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Der Dresdner "Chaos Computer Club" folgt den Datenspuren

Der Dresdner "Chaos Computer Club" folgt den Datenspuren

Im Gefrierschrank stapeln sich die Tiefkühlpizzen, an der Wand hängt eine Piratenflagge und in der Technikwerkstatt nebenan gehen die Leute ein und aus. Man grüßt sich kurz, und wer länger bleibt, macht es sich auf der abgewetzten Couch gemütlich.

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Leon Weber, Jan Wulfes und Paul Schwanse (v.li.) sind regelmäßig in den Räumen des Chaos Computer Clubs in Dresden anzutreffen.

Quelle: Carola Fritzsche

Über dem Türrahmen fällt der Blick auf ein Fahndungsplakat mit den üblichen Verdächtigen: eine Reihe von Politikern, die allem Anschein nach das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und den Schutz der Privatsphäre verletzen. Auf dem Tisch stehen drei Flaschen "Club Mate", ein bitteres und koffeinhaltiges Gesöff - und gleichzeitig das offizielle Vereinsgetränk des Chaos Computer Clubs (c3d2) in Dresden, erzählt Clubmitglied Jan Wulfes (28).

Immer dienstags kommen die rund 20 Computerfreunde bei den offenen "Chaostreffs" zusammen. "Die Zahl schwankt allerdings, abhängig von der Tages-, Nacht- und Jahreszeit", merkt Paul Schwanse (24) an. Die Themen in der Runde kreisen um die neuesten Computertrends, Verschlüsselungsmethoden oder auch das in Dresden brisante Thema der "Handygate-Affäre" vom 19. Februar. "Das ist die Vorstufe zur Vorratsdatenspeicherung und beispielhaft für den Missbrauch angehäufter Daten", erklärt Paul.

Der Chaos Computer Club (CCC) ist derzeit in aller Munde. Vergangenen Montag feierte der Verein seinen 30. Geburtstag. Und auch der Dresdner Ableger des Hamburger Clubs blickt bereits auf eine zehnjährige Geschichte zurück. Anfangs noch müde als Nerds belächelt, sind viele Mitglieder des globalen "CCC" heute Technikexperten und decken Sicherheitslücken in Netzwerksystemen auf, erklärt Leon Weber (20) - ganz nach Art der Hacker-Ethik. "Einen freien Zugang zu Kommunikation", das ist die Forderung des Computerclubs.

Um Bits und Bytes, elektronische Bauteile, Selbstgebasteltes und die Welt des Internets dreht sich aber auch die Arbeit des Clubs in Dresden. "Die einen interessieren sich mehr für Hardwarekomponenten, andere wiederum begnügen sich mit Software und der Programmierung von Spielen", erklärt Jan. Mittlerweile hat in der Landeshauptstadt bereits die zweite CCC-Generation das Zepter übernommen. Viele aus den Anfangsjahren haben jetzt Familie und Kinder, erzählt Jan. "Hier trifft man auf Gleichgesinnte, Leute mit ähnlichen Denkansätzen", schwärmt er. Ähnlich erging es auch Paul: "Ich fand die Arbeit spannend - eine Mischung aus Technikspielen, Politik und gesellschaftlichen Aspekten". Mit ihrem Projekt "Chaos macht Schule" macht der Club zudem auch in Schulen auf die Gefahren im Internet aufmerksam. In sozialen Netzwerken sind die Computerfreunde nicht anzutreffen. "Viele Jugendliche gehen zu freizügig mit persönlichen Daten um - oftmals unbewusst. Die meisten können nicht die Folgen abschätzen, wenn sie ein Foto hochladen", betont Paul. Um den Datenkraken zu entgehen, sei "Abmelden" die einzige Alternative, mahnt Jan an.

Um Datensicherheit dreht sich auch das Symposium "Datenspuren 2011", das am 15. und 16. Oktober ab 10 Uhr im Kulturzentrum Scheune stattfindet. In Workshops und Vorträgen wollen die Hacker Themen wie unter anderem die "Handygate-Affäre", "Killerspiele" und DNA-Datenbanken näher beleuchten. "Besonderen Wert legen wir dieses Jahr auf Jugendliche und Kinder ab zehn Jahren", so Jan. So sind verschiedene Bastelstationen vom Raketen- bis zum Musikinstrumentenbau geplant.

Mehr Informationen auf http://c3d2.de und http://datenspuren.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.09.2011

Benjamin Winkler

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