Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 17 ° wolkig

Navigation:
Google+
Uraufführung: „Queens of Diamonds“ im Societaetstheater

Tanzwoche Dresden Uraufführung: „Queens of Diamonds“ im Societaetstheater

Nach vier Jahren als Offizier in der Armee des Staates Israel wusste Yaron Shamir: So geht es nicht weiter. Er wurde Tänzer, dann Choreograf. Nach Gastspielen auf der Ostrale und im projekttheater arbeitet er jetzt erstmals in Dresden als Choreograf.

„Queens of Diamonds“

Quelle: André Wirsig

Dresden. Mit der Choreografie „Into the Flash“ geht der neue dreiteilige Abend beim Ballett des Hessischen Staatstheaters in Hannover zu Ende. Drei junge Choreografen kreierten Stücke zu Songs von Bob Dylan. Zu diesem Finale schrieb Kerstin Hergt in der , dass ein vor Energie strotzendes Ensemble zu sehen gewesen sei, „das sein gesamtes Kraftpotenzial in einer nicht enden wollenden Kette aus Sprüngen, Überkopfrollen, Drehungen und Zuckungen freisetzt. Explosionsartig wandelt sich die Bühne in einen Moloch schwindelerregender Moves.“ Sie fügt hinzu, dass es nach diesem „fulminanten Finale minutenlangen Beifall und Jubel für einen grandiosen Tanzabend“ gegeben habe.

Der Choreograf dieses fulminanten Finales ist der aus Israel stammende, seit sieben Jahren in Berlin lebende Tänzer und Choreograf Yaron Shamir. Derzeit arbeitet er in Dresden auf Einladung der hiesigen JuWie Dance Company an einem neuen Stück, „Queens of Diamonds“, eine Koproduktion mit dem Societaetstheater, wo im Rahmen der Tanzwoche Dresden am 21. April die Uraufführung stattfindet.

Kein gewöhnlicher Weg, vom Militär zum Tanz

Kein gewöhnlicher Weg, vom Militär zum Tanz: Yaron Shamir ging ihn.

Quelle: PR

Shamir ging, wie üblich in seiner Heimat, nach der Schule zum Militär. Vier Jahre war er Offizier in vollem Einsatz. Über Einzelheiten möchte er nicht sprechen. Danach war ihm aber klar: „Es war nicht mein Leben, mein Herz sagte mir das, und darauf habe ich gehört.“

Mit dem Tanz hatte er bis dahin nichts zu tun, und eigentlich wollte er auch Biologie studieren. Um Geld zu verdienen, arbeitete er in einem Hotel in Tel Aviv. Alles begann, als dann plötzlich ein Mann vor ihm stand und ihm sagte, er habe gesehen, wie er mit Kindern und Jugendlichen auf den Straßen Breakdance übe. Er solle nach Jerusalem kommen, in eine Kompanie, da fehlten männliche Tänzer und die Facetten dieser Street-Art würden gut passen, denn man mische die Stile des modernen Tanzes mit denen der Folklore. Und so ging es los mit dem Tanz.

Shamir tanzt in einer professionellen Kompanie. Er lernt den belgischen Choreografen Jan Fabre Kennen, geht nach Belgien und absolviert bei ihm eine Ausbildung zum Tänzer. Zurück in Israel wird er Mitglied der renommierten Vertigo Dance Company. Dann war die Zeit reif für die Eigenständigkeit. Vor sieben Jahren kam er nach Berlin und begann als Tänzer zu arbeiten, bald auch als Choreograf und Workshopleiter. Zur Frage, ob die Zeit und die Erfahrungen in der Armee in künstlerischer Hinsicht nachwirken, sagt er, dass er ganz klar erkannt habe in seiner Zeit als Offizier, wie kurz, wie zerbrechlich, wie bedroht das Leben sei. Alles könne in einem Moment zu Ende sein. Also gelte es, sich immer mit voller Kraft, mit großer Liebe und Hingabe den jeweiligen Aufgaben in der Kunst, im Tanz, beim Choreografieren, beim Unterrichten zu stellen.

Und dann muss sich Yaron Shamir doch in der künstlerischen Arbeit sehr direkt mit seinen Erfahrungen in der Armee auseinander setzen, in seiner vorletzten choreografischen Arbeit in einem spartenübergreifenden Projekt nach dem Stück „Sieben Sekunden“ von Falk Richter. Hier geht es um einen „magischen seelischen Austausch zwischen US-Kampfpiloten in der Luft und ihren Angehörigen am Boden“. Aber auf diese Thematik will er sich nicht festlegen lassen. Die darauf folgende Arbeit in Hannover war ganz anders geartet. Und mit der neuen Arbeit in Dresden mit dem Titel „Queens of Diamonds“ begibt er sich erneut in eine ganz andere Thematik. Hier wird das Publikum willkommen geheißen im Casino des Lebens, das Spiel ist der Gewinn, oder besser die Fantasie, die materiellen Gewinne bleiben Illusionen. „Queens of Diamonds“ ist „ein Tanz auf dem schmalen Grat zwischen Selbsterkenntnis und sich selbst fremd zu sein“.

Erstmals, nach solistischen Arbeiten, nach Duos und Trios oder Kreationen für eine große Kompanie, ist es eine Choreografie von Yaron Shamir für vier Tänzerinnen. Und wie geht es weiter, wenn die neue Produktion ihre Premiere gefeiert hat? Dann müsse bald eine kreative Pause kommen, vor allem weil Yaron Shamir künftig nur noch als Choreograf arbeiten will. Was das heißt, hat er jetzt erfahren: in sieben Monaten drei Choreografien, da muss man sich Zeit geben, sonst höre man die Signale des eigenen Herzens nicht mehr. Aber dann sind wir doch schon bei anstehenden Plänen, ein Solo ist geplant, „Holy Cows“, für den Tänzer Tobias Wehkamp. Und es geht nicht nach Indien, wie man vermuten könnte, es geht in die Geschichte der eigenen Heimat, in das Heilige Land, denn auch in jüdischen Legenden, in Überlieferungen der hebräischen Bibel spielt die Kuh, die rote dazu, als spezielles Opfertier eine besondere Rolle.

Jetzt aber freut sich Yaron Shamir auf die Endproben für den Tanz der Dresdner „Queens of Diamonds“ zur Musik von Stefan Menzel und Sandrow M. auf der Bühne im Lichtdesign von Severin Beyer und Veronica Wust – ab Donnerstag im Societaetstheater.

www.societaetsthetaer.de

www.tanzwoche.de

Von Boris Gruhl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr