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Über 50 Häuser laden am Samstag zur Dresdner Museumsnacht

Zum 19. Mal Über 50 Häuser laden am Samstag zur Dresdner Museumsnacht

Über 50 Museen in der Stadt bleiben am Sonnabend zur Museumsnacht Dresden bis nach Mitternacht geöffnet. Wann beginnt etwas Neues, wie kommt es in die Welt, und wie sieht es aus? Dem widmen sich viele Häuser in diesem Jahr.

Einer von vielen Orten zur Museumsnacht: Die Technischen Sammlungen Dresden.
 

Quelle: Beate Zimmermann

Dresden. „Wehe, wenn sie losgelassen“, heißt es in Schillers „Lied von der Glocke“. Aber in der Porzellansammlung im Zwinger pfeift man auf des Dichters Warnung, da ist man am Sonnabend so frei, zwar nicht Elefanten, wohl aber Drachen loszulassen. Unter dem Motto „Die Drachen sind los“ laden die Direktorin Julia Weber und die Geschichtenerzählerin Katharina Ritter ein – und zwar stündlich zwischen 18.30 und 20.30 Uhr. Nun gehörten Drachen einst zu den Insignien der chinesischen Kaiserhäuser. Da sie sich häufig als Nachfahren der Drachen begriffen, befanden sich Darstellungen an den kaiserlichen Gewändern, den kaiserlichen Gebäuden oder auf dem kaiserlichen Teeservice. Und so kam es, dass August der Starke natürlich auch Drachen auf seinen Porzellantellern und -tassen zu sehen wünschte. Es entstand der Rote Drachen – zwischen 18 und 22 Uhr führt eine Malerin der Meissener Porzellan-Manufaktur am Beispiel des berühmten Motivs „Roter Drache“ höchste Handwerkskunst vor.

Es gibt natürlich einen Anlass, die aparten Tierchen von der langen Leine zu lassen – nämlich die 19. Museumsnacht Dresden am Sonnabend. Nun konnte Dresden ja in den vergangenen Monaten ja durchaus schon die eine oder andere positive Meldung aus Kunst und Kultur zu den einschlägigen Schlagzeilen beisteuern (da wurde etwa ein hochwertiger Konzertsaal eröffnet), das trifft auch auf die Museen zu: Sie konnten Zuwächse vermelden. Im Residenzschloss wurde der Renaissance-Flügel mit der Ausstellung „Kurfürstliche Garderobe“ eröffnet.

Renaissance-Flügel im Schloss lädt ein

Zusammen mit über 50 weiteren Museen in der Stadt bleibt er zur Museumsnacht Dresden am Sonnabend bis nach Mitternacht geöffnet. Wann beginnt etwas Neues, wie kommt es in die Welt, und wie sieht es aus? „Dem widmen sich viele Häuser in diesem Jahr. Reformation und Renaissance: ein Epochenbruch ist zu besichtigen, nicht nur im Schloss“, wie Martin Chidiac vom Amt für Kultur und Denkmalschutz im wieder umfangreich geratenen und schon seit längerem überall ausliegenden Programmheft schreibt.

Der Mathematisch-Physikalische Salon zeigt der Planeten wundersamen Lauf in sieben Minuten. Den Kirchen seit der Reformation widmet sich das Stadtteilhaus in der Neustadt. Und auch in der Bienert-Mühle wird zurückgeblickt: Hier steht die erste Kirchenglocke des Viertels von 1467. Macht und Mode – die Kleider der Herrscher, darum geht es bei den Kurfürsten. Den textilen Faden spinnen auch das Kunsthaus und das Kunstgewerbemuseum fort bis in die zeitgenössischen Künste. Im Kunsthaus Dresden geht gar eine Uraufführung über die Bühne: In der Video- und Klangperformance „Kente Sounds“ vertont die Künstlerin Constanze Nowak gemeinsam mit den Jazz-Musikern Roger Tietke und Michael Gramm live in Ghana aufgenommene Videoausschnitte zur Kente Weberei.

Mit dabei ist natürlich auch das Erich Kästner Museum. Neben Führungen durch die Kabinettausstellung des mobilen interaktiven „micromuseums“, in der die Besucher neue Exponate im Zusammenhang mit Kästners letzter Lesung in Dresden bestaunen können, besteht die Möglichkeit, Briefe an sein zukünftiges Ich zu schreiben, themenbezogen zu basteln oder an der Filmstation in Erich Kästners Welt einzutauchen.

