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Das Dresdner Filmteam Blue Beam Entertainment dreht sein zweites Projekt

Das Dresdner Filmteam Blue Beam Entertainment dreht sein zweites Projekt

Szene 46, Aufnahme 1, Klappe: Gregor Neuss verlässt das Gerichtsgebäude und telefoniert, sie hätten Recht gehabt, der Bericht ist tatsächlich länger. Was genau drin steht, weiß er noch nicht, in einer Stunde aber wird er es herausbekommen haben, kündigt er an und geht seiner Wege.

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Nach zwei Jahren Vorbereitung dreht das Dresdner Filmteam dieser Tage einen Thriller um den Journalisten Gregor Neuss. Hauptdarsteller Marcus König (Mitte) ist Theaterschauspieler bei der Freien Spielkultur, Filmerfahrung hatte er bisher nicht. Die Kamera läuft in Freiberg und in Dresden - unter anderem in der Hochschule für Musik.

Quelle: Dietrich Flechtner

Er wird dieses kurze Gespräch noch acht weitere Male an diesem Tag führen. Bis auch die letzte Einstellung stimmt, jedes kleinste Detail Beachtung gefunden hat.

Gregor Neuss heißt eigentlich Marcus König. Er ist der Hauptdarsteller eines Thrillers mit dem Arbeitstitel "Justice Inc.". 30 Drehtage hat das neunköpfige Dresdner Filmteam Blue Beam Entertainment für die Geschichte um den Journalisten, miese Machenschaften und allgegenwärtige Überwachung angesetzt. Die Kamera läuft vor allem in Freiberg und Dresden - unter anderem in der Justizvollzugsanstalt, im Diakonissenkrankenhaus, in einer Loschwitzer Villa oder eben in der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber, die heute als Gerichtsgebäude herhalten muss. "Unser Film spielt in der Zukunft, deshalb haben wir uns bewusst für futuristisch anmutende Gebäude entschieden", erklärt Drehbuchautor und Kameramann Falk Fiedler.

Es ist bereits das zweite Projekt der Cineasten. Vor vier Jahren flimmerte das Erstlingswerk "Pfadfinder" über die Leinwand. Damals hatte Fiedler noch selbst die Hauptrolle gespielt. Jetzt aber setzt das Team auf erfahrene Schauspieler, etwa von der Theatergruppe Spielbrett und der Freien Spielkultur. Bei letzterer ist auch Marcus König engagiert, Erfahrungen im Filmbereich hatte er bisher nicht. "Das ist natürlich schon ein Unterschied. Im Theater weiß man sofort, ob die Szene gut war oder nicht. Beim Film dreht man viele verschiedene Einstellungen und erst nach einem Jahr sieht man, was dabei rausgekommen ist", sagt er, während er in der Garderobe einen letzten Blick ins Drehbuch wirft. Auch sein Spiel muss er verändern, wie er sagt: "Ich kann natürlich nicht so groß spielen wie im Theater, hier kommt es auf minimale Nuancen an."

"Weniger, weniger" sind die Worte, die Regisseur Michael Roitzsch deshalb häufig über die Lippen gehen. "Ich muss das Spiel der Darsteller formen", erklärt er. Und auf den richtigen Bildausschnitt achten. Vor dem Dreh schaut er sich auf einem kleinen Monitor alles genau an. Was fängt die Kamera ein? Ist der Darsteller richtig zu sehen? "Moment", sagt er jetzt, "da hat sich jemand ins Bild geschummelt." Also alles auf Anfang, warten, bis die Studentin der Musikhochschule hinter der Glasfassade des Gebäudes verschwunden ist. Erst dann kann es losgehen.

