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Verdis „La Traviata“ an den Landesbühnen Sachsen

Liebe, Geld und Moral Verdis „La Traviata“ an den Landesbühnen Sachsen

Verdi-Premiere an den Landesbühnen Sachsen und dann noch „La Traviata“: Das treue Publikum strömte in Scharen ins Theater. Die einhellige Begeisterung am Ende zeigte, dass die Erwartungen der Premierenbesucher in vollem Umfang erfüllt wurden.

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„La Traviata“ an den Landesbühnen Sachsen

Dresden. Verdi-Premiere an den Landesbühnen Sachsen und dann noch „La Traviata“ – da kann es nicht anders sein, als dass das treue Publikum in Scharen ins Theater strömt und einen Abend zum musikalischen und szenischen Schwelgen erwartet. Die einhellige Begeisterung am Ende zeigte, dass die Wünsche der Premierenbesucher in vollem Umfang erfüllt wurden.

Dazu trug zunächst einmal Hinrich Horstkottes, konventionelle Bahnen nie verlassendes und dank der wunderschönen Kostüme gut anzusehendes Regiekonzept bei. Er lud das Publikum ein, die tragische Love-Story zwischen der Edelkurtisane Violetta und dem sie anbetenden Alfred aus dem Blickwinkel der Entstehungszeit (1853) zu betrachten. Insofern war es nachvollziehbar, dass er Zeitsprünge von vornherein vermied. Verdi griff mit dieser Oper damals einen Gegenwartsstoff auf, beschäftigte sich mit der Frage, wie es denn nun ist, mit dem Geschäft mit Liebe und Laster auf der einen und der moralingetränkten, bürgerlichen Fassade auf der anderen Seite. In Verdis Zeit ein Skandal, zu dem es auch heute noch zuweilen aktuelle Bezüge gibt! Wenn man als Zuschauer bereit war, den Weg in die Vergangenheit mitzugehen, konnte man große Freude an Horstkottes Inszenierung haben. Er erzählte die Geschichte sehr konsequent und problemlos nachvollziehbar, ohne interpretatorische Rätsel aufzugeben. Es wird eine deutsche Fassung von Walter Felsenstein verwendet, die nun auch schon über fünfzig Jahre auf dem Buckel hat. Tiefere Dimensionen in den Beziehungen der Handlungsträger untereinander wurden freilich ausgespart. Ein paar Ungeschicklichkeiten musste man in Kauf nehmen, etwa dass Horstkotte die ohnehin nicht große Bühne der Landesbühnen mittels sängerunfreundlicher Schräge und Wänden weiter verkleinerte. Da reichte der Platz für den klangschön und lebendig agierenden Chor (Einstudierung Sebastian Matthias Fischer und Elke Lindner) kaum aus. Und auch dass die Grenzen zwischen echt anrührender Emotion und triefender Rührseligkeit ab und an überschritten wurden (Begegnung Alfred und Vater Germont im 2. Akt) gehört zu den weniger angenehmen Eindrücken des Abends.

Wesentliche und ausgesprochen positive Akzente wurden aus dem Graben heraus gesetzt. Dirigent Hans-Peter Preu konnte sich auf das kraftvolle wie nötigenfalls sensible Klangbild der Elbland Philharmonie Sachsen verlassen, souverän der Streicherteppich, markant die Bläser. Besonders schön und innig erklang beispielsweise das Vorspiel zur Oper. Sehr geschickt und erfolgreich gelang es Preu auch, zwischen Bühne und Graben zu vermitteln, die Sänger nicht zu erdrücken.

Aus dem Sängerensemble gibt es viel Gutes zu berichten. Als vom Tod gezeichnete und vom Leben enttäuschte Violetta verlieh Anna Erxleben der Partie Gestalt. Noch einmal keimt so etwas wie Hoffnung in ihrem Leben auf, als sie dem Liebeswerben Alfreds nachgibt, noch einmal bäumt sie sich gegen das Ansinnen des Vaters Germont mit aller verbliebenen Kraft auf. Am Ende muss sie erkennen, dass ihr nichts geblieben ist und das Elend ihres Leben den Sieg davonträgt. Das stellte sie alles sehr eindringlich und empfindungsreich dar. Stimmlich gab es kaum etwas auszusetzen: ein klarer, silberner Sopran, leicht geführt, facettenreich. Ihr Partner, der Tenor Carlos Moreno Pelizari, kam da nicht so recht heran. Von der Regie als in seiner Entwicklung unfertiger, junger Mann angelegt, schüchtern schwärmend, aber auch leicht aufbrausend, sang er kraftvoll, jedoch auch ziemlich eindimensional. Von stimmlichem Schmelz konnte keine Rede sein. Am meisten wurde Paul Gukhoe Song als Georges Germont gefeiert. Ihm nahm man mehr den schurkischen Intriganten, denn den liebenden Vater ab. Sein prächtiger dunkler Bass, machtvoll auftrumpfend, sprengte fast den Bühnenraum. Die kleineren Partien waren mit Patrizia Häusermann (Flora), Andreas Petzoldt (Gaston), Michael König (Douphol), Fred Bonitz (Marquis d’Obigny) und Hagen Erkrath (Doktor) adäquat und ohne größere Probleme besetzt. Nicht zu vergessen Freya Schmidt, die aus der kleinen Partie der Annina eine beeindruckende Charakterstudie machte.

Aufführungen: 6. und 9. April, 4. und 7. Mai Landesbühnen Sachsen Radebeul, 28. April Kulturhaus Freital, 30. April Theater Meißen, 14. Mai Großenhain Schloss, 7. Juni Lausitzhalle Hoyerswerda

Von Mareile Hanns

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