und sich danebenbenehmen.

Haben Sie eine Erklärung dafür, dass zum Fernsehen wirklich jeder eine Meinung hat? Warum regen sich die Leute so gern darüber auf?

Kuttner: Die Leute regen sich einfach generell gerne auf – über andere Autofahrer, über Fahrradfahrer, über Fußgänger oder über Menschen mit der falschen Religion.

Niggemeier: Das Fernsehen kommt halt auch zu dir ins Wohnzimmer. Da gibt’s so ’ne Anspruchshaltung. Da steht dieses Gerät, du setzt dich aufs Sofa, schaltest es an – und dann soll dich das gefälligst glücklich machen.

Kuttner: Fernsehen ist der kleinste gemeinsame Kulturnenner. Und Aufregen fetzt einfach. Auch, um seinen eigenen privaten Scheiß auszublenden. Wer sich übers Fernsehen aufregt, hat ja in Wahrheit irgendetwas anderes quersitzen. Und deshalb ist Fernsehen auch so beliebt: damit man das mal rauslassen kann. Außerdem macht Aufregen alleine keinen Spaß.

Niggemeier: Nicht? Ich kann mich super alleine aufregen!

Kuttner: Na ja – aber du twitterst, und auch Twitter sind ja „andere Menschen“. So ganz allein vor dem Fernsehgerät ergibt Aufregen doch gar keinen Sinn. Deshalb auch der Podcast.

Niggemeier: Das ist unser Service: Die Leute müssen sich nicht mehr übers Fernsehen aufregen – sie können sich stattdessen über uns aufregen!

Kuttner: Wir helfen also dem Fernsehen.

Herr Niggemeier, ist es wahr, dass Sie noch heute von Vera Drombuschs vorwurfsvollem Blick träumen? Was könnte sie Ihnen denn vorzuwerfen haben?

Niggemeier: Alles! Diese Undankbarkeit! Niemand hat es Vera je gedankt, wie sie sich aufgeopfert hat für die Familie. Sie hat Weihnachten immer alles schön gemacht, und die Kinder haben sich dann immer Ausreden ausgedacht und sind in die Disco gefahren. Ich schleppe das seit 30 Jahren mit mir rum.

Und ohne welche drei TV-Sendungen könnten Sie nicht leben?

Kuttner: „Friends“. Ich habe alle zehn Staffeln sicher 25-mal gesehen. Phoebe ist die Tollste. Und bei den Jungs ist es Ross, weil der so vielschichtig ist: sexy und seriös, gleichzeitig aber unsicher mit einem leichten Hang zur Homosexualität. Außerdem würde ich noch „The Walking Dead“ wählen. Und „Shopping Queen“.

Niggemeier: Ich nehme „Last Week Tonight“ mit John Oliver und „Frasier“. Und auch „Friends“. Ich hole das gerade nach wegen Sarah. Ich hatte das bisher noch nie gesehen.

Kuttner: Und du magst es auch gerne!

Niggemeier: Ich finde manches okay.

Medienkritiker müssen sich oft anhören, im Grunde nur gescheiterte Fernsehmacher zu sein. Frau Kuttner, mit dem „kleinen Fernsehballett“ befinden Sie sich als Moderatorin nun quasi in einer Doppelfunktion.

Kuttner: Aber ich sehe mich da nicht als Kritikerin. Wir reden einfach bei jedem Spaziergang sowieso übers Fernsehen und dachten: Komm, wir machen das beruflich. Aber als Fernsehmacherin finde ich Medienkritik natürlich gut. Ich find’s schon wahnsinnig wichtig, dass jemand auch mal dieser „Lügenpresse“ (kichert) die Mütze richtig aufsetzt. Das ist ein Verdienst meines gewachsenen Interesses an Medienkritik, dass ich noch stärker als früher nicht alles glaube, was ich lese. Diese Distanz macht einen zu einem besseren und zufriedeneren Menschen. Nicht reflexhaft auf jede Schlagzeile hereinfallen, sondern immer erst mal kurz überlegen! Dieses Bewusstsein verdanke ich der Medienkritik.

Zur Person: Sarah Kuttner und Stefan Niggemeier

Sarah Kuttner (38), ehemalige Viva- und MTV-Moderatorin, moderiert derzeit das Talkformat „Kuttner plus zwei“ bei ZDFneo. Als Vieltwitterin (@KuttnerSarah) und Autorin dreier Bestseller absolviert sie regelmäßig ausverkaufte Lesetouren. Stefan Niggemeier (48), Gründer und heutiger Herausgeber des Bildblog, ist mehrfach ausgezeichneter Medienkritiker. Mit Boris Rosenkranz betreibt er das Medienblog Übermedien.de.

Von Imre Grimm/RND

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