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Tanzwoche Dresden I: Cynthia Gonzales Dance Theater aus Bern

Tanzwoche Dresden I: Cynthia Gonzales Dance Theater aus Bern

Sie brauchen keine speziellen Bühneneffekte und dergleichen mehr, vertrauen voll und ganz auf die Arbeit mit dem Körper, auf Bewegung. Vereint mit sparsamen Lichtakzenten sowie dem eindringlichen Spiel des Jazzpianisten Johnny Gonzales.

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Cynthia Gonzales und Boris Nahalka in "Chargred".

Quelle: Christian Glaus

Gleich Kostbarkeiten - auf Saiten und Tasten - lässt dieser immer wieder seine Klangwelt aufblühen, und das an einem "offengelegten" Klavier, wo ihm doch sonst eher Konzertflügel zur Verfügung stehen. Aber die Improvisation ist sein Metier. Und so vermag er es auch, sich der Szene sensibel zuzuordnen.

Die aus Bolivien stammende Tänzerin und Choreografin Cynthia Gonzales, die vor etlichen Jahren den Studiengang Choreografie an der Palucca Schule Dresden - Hochschule für Tanz absolvierte, ist dem hiesigen Publikum nach wie vor bestens bekannt. Und sie hat hierzulande - auch gemeinsam mit ihrem außergewöhnlichen Musiker-Vater - schon mehrere Projekte herausgebracht. Inzwischen lebt sie in der Schweiz, macht derzeit ihren Master im Studienbereich Theater an der Hochschule der Künste Bern. Zur Tanzwoche Dresden ist sie mit "Charged" (UA Februar 2011 in Bern) nach Dresden gekommen, ein Tanzduett, das sie gemeinsam mit dem slowakischen Tänzer Boris Nahalka auf die Bühne des Societaetstheaters bringt. Die in ihren Abmessungen nicht unbedingt für raumgreifenden Tanz geeignet ist. Aber die dichte, bei aller Leichtigkeit spürbar durchkomponierte Arbeit sprengt den Raum eher in ihrer Intensität, und darin sind sich die beiden Tanzdarsteller durchaus ebenbürtig. Aufgeladen mit einer enormen Energie, bedienen sie sich in geschickten Verwandlungen auch unterschiedlicher Kampfsportarten. Weniger, um sie zu veredeln, mehr als ein Spiel mit Möglichkeiten, wo es um Persönlichkeit, das Maß an Kraft und Geschicklichkeit geht.

Wenn beide schließlich ausgepowert am Bühnenrand sitzen, um mit dem Publikum gemeinsam dem virtuosen Spiel von Johnny zuzuhören, könnte man meinen, dies sei der Ausklang des Abends. Aber nein, sie haben immer noch Kraft, sich weiter aneinander messen zu wollen, nehmen in geraffter Form den roten Faden vom Beginn wieder auf. Wo sie, auf eine Lichtstrecke gebracht, zunehmend aus der Bahn geworfen sind, bis sie endlich einen "Draht" zueinander finden. Dann "funkt" es schließlich, und mit dem Kurzschluss wird es zappeduster.

Zwischenzeitlich aber gibt es auch eine Annäherung, quasi als wechselseitiges Austesten der Energieströme. Und besonders bemerkenswert sind zwei wunderbare Soli, in denen jeder offenbar das tut, wozu er gerade oder überhaupt Lust hat. Das ist bei der Frau eine vibrierende, flatternde, greifbare Sprache der Hände, die einen scheinbar geschützten, aber auch fragilen, gefährdeten Seelenraum assoziieren. Und der Mann bringt sich mit kraftbetonter, lustvoller Launigkeit ins Spiel, selbstsicher und seines Weges bewusst. Doch ebenso ist bei ihm zu spüren, wie sich unter den sieben Häuten ein Empfinden verbirgt, das mehr leise ist als laut, und seine Schwäche ist deutlich Stärke. Zum Schluss stehen sie wieder vor den Zuschauern beieinander, und diese erahnen, was kommen wird. Doch wer weiß letztlich schon so genau, was da kommt, wenn es funkt.

Gabriele Gorgas

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.04.2012

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