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Unbekannte Bekannte - DNN-Rezensentin Sybille Graf blickt auf die Dresdner Kultursaison zurück

Unbekannte Bekannte - DNN-Rezensentin Sybille Graf blickt auf die Dresdner Kultursaison zurück

Was war, was wird? Was war herausragend, wo konnten Erwartungen dagegen nicht erfüllt werden? Auch im Kulturbereich wird mittlerweile oft und gern nach Höhepunkten und Enttäuschungen gesucht, die eine Saison, ein Jahr, eine Spielzeit geprägt haben.

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Überraschendes gab es im Konzert des Dresdner Festspielorchester, das zu den Musikfestspielen Vivaldi-Klänge furios zum Besten gab.

Quelle: Johannes Otto /DMF

Eine Aufgabe, der sich nun im Sommer in lockerer Folge auch Autoren der DNN-Kulturseiten stellen. Sie fassen ihre ganz persönlichen Favoriten und Impressionen zusammen, erzählen in komprimierter Form von ihren Eindrücken zwischen Bravos und Kopfschütteln. Es ist mehr ein Rück- als ein Ausblick, und er soll subjektiv und damit streitbar sein. Vielleicht ein Anlass, auch als Leser vor diesem Hintergrund sein ganz persönliches Resümee zu ziehen - oder sich bewusst mit dem Fazit unserer Autoren auseinanderzusetzen. Heute erinnert sich Sybille Graf.

Das herausragende Ereignis

Wenn ich nicht die erste bin, die an dieser Stelle wiederholt keine prompte Antwort parat hat, so ist das - wir wissen es - Schulterzucken auf hohem Niveau. Was die Menge an Angeboten betrifft, ist Dresden tatsächlich Kulturstadt und der Dresdner in herausragender Position gegenüber denjenigen, die für ein Konzert, eine Oper, ein Theaterstück, eine Ausstellung weit übers Land fahren müssen. Wenn es darunter an Herausragendem fehlt, an sich in die Erinnerung einbrennenden Ereignissen, sind die Gründe hierzulande inhaltlicher oder finanzieller Art. Da dümpelt's mancherorts dahin - verlässt man sich allein auf die Musikfestspiele? Vor diesem Hintergrund unbedingt bemerkenswert ist, dass in der vergangenen Saison ein kleiner, "nebenbei" arbeitender Verein zum 100. seiner konzeptionell meist stimmigen, das Genre ernstnehmenden Liederabende laden konnte. Chapeau! für "Das Lied in Dresden" und viel Glück für die bald 17. und hoffentlich viele weitere Spielzeiten. Dass der engagierte Verein uns Lied-Sänger wie einen Michael Volle nicht wird zurückbringen können, ist nicht seine Schuld.

Überraschendster Künstler

Giuliano Carmignola - vergangenen Mai im Rahmen der Musikfestspiele mal wieder in der Stadt - scheint nun wahrlich nicht in diese Rubrik zu passen; wohlbekannt ist seine geigerische Finesse. Zunächst einmal überraschte wohl mehr das dem einzigartigen, heute in der SLUB aufbewahrten Fundus des in der Hofkirche aufgefundenen "Schrank II" entstammende Vivaldi-Konzert RV 562, das er im Konzert des Dresdner Festspielorchesters furios zum Besten gab. Der fleißige Konzertgänger glaubt ja, Vivaldi langsam zu kennen. Das hier war tatsächlich noch überraschend. Und Carmignola dann doch auch - so zurückgetreten hinter einen jungen Konzertmeister, gutgelaunt einfach nur mitspielend. Das kann nicht jeder Große seiner Zunft.

Enttäuschte Erwartungen

Des vielfach gerühmten Tzimon Bartos Neukreation von Tschaikowskis erstem Klavierkonzert im Konzert der Dresdner Philharmonie war eine einigermaßen beklemmende Erfahrung. Nabelschau mit Nach-mir-die-Sintflut-Mentalität hat mit Musizieren nichts mehr zu tun. Eine Erklärung für die diversen Loblieder auf den Pianisten war dieses Konzert jedenfalls nicht.

Was fehlte in der Saison?

Ein Hoffnungsstrahl, dass jene Unkenrufer, die hinter dem sich hinzerrenden städtischen "Engagement" in Sachen Kulturpalast schon länger Kalkül vermuten, unrecht haben könnten. Die erste Saison der Wanderschaft hat die Dresdner Philharmonie keinen Schritt ihrem Ziel näher gebracht. Dass das Orchester, so hingehalten, mehr als nötig Federn lassen wird - welcher junge, für freiwerdende Stellen nötige Musiker sollte hier eine perspektivreiche Wirkungsstätte sehen, welcher hochrangige Solist mit Freuden in akustisch und logistisch unzureichende Ausweichspielstätten zurückkehren? - , scheint wohl unausweichlich. Dass unter der Macht der "Belastung!"-Rufe sachkundiges, langfristiges und auf Synergien bedachtes Bekenntnis offenbar nicht möglich ist, bestätigte auch die in der vergangenen Saison neuerlich entstandene Situation eines um seine Existenz bangenden städtischen Heinrich-Schütz-Konservatoriums. Nach Schüler- und Lehrer-protesten wurde wenigstens der Status Quo erhalten, zukunftsweisend ist das nicht.

Worauf ist die Vorfreude groß?

Extrem verlockend klingt die Ankündigung der Semperoper einer Straussschen "Elektra" mit Christian Thielemann am Pult, Evelyn Herlitzius in der Titelpartie und Sängern wie Waltraud Meier, Anne Schwanewilms und René Pape an ihrer Seite. Wenngleich: Der Jubel, den Herlitzius jüngst in dieser Rolle in einer offensichtlich fulminanten Inszenierung Patrice Chéreaus beim Festival d'Aix-en-Provence einheimste, hängt die Trauben für Regisseurin Barbara Frey hoch. Beethovens "Fidelio" läuft in der Semperoper gerade nicht - Klaus Florian Vogt kommt als Florestan zur Philharmonie, mit der Dirigent Markus Poschner die Oper 200 Jahre nach ihrer Uraufführung konzertant auf die Bühne bringt. Auch darauf kann man sich freuen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.08.2013

Sybille Graf

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