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Wanda mit allen Tugenden des Rock’n’Roll im Schlachthof

Tanz, Schweiß und Leidenschaft Wanda mit allen Tugenden des Rock’n’Roll im Schlachthof

Wanda scheint das Vakuum zu füllen, dass die immer weiter fortschreitende Diversifizierung des Rocks hinterlässt. Sie verkörpern authentisch und einfach, was den Rock’n’Roll einst groß machte: Raue Musik, zerfetzte Klamotten, Schweiß – und Hooklines, die einen für den Rest des Lebens begleiten.

Wanda am 14. März 2017 im Schlachthof Dresden.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Es gibt eine Tatsache, die sich auch aus Dresdner Sicht nun nicht mehr bestreiten lässt: Wanda gehört definitiv die Zukunft! Und das nicht nur, weil die 2012 gegründete Band aktuell auf einer meterhohen Erfolgswelle schwimmt, auf ihrer Tour die größten Hallen füllt, von der deutschsprachigen Presse als die „Falco-Beatles-Stones“ gefeiert wird, sondern weil die fünf Jungs aus Wien auf bemerkenswerte Art und Weise den Spirit des großen Rock’n’Roll auf die Bühne bringen.

Wanda scheint genau das Vakuum zu füllen, dass die immer weiter fortschreitende Diversifizierung des Rocks hinterlässt. Sie verkörpern bemerkenswert authentisch und einfach, was den Rock’n’Roll einst groß machte: Raue Musik, zerfetzte Klamotten, Alkohol, Tabak, freches Auftreten, Stagedives, Sehnsucht, Schweiß – und Hooklines, die einen wahrscheinlich für den Rest des Lebens begleiten.

Bereits mit Sprechchören a la „Wenn jemand fragt, wohin du gehst, sag nach Bologna. Wenn jemand fragt, wofür Du stehst, sag für Amore“, „Ans, zwa, drei vier – es ist so schön bei dir“ und „Amore!“ empfingen die rund 1900 Wanda-Fans ihre Lieblinge beim ausverkauften Konzert am Dienstagabend im Schlachthof. Zuvor hatte die Dresdner Ansa Sauermann Band, die Wanda auch auf den kommenden sechs Konzerten supporten wird, den Abend eingeleitet und dem bunt gefächerten Publikum bereits die ersten Zuckungen entlockt.

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Raue Musik, zerfetzte Klamotten, Alkohol, Tabak, freches Auftreten, Stagedives, Sehnsucht, Schweiß – und Hooklines, die einen wahrscheinlich für den Rest des Lebens begleiten – das ist die österreichische Band Wanda.

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Das Wanda eine Band für jeden ist, wird einem bei genauem Blick in die Schlachthofhalle das ein ums andere mal deutlich. Zu den zahlenmäßig überlegenen Rockern, Studenten und Normalos gesellen sich Schwangere, Eltern mit ihren zehnjährigen Sprösslingen und sogar jede Menge Menschen, die man, ohne es böse zu meinen, jenseits der 50 einordnen würde. Das ist aber auch gar nicht unverständlich, schließlich mag jeder Mensch gute, ehrliche Musik, verpackt in mitsingbaren Strophen über Sehnsucht und Leidenschaft.

Und Frontmann Michael Marco Fitzthum, dem man mit seiner sympathischen Halbglatze und seiner kindlich-unschuldigen Art einfach abkaufen muss, dass er wirklich nur auf die Bühne kommt, um Rock’n’Roll und Liebe zu verbreiten, trifft mit seinen Lauten dabei pausenlos ins Schwarze: neben dem Thema Nummer eins, der „Amore“, die ausgiebig von in ihren Sonnen- und Schattenseiten beleuchtet wird, geht es vor allem um klassischen Rock’n’Roll-Klischees wie Party, Alkohol, Verlust und Leidenschaft.

Die zwar schrille, zuweilen hochtonige und definitiv ab und an zu laute, aber immer stabile Stimme von Fitzthum wird dabei von feinster Rockmusik begleitet. Schlagzeuger Lukas Hasitschka treibt die Performance seiner Band leidenschaftlich immer wieder auf ein höheres Level und zählt definitiv schon jetzt zu den Großen seiner Zunft. Auch nicht zu vergessen, der durchweg charismatische Wiener Dialekt der fünf Musiker, der leider viel zu oft der „schirchen“ – so würde der Österreicher sagen – Akustik im Schlachthof zum Opfer fällt. Stellenweise verwandelt sich die so geniale Rockmusik zu einem einzigen, ohrenbetäubendem Dröhnen.

Das schadet der Party aber keineswegs. Textsicher von der ersten bis zur letzten Minute trällern die Fans gemeinsam mit ihren Helden aus Wien von einem Titel bis zum nächsten. Die fahren auch fast das ganze Repertoire um „Bologna“, „Easy Baby“, „Ich will Schnaps“, „1, 2, 3, 4“ und „Bussi Baby“ auf. Zugegeben, es gibt es auch „nur“ die beiden Alben – und wie sollten sie auch anders heißen – „Amore“ und „Bussi“.

Das Publikum jedenfalls lässt sich zwischen den kollektiven Tanzeinlagen zu Jubelstürmen nach fast jeden Song hinreisen. Da bleibt den Rockstars auf der Bühne auch gar nicht viel mehr übrig, als weiter zu machen und fleißig „Amore“ zu verteilen. So gab es auch kein Gehasche nach potenziellen Albumkäufern, keine pseudopolitischen Statements und keine Selbstbeweihräucherung, was heutzutage eigentlich bei fast jedem Rock- und Popkonzert zumindest minimal-subliminal zu beobachten ist.

Stattdessen verausgaben sich die Jungs für ihre Fans. Echte Dankbarkeit und ernst gemeinte Luftküsschen fliegen nach dem Konzert durch die Halle – Publikum und Band sind nach gut 80 Power-Minuten gleichermaßen verausgabt, verschwitzt und schon lange auf Wolke Sieben angekommen.

An alle da draußen: So geht echter Rock’n’Roll ... mit ganz viel „Amoooore“!

Von Sebastian Burkhardt

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