Neue Dauerausstellung der Rüstkammer wird eröffnet

Im Rahmen der Museumsnacht wird mit dem Silberwaffensaal im teilrekonstruierten, sogenannten Rotseidenen Zimmer des Georgenbaus eine weitere neue Dauerausstellung der Rüstkammer eröffnet. Die silbernen Paradeharnische sowie die silberplattierten Rapiere und Dolche aus der Zeit um 1580 bis 1610 wurden anlässlich bedeutender dynastischer Ereignisse für die sächsischen Kurfürsten und Prinzen sowie den Hofstaat geschaffen und zur Demonstration wirtschaftlicher Prosperität bei öffentlichen Aufzügen verwendet. Als kurfürstliche Festausstattungen knüpfen sie thematisch direkt an die Turnier- und Paradewaffen im Riesensaal an. Als Silberschatz bilden sie den sinnfälligen Auftakt zum Münzkabinett.

Auch sonst sind im Schloss etliche Waffen zu sehen, ebenso im Militärhistorischen Museum. Die einen im Schloss sind – weil nicht zuletzt prunkvoll gestaltet – fast schon schnucklig anzusehen, die anderen jagen hingegen noch immer Schauer über den Rücken.

Es gibt, wie Chidiac zu Recht konstatiert, „jede Menge Gelegenheit, selbst aktiv zu werden“: Genialisch zeichnen im Albertinum, Rad fahren für die Minilok im Verkehrsmuseum, telefonieren wie früher beim Fernmeldemuseum und Fingerabdrücke selbst probieren. Das Stadtmuseum und die Städtische Galerie laden zur Nachtschicht ein. Mit unterschiedlichen Bauschichten befasst sich beispielsweise die Kuratorin der Kulturpalast-Ausstellung und stellt diese in Kurzführungen vor. Schicht im Schacht ist das Zeitzeugengespräch mit dem ehemaligen Leiter des Schicht-Theaters überschrieben, der politischen Bühne im Kulturpalast. Gesellschaftliche Schichten werden bei einem besonderen Blick auf Dresdner Stadtteile deutlich, die der Kurator der Ausstellung zum Neuen Dresden vorstellt.

Kreative Familienführung in der Städtischen Galerie

Die heiteren Farbflächen Günther Hornigs stehen im Zentrum einer kreativen Familienführung in der Städtischen Galerie. Im Foyer des Landhauses behauptet das Pegasus-Theater „Die Welt steht auf kein‘ Fall mehr lang“. Im Panometer finden allerlei Führungen statt, zudem sind am Panometer-Infopoint am Jüdenhof 10 um 19 und 21 Uhr zwei Lesungen mit Ralf Nürnberger aus seinem letzten Roman angesetzt, in dem er ein detailreiches Bild vom Wirken Canalettos in Dresden zeichnet.

Ob „Entenjagd“ im Verkehrsmuseum, Märchen von Liebe, Lust und Leidenschaft in den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen oder eine Unterrichtsstunde „zum Mitmachen zwischen Rohrstock und Gebetbuch“: Museumsnacht, das sind auch immer unerwartete Momente, Bilder und Begegnungen, die für sich sprechen.

Ob Technik- oder Lyrikliebhaber, Porzellansammler, Münzsammler oder Eisenbahner – die teilnehmenden Museen bieten für jeden Besucher etwas. Von den Technischen Sammlungen über den Botanischen Garten bis hin zum Eisenbahnmuseum haben alle Museen bis eine Stunde nach Mitternacht geöffnet. Auch außerhalb des Stadtzentrums warten viele Einrichtungen auf Besucher, zudem sitzen auch Institutionen des Umlands mittlerweile mit im Boot. Das Uhrenmuseum Glashütte zeigt beispielsweise in der Boutique der Manufaktur Glashütte Original eine exklusive Auswahl seiner Sammlung.

Service

Über 50 Häuser beteiligen sich an der Museumsnacht

Zeitraum: Samstag 18 – 1 Uhr in der Nacht

Karten: 13 Euro, ermäßigt 9 Euro

Zwischen den Museen pendeln mehrere Sonderlinien der DVB

Mit Museumsnacht-Ticket sind alle Fahrten in allen Nahverkehrsmitteln – außer Sonderverkehrsmittel – im VVO-Verbundraum von 14 bis 6 Uhr frei.

Von Christian Ruf

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