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Supersilent und The Wooden Sky sind heute in Dresden

Supersilent und The Wooden Sky sind heute in Dresden

Sie waren schon da und sie kommen wieder, aber eines kommen sie nicht: sich in die Quere. Auch Besucherströme werden sich nicht begegnen. Das erleichtert Entscheidungen. Obwohl - zu schaffen wären beide Bands sogar nacheinander...

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The Wooden Sky

Quelle: PR

Dresden. Gegensätze ziehen sich noch immer an. Die norwegischen Supersilent und die kanadischen The Wooden Sky bewegen sich auf höchst unterschiedlichem stilistischen Terrain und bringen wohl nur die besonders wachen Freunde zeitgenössischer Musik in die Bredouille, wenn sie an diesem einzigen Abend in der Stadt auftauchen.

Supersilent, die mittlerweile minus eins, also zu dritt agierende Free-Sound-Kapelle aus Bergen, wird das Festspielhaus Hellerau im Rahmen des Nordwind-Festivals (und in Kooperation mit dem Jazzclub Tonne) zu nehmen wissen. Allein der präzise Spielort - Südempore - verspricht zusätzlichen Reiz. Die Tatsache, dass sich Arve Henriksen (Gesang, Trompete, Percussion), Helge Sten (Electronics, Synthesizer, E-Gitarre) und Ståle Storløkken (Synthesizer, Piano) seit Gründung in dieser personellen Konstellation im Jahre 1997 vorab nie über ihre Musik unterhalten, gar streiten, nie proben und sich allein zu Konzerten und in Aufnahmestudios treffen, sorgt für den Rest. Diese Herangehensweise, so haben die "Superstillen" stets betont, ist für sie viel weniger Philosophie denn passende Arbeitsmethode.

Platten bedeuten für Supersilent also immer Momentaufnahmen. Editionen bekommen bei Veröffentlichung sture Nummern, auch die Bezeichnung von Titeln fehlt. So ist das Trio nunmehr bei "12" angelangt, von "12.1" bis "12.13" geht die Stückeauswahl. Anzunehmen, es standen wieder mindestens zehn Parts mehr zur Auswahl. Doch auch hierbei gilt: Nachträglich eingegriffen wird ins entstandene Material nicht, nur gemischt! Helge Sten: "Wenn du eine Sprache kannst, musst du sie nicht mehr üben, du sprichst sie einfach." Der hochgradig improvisierte Anteil in Supersilents Universum rief zeitig die Jazz-Puristen auf den Plan, doch bis heute ist der Band die Verweigerung geglückt. Eine klare Kategorisierung bleibt irre- und nur wenig zielführend. Einnehmen lassen sie sich sowieso nicht, eher trägt ihre Kunst integrative Züge, vereint den Postrock-Anhänger genauso wie den Electronics-Nerd, die Freunde kantigen Ambients genauso wie die der offenen Klassik. "12" präsentiert dabei vorrangig Klänge aus dem Stromhaus, das auf festem elektronischen Fundament steht. Auf Stimme wird verzichtet, dafür erklingen wieder diese flatternden, zerklüfteten Trompetenstöße. Supersilent stehen weiter für Druck, radikale Texturen, reiche Ressourcen, Verfremdungen und Modulationen. Supersilent stehen fürs Schreiten anstatt Gehen.

The Wooden Sky kommen von innen nach außen. Sie begannen ihre Dresden-Konzerte im kleinen Thalia-Kino, gingen dann in die Scheune, spielen jetzt im Beatpol. Sie hatten beziehungsweise haben drei Platten dabei, vier sind es insgesamt in ihrer achtjährigen Zusammenarbeit. "Let's Be Ready" (Nevado/Rough Trade) wies dabei schon im sonnigen 2015er Juni aufs Novembergrau. Was neu ist? Mit der Trennung von Urmitglied und Drummer Peter Krpan erfolgte eine Zäsur im Gefüge. Was geblieben ist? Im Reigen der unzählig scheinenden Sympathie-Folkrockbands Kanadas verteidigen The Wooden Sky ihre vordere Position mit sauberen, angemessen drängend gespielten Songs fern von Geknispel und Larmoyanz, hervorragend gesungen, fein und frisch arrangiert. The Wooden Sky sind keine Fahrraderfinder, sie nutzen den Sektor des schon Entdeckten für sich. Das gibt ihnen Ruhe und Gelassenheit - wieder neu. Denn, glaubt man Frontmann Gavin Gardener, hat das obsessive Touren in den letzten Jahren dermaßen geschlaucht, dass sogar die Auflösung der Band im Raum stand. Herrlich, dieses Nein am Ende!

Supersilent, heute, 20 Uhr, Festspielhaus Hellerau The Wooden Sky, Vorband: Monk Parker, heute, 21 Uhr, Beatpol

Andreas Körner

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