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Theatertexte und Einmischung

Lessing-Förderpreise an Thomas Freyer und Anna Kaleri Theatertexte und Einmischung

Der Dramatiker Thomas Freyer und die Schriftstellerin Anna Kaleri sind die diesjährigen Lessing-Förderpreisträger. Die Auszeichnung ist für beide mit je 5500 Euro Preisgeld verbunden. Freyer hat unter anderem am Dresdner Staatsschauspiel mit seine Texten markante Akzente gesetzt. Kaleri rief 2016 die Initiative „Literatur statt Brandsätze“ ins Leben.

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Anna Kaleri

Quelle: privat

Kamenz. Einer der beiden Förderpreise geht an Anna Kaleri. Die 32-jährige, im Ostharz geborene und in Leipzig lebende Schriftstellerin und Journalistin hat ein Hörspiel für Kinder, Prosaminiaturen und zwei Romane veröffentlicht.

Zuletzt erschien „Der Himmel ist ein Fluss“ (2012). Darin hat sie das Leben ihrer masurischen Großmutter nachempfunden, die von den Nationalsozialisten wegen „Rassenschande“ ins Gefängnis gesperrt worden war. Kein Foto und kein Grabstein waren von ihr geblieben. Ihre vier Reisen in die Masuren zur Spurensuche hat Anna Kaleri als „Masurisches Tagebuch“ herausgebracht. Der Roman „Hochleben“ (2006) erzählt vom Aufbruch einer Kompositionsstudentin, der aber im Kessel eines Tales endet.

Angesichts von Angriffen auf Flüchtlingsheime und Demonstrationen von Rechtspopulisten auf Sachsens Straßen ist sie aktiv geworden und hat 2016 zusammen mit anderen die Gegeninitiative „Literatur statt Brandsätze“ ins Leben gerufen. Mit unbezahlten Lesungen sind sächsische Schriftsteller in Regionen gegangen, wohin Autoren selten oder nie kommen. Besonders junge Leute wollen sie damit zu eigenständiger Haltung und Empathie ermutigen.

Jetzt im Januar hat Anna Kaleri einen neuen Verein gegründet: „Lauter Leise e.V. Kunst und Demokratie“ (www.lauter-leise.de). Kulturschaffende sollen im Sommer in einem Bus quer durch Sachsen tingeln. Eine kleine Kulturoffensive für echtes Selbstbewusstsein und konstruktives Gemeinschaftsgefühl.

Thomas Freyer

Thomas Freyer

Quelle: Matthias Horn

Den zweiten Förderpreis bekommt der 35-jährige Dramatiker Thomas Freyer. In „mein deutsches deutsches Land“, 2014 am Dresdner Staatsschauspiel uraufgeführt, hat er die Vorgänge um die Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ verarbeitet. Er stellt auf drei Zeitebenen dar, wie zwei Männer und eine Frau zu Mördern werden. Ein Stück von Verlassenheit und tödlichem Wahnsinn. Es zeigt: Ihren Weg begonnen haben die fanatisierten Jugendlichen in der Mitte der Gesellschaft.

2011 hatte er in Dresden das Auftragswerk „Das halbe Meer“ verfasst. Im Mittelpunkt steht das zunächst einfache und friedliche Leben einer kleinen Inselgesellschaft. Als Handelsschiffe ausbleiben und die Lebensmittel knapp werden, brechen Bewohner mit den einstigen Grundsätzen. Ideale scheitern an einer schwierigen Realität.

„Amoklauf mein Kinderspiel“ war Thomas Freyers erstes Stück, uraufgeführt 2006 in Weimar. Darin suchen die Kinder der Nachwende-Generation vergebens nach Heimat, Identität, Orientierung. Am Ende eskaliert das in der Gewalt-Phantasie eines Amoklaufs.

Thomas Freyer, Jahrgang 1981, stammt aus Gera. Er hat szenisches Schreiben an der Universität der Künste in Berlin studiert. Zuletzt lieferte er Text und Recherche für das Fußballprojekt „DYNAAAMO!“ der Bürgerbühne im Kleinen Haus in Dresden.

 

Von Tomas Gärtner

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