Tonmann Carsten Weinhold hat es heute besonders schlecht getroffen. Es regnet, und Regen bedeutet Krach. "Die Leute meinen es nett mit mir und halten mir einen Schirm über den Kopf, aber dann höre ich jeden Tropfen. Ohnehin sind die Geräusche bei Regen lauter", sagt er. Aber es nutzt nichts, die Location ist gebucht, es wird gedreht, so gut wie es eben geht. "Notfalls müssen wir bestimmte Sachen nachsynchronisieren." Aus bis zu vier Tonquellen kann er sich bedienen. Mehrere Tonspuren bedeuten aber auch mehrere Geräuschquellen. Aufnahmen in geschlossenen Räumen sind da problemloser für Carsten Weinhold: "Dort gibt es keine Flugzeuge, keinen Straßenlärm und auch keinen Regen."

Der sorgt auch in der Maske für Aufregung. Gemeinsam mit einer Kommilitonin muss Julika Leiendecker dafür sorgen, dass Kleidung und Haare des Hauptdarstellers trocken bleiben. Julika Leiendecker studiert im fünften Semester Maskenbild an der Hochschule für bildende Künste. Gerade absolviert sie das vorgeschriebene Praktikum. Natürlich müssen die Schauspieler aussehen, das ist erste Prämisse. "Und wir müssen auf die Anschlüsse achten, damit der Darsteller in aufeinander folgenden Szenen nicht verschiedene Outfits trägt", erzählt die Studentin. Zwischen zehn und 20 Minuten benötigt sie, um die Schauspieler kameratauglich herzurichten. "Marcus ist relativ pflegeleicht, ein bisschen pudern und Haare stylen reicht", lacht sie.

Die Kostüme hat Aufnahmeleiterin Paula Schöley aus Kleiderschränken und Läden zusammengestellt. Schöley ist die Sammelstelle für alle anfallenden Probleme - heute zum Beispiel musste sie Regenponchos für das Team organisieren - sie koordiniert, betreut die Statisten und wacht mit strengem Blick über die Einhaltung des Zeitplans. "Ich musste mir extra eine Armbanduhr anschaffen", sagt sie und weist den Regisseur darauf hin, dass nur noch eine Stunde bis zur Pause bleibt. Vorher folgt noch eine Außenaufnahme.

Dafür haben Matthias Lange und Robert Pohlink bereits den Eingang zur Hochschule ausgeleuchtet. Die beiden Lichtexperten sind schon zufrieden, dass der Dreh am Tag stattfindet. Bei Szenen im Dunkeln ist ohne zusätzliche Beleuchtung nämlich nicht viel zu machen, sagen sie. Dank eines Crashkurses, den sie gemeinsam bei einem Absolventen der Babelsberger Filmhochschule absolviert haben, wissen sie jetzt allerdings, wie aus schwarzem Nichts ein Bild entsteht. Ganz schlecht allerdings wäre es, wenn mehr Scheinwerfer benötigt würden, als vorhanden sind.

"Es ist schon verrückt, was alles schief gehen kann. Und trotzdem machen wir es", so Paula Schöley. Der Liebe zum Film wegen, sagt das Team. Das trifft auch auf die rund zehn engagierten Schauspieler, die Statisten, die Fahrer, kurz: auf alle beteiligten Helfer zu. Denn: Niemand, der an "Justice Inc." mitwirkt, bekommt Geld dafür. Das rund 20 000 Euro teure Projekt - allein die Hälfte geht für die in Berlin ausgeliehene Technik drauf - stemmen die Blue Beam Entertainer alleine bzw. mit Unterstützung von Familie und Bekannten. Auf ihrer Homepage haben sie einen kleinen Spendenaufruf gestartet.

Bevor das Ergebnis dieses Engagements der Öffentlichkeit präsentiert werden kann - die Nachbearbeitung wird schätzungsweise ein Jahr in Anspruch nehmen -, sucht das Filmteam noch Statisten. Wer Interesse daran hat, sein Gesicht auf der großen Leinwand wieder entdecken zu können, kann sich bei den Dresdnern melden. Am Sonntag heißt es nämlich im Rahmen einer Gerichtsverhandlung: "Kamera?" "Kamera läuft." "Ton?" "Ton läuft." "Und bitte."

www.bluebeamentertainment.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.09.2014

Christin Grödel

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